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Donnerstag, 2. April 2020
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    Renaissance-Idee wiederauferstanden

    Steffi Schöne zeigt außergewöhnliche Grabmale in der Schramberger Majolika

    SCHRAMBERG – Freunde, Verwandte, Bekannte, Nachbarn und Vermieter haben am Montagabend die Eröffnungs-Ausstellung „Innovatives Grab- und Denkmaldesign“ von Steffi Schöne besucht. Auch Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr und Karl Pröbstle, in der Verwaltung für die Friedhöfe zuständig waren gekommen.

    Im Majolika Firmenpark zeigt die Künstlerin nun bis Sonntag ihre ungewöhnlichen Grab- und Denkmale „mit magischem Effekt“. 

    Schöne hat sich nach dreieinhalb Jahren in Horb in diesem Sommer in Schramberg niedergelassen und hier ein Studio eingerichtet. Für die Ausstellung ihrer ungewöhnlichen Grabmale haben Annette und Michael Melvin der Künstlerin einen großen leer stehenden Raum in der ehemaligen Majolika  überlassen.

    Dort zeigt Schöne ihre Werke: In zylindrischen Spiegelsäulen entsteht das Abbild einer Kerze, einer Blume oder eines Porträts, das die Künstlerin auf einer Fläche im Halbkreis um die Säule gemalt hat. „Das ist mathematisch-physikalisch sehr anspruchsvoll“, erläutert sie. Und fügt gleich hinzu:  „Diesen Effekt kannte man schon in der Renaissance. Er ist aber weitgehend in Vergessenheit geraten.“

    400 Jahre alte „Spielwaren für Erwachsene“

    Und tatsächlich: Um 1630 entstanden in Augsburg kunstvolle Schränke mit optischen Effekten und Überraschungen zum Amüsement des Adels. Dazu gehörten die Anamorphosen, Bilder, deren Darstellung beim normalen Betrachten nicht erkennbar ist und erst aus einer bestimmten Perspektive einen Aha-Effekt auslöst.

    Die „Spiegelanamorphose“ ist eine Sonderform: Das Bild wird erkennbar erst in einem besonders geformten Spiegel. „Spielwaren für Erwachsene“, nennt der Kunsthistoriker Thomas Eser diese Bilder mit Spiegeln.

    Denkmal in Dinslaken

    Schöne hat 2018 ein Denkmal für  Jeannette Wolf, eine SPD-Politikerin  und von den Nazis verfolgte Jüdin, in Dinslaken auf diese Art gestaltet. Es sei für viele Menschen überraschend, weil das Bild in verschiedenen Farben puzzleartig zusammengesetzt in den Asphalt eingelassen sei. „Man kann  drüber laufen und merkt nichts“, so Schöne. „Es ist nichts, was sich auf den ersten Blick öffnet.“ In der Schramberger Ausstellung zeigt Schöne den Entwurf für dieses Denkmal.

    Der Entwurf für das Denkmal für Jeannette Wolf in Dinslaken. In der Spiegelsäule links scheint das Porträt auf. Foto: him

    Bei der Eröffnung wünschte Oberbürgermeisterin Eisenlohr der Künstlerin viel Erfolg. Für Schramberg seien ihre Arbeiten eine Bereicherung.  In der Majolika habe sie den richtigen Raum gefunden: „Hier entstand ja auch schon seit 200 Jahren spannendes Design.“

    Hausherr Michael Melvin berichtete anschließend vom langen Vorlauf. Auch dass Schöne „eisern an Schramberg festgehalten“ habe, bis der passende Raum in der Majolika gefunden war. Dass Melvin auch Zunftmeister der Schramberger Narrenzunft ist, blitzte in einer Schlussbemerkung auf: Schönes Grabmale mit Kerzen passten bestens in die heutige Zeit: „Sie haben die CO2 freie Kerze erfunden.“

    Die Besucher, die  Mimosa Pale mit ihrer singenden Säge begrüßt hatte, wandelten noch eine ganze Weile durch den Raum. Sie ließen sich von den modernen Spiegel-Anamorphosen bezaubern, wie schon die Menschen vor bald 400 Jahren.

    Info: Die Ausstellung ist zu finden in der Bahnhofstraße 25, in  Schramberg (Eingang links neben Thomas Philipps). Sie ist geöffnet vom 22. bis 25. Oktober von 15 bis 18 Uhr. Am Samstag, 26. Oktober von 12 bis 15 Uhr und am Sonntag, 27. Oktober von 14 bis 18 Uhr. Außerhalb der Zeiten nach Absprache 0176/ 43 43 44 56 

    Weitere Informationen über Spiegelanamorphosen finden sich hier: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/3037/1/Eser_Augsburger_Anamorphosen_2001.pdf

     

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