Freuen sich über die gelungene Ausstellung ( von links): Steffi Schöne, Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr, Michael und Annette Melvin. Vorne zwei Grabmale mit Leuchtturm und Kerze. Foto: him

SCHRAMBERG – Freun­de, Ver­wand­te, Bekann­te, Nach­barn und Ver­mie­ter haben am Mon­tag­abend die Eröff­nungs-Aus­stel­lung „Inno­va­ti­ves Grab- und Denkmalde­sign“ von Stef­fi Schö­ne besucht. Auch Ober­bür­ger­meis­te­rin Doro­thee Eisenlohr und Karl Pröbst­le, in der Ver­wal­tung für die Fried­hö­fe zustän­dig waren gekom­men.

Im Majo­li­ka Fir­men­park zeigt die Künst­le­rin nun bis Sonn­tag ihre unge­wöhn­li­chen Grab- und Denk­ma­le „mit magi­schem Effekt“. 

Schö­ne hat sich nach drei­ein­halb Jah­ren in Horb in die­sem Som­mer in Schram­berg nie­der­ge­las­sen und hier ein Stu­dio ein­ge­rich­tet. Für die Aus­stel­lung ihrer unge­wöhn­li­chen Grab­ma­le haben Annet­te und Micha­el Mel­vin der Künst­le­rin einen gro­ßen leer ste­hen­den Raum in der ehe­ma­li­gen Majo­li­ka  über­las­sen.

Dort zeigt Schö­ne ihre Wer­ke: In zylin­dri­schen Spie­gel­säu­len ent­steht das Abbild einer Ker­ze, einer Blu­me oder eines Por­träts, das die Künst­le­rin auf einer Flä­che im Halb­kreis um die Säu­le gemalt hat. „Das ist mathe­ma­tisch-phy­si­ka­lisch sehr anspruchs­voll“, erläu­tert sie. Und fügt gleich hin­zu:  „Die­sen Effekt kann­te man schon in der Renais­sance. Er ist aber weit­ge­hend in Ver­ges­sen­heit gera­ten.“

400 Jahre alte „Spielwaren für Erwachsene“

Und tat­säch­lich: Um 1630 ent­stan­den in Augs­burg kunst­vol­le Schrän­ke mit opti­schen Effek­ten und Über­ra­schun­gen zum Amü­se­ment des Adels. Dazu gehör­ten die Ana­mor­pho­sen, Bil­der, deren Dar­stel­lung beim nor­ma­len Betrach­ten nicht erkenn­bar ist und erst aus einer bestimm­ten Per­spek­ti­ve einen Aha-Effekt aus­löst.

Die „Spie­gela­na­mor­pho­se“ ist eine Son­der­form: Das Bild wird erkenn­bar erst in einem beson­ders geform­ten Spie­gel. „Spiel­wa­ren für Erwach­se­ne“, nennt der Kunst­his­to­ri­ker Tho­mas Eser die­se Bil­der mit Spie­geln.

Denkmal in Dinslaken

Schö­ne hat 2018 ein Denk­mal für  Jean­net­te Wolf, eine SPD-Poli­ti­ke­rin  und von den Nazis ver­folg­te Jüdin, in Dins­la­ken auf die­se Art gestal­tet. Es sei für vie­le Men­schen über­ra­schend, weil das Bild in ver­schie­de­nen Far­ben puz­zle­ar­tig zusam­men­ge­setzt in den Asphalt ein­ge­las­sen sei. „Man kann  drü­ber lau­fen und merkt nichts“, so Schö­ne. „Es ist nichts, was sich auf den ers­ten Blick öff­net.“ In der Schram­ber­ger Aus­stel­lung zeigt Schö­ne den Ent­wurf für die­ses Denk­mal.

Der Ent­wurf für das Denk­mal für Jean­net­te Wolf in Dins­la­ken. In der Spie­gel­säu­le links scheint das Por­trät auf. Foto: him

Bei der Eröff­nung wünsch­te Ober­bür­ger­meis­te­rin Eisenlohr der Künst­le­rin viel Erfolg. Für Schram­berg sei­en ihre Arbei­ten eine Berei­che­rung.  In der Majo­li­ka habe sie den rich­ti­gen Raum gefun­den: „Hier ent­stand ja auch schon seit 200 Jah­ren span­nen­des Design.“

Haus­herr Micha­el Mel­vin berich­te­te anschlie­ßend vom lan­gen Vor­lauf. Auch dass Schö­ne „eisern an Schram­berg fest­ge­hal­ten“ habe, bis der pas­sen­de Raum in der Majo­li­ka gefun­den war. Dass Mel­vin auch Zunft­meis­ter der Schram­ber­ger Nar­ren­zunft ist, blitz­te in einer Schluss­be­mer­kung auf: Schö­nes Grab­ma­le mit Ker­zen pass­ten bes­tens in die heu­ti­ge Zeit: „Sie haben die CO2 freie Ker­ze erfun­den.“

Die Besu­cher, die  Mimo­sa Pale mit ihrer sin­gen­den Säge begrüßt hat­te, wan­del­ten noch eine gan­ze Wei­le durch den Raum. Sie lie­ßen sich von den moder­nen Spie­gel-Ana­mor­pho­sen bezau­bern, wie schon die Men­schen vor bald 400 Jah­ren.

Info: Die Aus­stel­lung ist zu fin­den in der Bahn­hof­stra­ße 25, in  Schram­berg (Ein­gang links neben Tho­mas Phil­ipps). Sie ist geöff­net vom 22. bis 25. Okto­ber von 15 bis 18 Uhr. Am Sams­tag, 26. Okto­ber von 12 bis 15 Uhr und am Sonn­tag, 27. Okto­ber von 14 bis 18 Uhr. Außer­halb der Zei­ten nach Abspra­che 0176/ 43 43 44 56 

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen über Spie­gela­na­mor­pho­sen fin­den sich hier: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/3037/1/Eser_Augsburger_Anamorphosen_2001.pdf