Riccarda – die vergessene Malerin vom Bernstein

Riccarda Gohr in Bernstein. Foto: pm

GLATT (pm) – In einer Son­der­aus­stel­lung, die am 15. Okto­ber eröff­net wird, erin­nert der Land­kreis Rott­weil an die „ver­ges­se­ne Male­rin vom Bern­stein“: Ric­car­da Gohr ali­as Ric­car­da Gre­gor-Gries­ha­ber. In der Nach­kriegs­zeit führ­te die Künst­le­rin die legen­dä­re Bern­stein­schu­le an die zeit­ge­nös­si­sche Kunst­sze­ne her­an.

Die Erfolgs­ge­schich­te der Kunst­schu­le im ehe­ma­li­gen Klos­ter Bern­stein, die dem Land Würt­tem­berg-Hohen­zol­lern als „Aka­de­mie-Ersatz“ gedient hat, ist aufs Engs­te mit den Namen des Malers und Gra­fi­kers Paul Käl­be­rer und des Holz­schnei­ders HAP Gries­ha­ber ver­bun­den. Neben die­sen bei­den Prot­ago­nis­ten hat­ten jedoch zwei wei­te­re Per­so­nen eben­falls kon­struk­ti­ven Anteil am Erfolg des Bil­dungs­ex­pe­ri­ments: der Bild­hau­er Hans Lud­wig Pfeif­fer und des­sen Schwes­ter, die Male­rin Ric­car­da Gohr (1907–1985).

Die Lebens­leis­tung der Male­rin mit dem Vor­na­men Ric­car­da, die in der Über­lie­fe­rung unter ihrem Mäd­chen­na­men Pfeif­fer, unter dem Künst­ler­na­men Gre­gor und/oder unter den Nach­na­men ihrer bei­den Ehe­män­ner – Gohr bzw. Gries­ha­ber – fass­bar wird, ist in der Öffent­lich­keit weit­ge­hend in Ver­ges­sen­heit gera­ten. In der Kunst­ge­schichts­schrei­bung steht Ric­car­da Gre­gor-Gries­ha­ber – die­se Namens­form hat sich in den 1960er-Jah­ren ein­ge­bür­gert – ganz im Schat­ten der cha­ris­ma­ti­schen Künst­ler­per­sön­lich­keit HAP Gries­ha­bers.

Dabei nimmt die Male­rin Ric­car­da Gohr in der Geschich­te der Bern­stein­schu­le eine Schlüs­sel­rol­le ein. Mit ihrem künst­le­ri­schen Ethos wie mit ihrer male­ri­schen Pra­xis gab sie den Mit­glie­dern der „Arbeits­grup­pe für bil­den­de Kunst“ rich­tung­wei­sen­de Impul­se. Auf­grund der Gohr’schen Initia­ti­ven ent­wi­ckel­te sich die Kunst­schu­le in der Über­gangs­pha­se der Jah­re 1950/51 zu einem Kris­tal­li­sa­ti­ons­punkt moder­ner Kunst.

Als Male­rin war Ric­car­da Gre­gor-Gries­ha­ber eine typi­sche Ver­tre­te­rin ihrer Genera­ti­on. Ihre For­men­spra­che steht in der Nach­fol­ge des Expres­sio­nis­mus. In ihrer Bild­welt sind Anklän­ge an zeit­ge­nös­si­sche Kunst­strö­mun­gen fest­stell­bar.

Mit der Retro­spek­ti­ve „Ric­car­da. Pfeif­fer – Gohr – Gre­gor – Gries­ha­ber“ erin­nert der Land­kreis Rott­weil in der Gale­rie Schloss Glatt in Koope­ra­ti­on mit dem Städ­ti­schen Kunst­mu­se­um Spend­haus in Reut­lin­gen an die ver­ges­se­ne Male­rin vom Bern­stein; die Son­der­aus­stel­lung schließt sich an die Ein­zel­aus­stel­lun­gen der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te zu den Bern­stein-Leh­rern Käl­be­rer, Pfeif­fer und Gries­ha­ber an. Im Rah­men der Retro­spek­ti­ve sind über 30 male­ri­sche Arbei­ten der Künst­le­rin aus den 1940er- und 1950er-Jah­ren zu sehen.

Die Son­der­aus­stel­lung wird am Sams­tag, 15. Okto­ber, um 18 Uhr im Fürs­ten­saal des Was­ser­schlos­ses Glatt von Land­rat Dr. Wolf-Rüdi­ger Michel eröff­net. Der Kunst­his­to­ri­ker Dr. Ralf Gott­schlich vom Städ­ti­schen Kunst­mu­se­um Spend­haus Reut­lin­gen führt in Ric­car­da Gre­gor-Gries­ha­bers künst­le­ri­sches Lebens­werk ein. Zur Son­der­aus­stel­lung erscheint ein Kata­log­heft mit Text­bei­trä­gen von Dr. Ralf Gott­schlich und Pro­fes­sor Emil Kiess.

Die Aus­stel­lung wird vom 16. Okto­ber bis zum 4. Dezem­ber im Kul­tur- und Muse­ums­zen­trum Schloss Glatt gezeigt. Das KMZ Schloss Glatt ist bis Ende Okto­ber diens­tags bis frei­tags von 14 bis 17 Uhr und an den Wochen­en­den von 11 bis 18 Uhr geöff­net. Ab 1. Novem­ber ist die Aus­stel­lung jeweils von Frei­tag bis Sonn­tag und auch am Fei­er­tag von 14 bis 17 Uhr zu besich­ti­gen.