„Madre de la torres“ (Mutter der Türme) von Reinhold Ulmschneider. Foto: pm

ROTTWEIL – Rein­hold Ulm­schnei­ders „Madre de la tor­res“ (Mut­ter der Tür­me) ist ab Sams­tag, 9. Sep­tem­ber im Buch­la­den Irm­gard Kolb in der Metz­ger­gas­se 1 zu sehen.

Über sei­nen Betrag in Sachen Rott­wei­ler Tür­me meint der Künst­ler: „Eines hat der neue Turm zu Rott­weil sicher erreicht: Die Turm­fra­ge hat den alten his­to­ri­schen Gesel­len in unse­rer Stadt zu neu­er Auf­merk­sam­keit ver­hol­fen. Man spürt sogar Bedau­ern über den vor­schnel­len Abbruch man­cher stadt­bild­prä­gen­den Tore und Eck­pfei­ler. Eines hat sich seit dem spä­ten Mit­tel­al­ter jedoch dia­me­tral geändert:die Stadt will heu­te gera­de­zu ein­ge­nom­men wer­den. Neue Brü­cken wer­den ange­bo­ten, zah­len­den Fein­den ste­hen die Wehr­gän­ge offen und wei­ße Fah­nen win­ken ihnen freund­lich zu.

Gewal­tig schraubt sich der neue Turm in den Him­mel zwi­schen Alb und Schwarz­wald und signa­li­siert weit­hin die Lage der Stadt. Man stell sich vor: Mar­schall Gue­bri­ant steht am Him­mel­reichs­wäld­le, die Schwe­den lagern am Lan­gen Berg und die Kai­ser­li­chen lau­ern am Becken­hölz­le. Gedul­dig sieht man ihre Abge­sand­ten vor dem Haupt­amt um Ein­tritts­kar­ten anste­hen.

Ob die­ser neu­en Beschüt­zer­rol­le des Tys­sen-Krupp-Rie­sen soll neu­er­dings sogar die Göß­lin­ger Schutz­man­tel­m­a­don­na im Muse­um etwas nei­disch drein­schau­en.“

Der Rott­wei­ler Künst­ler Rein­hold Ulm­schnei­der ist vor weni­gen Jah­ren zum plas­ti­schen Arbei­ten über­ge­gan­gen. Die Bild­spra­che ist unüber­seh­bar die Welt der Archi­tek­tur, die eine fast untrenn­ba­re Sym­bio­se mit der Natur ein­geht. Sein Haupt­ma­te­ri­al ist bana­ler Ver­pa­ckungs­kar­ton, der eine vir­tu­el­le Ver­wand­lung und Ver­ede­lung erfährt und sich mit aus­ge­mus­ter­ten Natur­ma­te­ria­li­en, wie Rin­de, Wur­zeln, Sand und Pflan­zen­fos­si­li­en har­mo­nisch und kon­trast­reich zugleich, paart.

So ent­ste­hen Minia­tu­ren, die zu Büh­nen und Kulis­sen wer­den für Erleb­nis­räu­me bei Künst­ler und Betrach­ter, die blitz­ar­tig aus der All­tags­er­fah­rung ent­füh­ren kön­nen. Was vor­der­grün­dig schnell roman­ti­sche Bil­der zu bie­ten scheint ent­puppt sich aber als sym­pa­thi­sche oder scho­ckie­ren­de Fal­le, den hin­ter dem schö­nen Schein ste­hen oft nüch­ter­ne All­tags­fak­ten aus Poli­tik und Gesell­schaft, die zu Ängs­ten, Zorn, Iro­nie und Spott ver­an­las­sen.