Gut 80 auf 20 Zen­ti­me­ter mes­sen die höl­zer­nen „Decks“, die das Herz­stück von Skate­boards bil­den. Und doch bedeu­ten die schma­len Bret­ter für man­che eine gan­ze Welt. Denn Skate­bo­r­ar­den ist mehr als ein Sport – für eine glo­ba­le Sze­ne ist es Aus­druck einer Lebens­hal­tung, ja einer Phi­lo­so­phie. Dazu gehört die mög­lichst ein­falls­rei­che Gestal­tung der Bret­ter. Das Forum Kunst hat dar­aus eine gran­dio­se Akti­on gemacht und Urban Art-Künst­ler ein­ge­la­den, Skate­boards für Rott­weil zu gestal­ten. Die Resul­ta­te kann man ab 9. Juli im Bür­ger­saal bestau­nen.

Ein biss­chen wie an Weih­nach­ten müs­sen sich Robert Hak und Jür­gen Knub­ben in den ver­gan­ge­nen Wochen gefühlt haben: Fast täg­lich konn­ten sie Pake­te aus­pa­cken, die aus zig Län­dern in der Geschäfts­stel­le des Forum Kunst ein­tra­fen – aus Kana­da, Däne­mark, Groß­bri­tan­ni­en und vor allem aus den USA. Es waren Rück­sen­dun­gen, denn Dut­zen­de unbe­mal­te Skate­board-Roh­lin­ge an bekann­te Namen aus der Urban Art-Sze­ne ver­schickt wor­den. An die 60 kamen zurück – eine groß­ar­ti­ge Reso­nanz, wie Hak und Knub­ben, die das Pro­jekt gemein­sam orga­ni­sie­ren, ein­hel­lig schwär­men. Aber nicht nur die qua­li­ta­ti­ve Reso­nanz bringt die bei­den in Ver­zü­ckung. Auch in qua­li­ta­ti­ver Hin­sicht ist das Kura­to­ren-Tan­dem begeis­tert.

Die ganze kreative Vielfalt: Ausschnitte aus dem Katalog.
Die gan­ze krea­ti­ve Viel­falt der Skate­boards für Rott­weil: Aus­schnit­te aus dem Kata­log.

In der Tat haben die über­wie­gend männ­li­chen Krea­ti­ven das läng­li­che For­mat pfif­fig und denk­bar viel­fäl­tig bespielt. Ste­fan Strum­bel etwa, der jen­seits ein­ge­weih­ter Zir­kel wohl pro­mi­nen­tes­te Betei­lig­te, hat das Brett als ver­füh­re­risch saf­ti­ges Stück Speck inter­pre­tiert – und damit sei­ner Aus­ein­an­der­set­zung mit den The­men Hei­mat und ins­be­son­de­re Schwarz­wald eine wei­te­re Nuan­ce hin­zu gefügt, wenn auch die­ses Mal weni­ger pro­vo­ka­tiv als mit Hand­gra­na­ten an Kuckucks­uh­ren.

Der Ame­ri­ka­ner Chad Eaton hat drei Män­ner­köp­fe mit bibli­scher Bart­pracht auf das Lang­for­mat gebannt, Mr. Jago Farb-Effek­te auf das Deck gepin­selt, die aus einem Monet-Gemäl­de stam­men könn­ten. Jim­bo Phil­lips lässt in Comic-Manier ein Auge aus einem Schä­del sprin­gen, und Stohead – auch dies ein Künst­ler­na­me – legt andeu­tungs­reich schlicht die Säge an das nack­te Brett. Auch die Lokal­ma­ta­do­ren brau­chen sich nicht zu ver­ste­cken: Tom Grimm hat das Lang­for­mat schel­misch zum Rie­sen-Pflas­ter umge­mo­delt und Robert Hak ein ran­kes Rott­weil-Pik­to­gramm kre­iert – kunst­voll gewun­de­ner Test­turm natür­lich inklu­si­ve.

Zur Kunst­ak­ti­on, die an die legen­dä­ren Initia­ti­ven des Forums mit Kof­fern, Fah­nen und Schil­dern für Rott­weil anschließt, gesellt sich ein Ska­ter-Con­test hin­zu: Am 9. Juli kön­nen ab 13 Uhr vor der Kapel­len­kir­che Ska­ter zei­gen, was sie an Grabs, Flips, Grinds und Fla­tands so drauf haben. So klingt das aus­ge­feil­te Fach­jar­gon der Sze­ne. Hin­ter Grinds etwa ver­ber­gen sich Tricks, die mit Hil­fe eines Bord­steins oder Rohrs aus­ge­führt wer­den, hin­ter Fla­tands Kunst­stü­cke, die mit einem Sprung aus dem Stand und ohne Hilfs­mit­tel ver­bun­den sind.

Um dem Bret­ter-Rho­deo auf dem Kapel­len­hof im Rah­men der Kunst­ak­ti­on inspi­rie­ren­de Her­aus­for­de­run­gen zu bie­ten, gibt es zudem beson­de­re „Obsta­cles“ – Objek­te, auf und über die gerollt und gesprun­gen wer­den kann. In die­sem Fall grei­fen die Hin­der­nis­se For­men des Kapel­len­turms und des Schwar­zen Tors auf – nicht von unge­fähr, denn das Gan­ze ist auch als Wer­bung für den Ver­ein „Roll­brett Rott­weil e.V.“ gedacht, der seit Jah­ren für bes­se­re Ska­ter-Ange­bo­te in und um Rott­weil wirbt.

Info: Ver­nis­sa­ge ist am 9. Juli, 19 Uhr. Die Aus­stel­lung ist bis 28. August diens­tags, mitt­wochs und frei­tags 14 bis 17 Uhr, don­ners­tags 17 bis 20 Uhr sowie wochen­ends von 10 bis 13 und von 14 bis 17 Uhr geöff­net. Alle Tei­le des Pro­jekts wer­den im Inter­net leb­haft beglei­tet, so unter www.skateboarts.com und www.facebook.com/skateboarts Am 9. Juli gibt es ab 22 Uhr auch eine „Skate­boarts After Par­ty“ in der Alten Post mit DJ KID FRESH und den Dog­town Boys.