PISA-Studie als Weckruf

Der Vorsitzende des türkischen Elternvereins Schramberg wehrt sich gegen den Versuch, ausländische Schülerinnen und Schüler für die Bildungsmisere verantwortlich zu machen

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Diese Woche kamen die neuen Zahlen der Pisa-Studie zum Bildungsstand der Schülerinnen und Schüler heraus. Danach waren die Leistungen so schlecht wie noch nie. Als Ursachen haben Kommentartoren die Corona-Pandemie, aber auch die hohe Zahl an Kindern mit Migrationshintergrund genannt. Der Vorsitzende des türkischen Elternvereins Schramberg, Ibrahim Er, hat dazu ausführlich Stellung bezogen:

Die Ergebnisse der PISA-Studie 2022 werfen einen besorgniserregenden Blick auf den aktuellen Zustand des Bildungssystems, insbesondere im Zusammenhang mit den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie. Es ist bedauerlich, dass einige versuchen, ausländische Schülerinnen und Schüler als Sündenbock für die schlechte Bildungslage zu instrumentalisieren, um Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen.

Vorwurf unfair

Dieser Vorwurf ist nicht nur unfair, sondern trägt auch dazu bei, fremdenfeindliche und rassistische Gedanken in der Bevölkerung zu verstärken. Dies ist ein Armutszeugnis für Deutschland und die aktuelle Regierung. Es lässt sich darüber streiten, ob die Leistungen ausländischer Schülerinnen und Schüler die Gesamtquote beeinflussen. Jedoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die schlechten Ergebnisse in erheblichem Maße auf die pandemiebedingten Herausforderungen zurückzuführen sind.

Die Krise hat die Kluft zwischen bildungsfernen Familien und bildungsnahen Familien weiter vergrößert. Dieser Umstand stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Chancengleichheit dar, die bereits vor der Pandemie auf der Kippe stand.

Die aktuelle bildungspolitische Ausrichtung reicht nicht mehr aus, um die aufgetretenen Schäden zu reparieren. Es bedarf dringender Maßnahmen seitens der Kultusminister, die gemeinsam mit örtlichen Elternverbänden und Schulen ergriffen werden müssen. Es ist wichtig zu betonen, dass die Pandemie die bestehenden Bildungsungleichheiten verstärkt hat.

Bildungsungleichheit gestiegen

Familien, die bereits vorher mit Bildungsferne zu kämpfen hatten, sind nun noch stärker benachteiligt. Hier gilt es anzusetzen und gezielt Ressourcen bereitzustellen, um die Bildungschancen für alle Schülerinnen und Schüler zu verbessern.

Die Chancengleichheit ist ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft, und es ist unerlässlich, dass die Kultusministerien jetzt handeln. Gemeinsam mit den Elternverbänden und Schulen sollten gezielte Maßnahmen entwickelt werden, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler abgestimmt sind. Dazu gehört auch die Förderung von individuellen Lernwegen und die Bereitstellung von Ressourcen für benachteiligte Schülergruppen.

Es ist an der Zeit, die Bildungspolitik neu zu gestalten und den Fokus auf eine inklusive, chancengerechte Bildung zu legen. Die Kultusministerien müssen sich aktiv für eine umfassende Reform einsetzen, die den Herausforderungen der aktuellen Zeit gerecht wird. Nur so können wir sicherstellen, dass die Chancengleichheit nicht weiter abnimmt und die Bildung für alle Kinder und Jugendlichen eine faire Grundlage erhält.

Wir appellieren an die Verantwortlichen, die Ergebnisse der PISA-Studie als Weckruf zu verstehen und jetzt entschlossen zu handeln. Die Zukunft unserer Gesellschaft hängt entscheidend von der Bildung unserer Kinder ab, und es liegt in unserer Verantwortung, sicherzustellen, dass diese Zukunft für alle gleichermaßen vielversprechend ist.

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