Ein selten gespieltes Stück aus der Zeit des Sturm und Drang mit einer immer noch sehr aktuellen Problematik:Der Hofmeister oder die Vorteile der Privaterziehung. Foto: pm

ROTTWEIL – Das Stück „Der Hof­meis­ter oder die Vor­tei­le der Pri­va­ter­zie­hung“ von Jakob Micha­el Rein­hold Lenz hat am 10. März ab 20 Uhr im Zim­mer­thea­ter Rott­weil Pre­mie­re.

J. R. M. Lenz rech­net in „Der Hof­meis­ter“ 1774 mit Ver­hält­nis­sen ab, die er aus eige­nem Erle­ben kann­te: Jun­ge Aka­de­mi­ker muss­ten sich man­gels ande­rer Mög­lich­kei­ten als Haus­leh­rer bei ade­li­gen Fami­li­en ver­din­gen. So auch die Haupt­fi­gur Läuf­fer, der von der Haus­her­rin gede­mü­tigt eine Liai­son mit ihrer Toch­ter ein­geht, sie schwän­gert und davon gejagt wird. Läuf­fer kommt vom Regen in die Trau­fe, als er sich zu dem Dorf­schul­leh­rer Wen­zes­laus flüch­tet, der Selbst­dis­zi­plin und Ent­halt­sam­keit pre­digt. Um sei­ne sexu­el­len Gelüs­te abzu­tö­ten, kas­triert sich Läuf­fer schließ­lich selbst und wird für die­se radi­kals­te Form der Trieb­un­ter­drü­ckung von sei­nem neu­en Men­tor als Vor­bild für die Jugend gefei­ert. In der an aber­wit­zi­gen und gro­tes­ken Ver­wick­lun­gen rei­chen Komö­die kommt, oh Wun­der, alles zu einem guten Ende.

Lenz kri­ti­siert nicht nur den Dün­kel und Hoch­mut des Adels, viel­mehr stellt er die frei­wil­lig gewähl­te Abhän­gig­keit des Bür­ger­tums und des­sen feh­len­den Kampf­geist in Fra­ge. Der all­zu har­mo­ni­sche Schluss des bis heu­te fas­zi­nie­ren­den und irri­tie­ren­den Stücks, wird so zu einem Instru­ment der Kri­tik und die Kon­se­quen­zen sinn­li­cher Unter­drü­ckung von Lenz klar benannt. Die Vor- und Nach­tei­le ver­schie­de­ner Erzie­hungs­sti­le sor­gen bis heu­te für Zünd­stoff.

Unter der Regie von Peter Staats­mann und Dra­ma­tur­gie von Bet­ti­na Schült­ke spie­len Frank Deesz, Hei­drun Fied­ler, Isa­bel­le Groß de Gar­cía, Niklas Lei­fert und Petra Wei­mer.

Kar­ten­re­ser­vie­run­gen unter 0741/8990 oder unter: info@zimmertheater-rottweil.de

Wei­te­re Vor­stel­lun­gen sind am: 11., 17., 18., 24., 25. März, 07., 08., 27., 28. April, 05., 06., 12., 13., 19., 20. Mai, 23. und 24. Juni 2017 immer um 20 Uhr.

Am Sams­tag, 25. März, gibt es ab 17 Uhr im Zim­mer­thea­ter Vor­trä­ge und eine Dis­kus­si­on zum The­ma „Was ist gute Erzie­hung heu­te?“ und im Anschluss an die Vor­stel­lung ein Publi­kums­ge­spräch.