Singener Ex-AfD-Abgeordneter Gedeon will sich Rottweiler „Komödie über Populismus” selbst anschauen

Besuch der Samstagsvorstellung angekündigt / Interview in der Frankfurter Rundschau

Nupelda Ciftci, Frank Deesz, Isabelle Groß de García, Ferdinand Rother, Petra Weimer, der Musiker Dorin Grama, der Rottweiler Bürgerchor und Wolfram Koch (Kommissar des Frankfurt –„Tatorts“) als Special-Video-Guest. Foto: pm

Da hat sich pro­mi­nen­ter Besuch ange­kün­digt. Und man darf sagen, dass die Inten­danz des Zim­mer­thea­ters Rott­weil einen klei­nen Schreck bekom­men hat, als sie dies erfuhr: Der Sin­ge­ner Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Wolf­gang Gede­on (frak­ti­ons­los, frü­her AfD) möch­te die mor­gi­ge Vor­stel­lung in Rott­weil sehen. Und er will die Gele­gen­heit nut­zen, im Anschluss mit den Men­schen aus dem Publi­kum und den Thea­ter­ma­chern zu dis­ku­tie­ren.

Gede­on. Foto: Land­tag Baden-Würt­tem­berg

Er wird des Ver­fas­sens anti­se­mi­ti­scher Schrif­ten bezich­tigt und hat vor­über­ge­hend die Stutt­gar­ter AfD-Frak­ti­on gespal­ten: Wolf­gang Gede­on aus Sin­gen. Mor­gen, Sams­tag­abend, will er ins Zim­mer­thea­ter in Rott­weil kom­men und sich selbst ein Bild machen von „Wenn der Kahn nach links kippt, set­ze ich mich nach rechts”, der „Komö­die über Popu­lis­mus” aus der Feder von Inten­dant Peter Staats­mann.

Außer­dem möch­te Gede­on im Anschluss mit­dis­ku­tie­ren. Das erfuhr die NRWZ von der Zim­mer­thea­ter-Inten­danz.

Essen und Diskussion nach der Vorstellung

Hin­ter­grund: Das Zimmer­thea­ter Rott­weil lädt nach der Vor­stel­lung von „Wenn der Kahn nach links kippt, set­ze ich mich nach rechts“ am Sams­tag, 11. Novem­ber (Beginn der Vor­stel­lung 20 Uhr) zu einer gro­ßen Tafel auf der Büh­ne im Zim­mer­thea­ter ein. Gemein­sam essen wir die wäh­rend der Auf­füh­rung von den Schau­spie­lern gekoch­te Sup­pe und dis­ku­tie­ren über die Insze­nie­rung und die The­men, die uns in die­sem Zusam­men­hang bewe­gen.

Gegner ausdrücklich erwünscht

Die Inten­danz, die sich mit dem Stück klar gegen rechts posi­tio­niert, ver­hehlt der­weil nicht, dass sie sich freu­en wür­de, wenn Geg­ner Gede­ons die Gele­gen­heit wahr­neh­men wür­den, ihm Paro­li zu bie­ten.

Ste­phan Hebel von der „Frank­fur­ter Rund­schau” ist auf die Zim­mer­thea­ter-Pro­duk­ti­on „Wenn der kahn nach links kippt, set­ze ich mich nach rechts” auf­merk­sam gewor­den und hat ein gro­ßes Inter­view mit Peter Staats­mann in der FR ver­öf­fent­licht.

Inhalt von „Wenn der Kahn nach links kippt, setze ich mich nach rechts“:

Deutsch­land im Herbst 2017: Das Ver­schwin­den, womög­lich sogar der Tod des Schau­spie­lers und Regis­seurs Wolf­ram führt nach vier Mona­ten War­ten die Fami­lie und sehr unter­schied­li­che Freun­de von ihm zusam­men. In der tur­bu­len­ten Komö­die ent­fal­tet sich ein Pan­op­ti­kum ewi­ger deut­scher Sehn­süch­te nach Ein­heit und Homo­ge­ni­tät, sei es einer Grup­pe oder einer Fami­lie. Doch wo eine so gro­ße Sehn­sucht nach Homo­ge­ni­tät ent­steht, wird es umso schnel­ler dis­pa­rat, wider­sprüch­lich und chao­tisch. Durch jah­re­lan­ges Augen­ver­schlie­ßen und dem Weg­schau­en vor Pro­ble­men hat sich unter der Ober­flä­che ein bun­ter und recht explo­si­ver Cock­tail ent­wi­ckelt von Heils­leh­ren, die eigent­lich Irr­leh­ren sind, von Lösungs­vor­schlä­gen, die eigent­lich Ver­ne­be­lun­gen sind, von Ent­schei­dungs­freu­de, die eigent­lich ein Gegen-die-Wand-Ren­nen ist.

Der gemein­sa­me Koch- und Erin­ne­rungs­abend schraubt sich immer wei­ter in den Irr­witz:  Es fin­det sich eine mys­te­riö­se DVD, ein Musi­ker und ein Chor tau­chen auf. Die Ereig­nis­se über­schla­gen sich und aus den Melo­di­en der deut­schen Lie­der erwächst eine eigen­tüm­li­che Atmo­sphä­re, die immer schril­ler und gro­tes­ker wird.

Peter Staats­mann treibt unse­re aktu­el­le gesell­schafts­po­li­ti­sche Situa­ti­on gran­di­os auf die Spit­ze. Wel­che Über­zeu­gun­gen sind echt? Wie ver­än­dern sich Men­schen, wor­an glau­ben sie, wie viel Wider­sprü­che ver­su­chen sie zu kit­ten? Wer die Welt, in der er lebt, nicht mehr ver­steht und sich dar­in lin­kisch ver­strickt, der gibt uns wie Stan und Lau­rel Anlass zum Geläch­ter, sei es auch eines, das uns selbst mit ein­schließt.

Wei­te­re Vor­stel­lun­gen:

10.11., 11.11., 17.11., 18.11., 02.12., 16.12., 29.12., 30.12., 31.12.2017 immer um 20 Uhr im Zim­mer­thea­ter Rott­weil, Fried­richs­platz 2, 78628 Rott­weil, Tel.: 0741/8990, info@zimmertheater-rottweil.de