Senay Duzcu. Foto: pm

ROTTWEIL – Im Rah­men der vier­ten Rott­wei­ler Frau­en­wo­che tritt Senay Duz­cu mit ihrem Pro­gramm „Hit­ler war eine Tür­kin?! – Damen­bart ist viel schö­ner!“ am Don­ners­tag, 8. März ab 20 Uhr im Zim­mer­thea­ter Rott­weil auf.

Hit­ler war eine Tür­kin?!“ Echt jetzt? War Hit­ler eine Tür­kin? „Du Hit­ler“ wur­de sie von einem nicht­deut­schen Mit­bür­ger im Zug beschimpft, als sie ihn bat, sein Rad ordent­lich abzu­stel­len, damit die Fahr­gäs­te in den Zug ein­stei­gen kön­nen. Eigent­lich will Senay Duz­cu doch nur rich­tig in Deutsch­land ankom­men und die Ord­nung ach­ten. Als der Komi­ke­rin beim Schmin­ken vor einem Auf­tritt der künst­li­che Wim­pern­strei­fen ver­se­hent­lich vom Ober­lid auf die Ober­lip­pe schwebt, fällt es ihr wie Schup­pen von den Augen: Man kann es mit dem „Anpas­sen“ auch über­trei­ben.

Jeder Ver­such, ihr einen Stem­pel auf­zu­drü­cken, schei­tert: Als Deutsch-Tür­kin ist sie den Ewig­gest­ri­gen „zu modern“, den Jün­ge­ren „zu tra­di­ti­ons­ge­bun­den“, den Män­nern als selbst­stän­di­ge Frau „zu eman­zi­piert“.

Sie ist eine explo­si­ve Mischung. Die Toch­ter aus einer klas­si­schen Gast­ar­bei­ter­fa­mi­lie sprengt jede Schub­la­de: Son­der­schü­le­rin und Sti­pen­dia­tin für Hoch­be­gab­te. Leg­asthe­ni­ke­rin mit Archi­tek­tur-Diplom. Ihre streng mus­li­mi­schen Eltern steck­ten sie in eine katho­li­sche Klos­ter­schu­le. Unter ande­rem hat­te Senay daher Pro­ble­me, einen pas­sen­den Ehe­mann zu fin­den.

Auch als Archi­tek­tin wur­de sie nie ernst­ge­nom­men. Auf der Bau­stel­le rie­fen ihr die tür­ki­schen Bau­ar­bei­ter zu: „Kom­men Sie in zwei Wochen, dann dür­fen Sie put­zen!“ Es allen recht machen zu wol­len, hat sie nun end­gül­tig auf­ge­ge­ben, denn das geht immer schief. Statt­des­sen lebt sie scham­los ihr Dop­pel­le­ben als tür­ki­sche Frau mit deut­schen Ansich­ten und als deut­sche Ayse mit tür­ki­schen Wur­zeln.

Die Komi­ke­rin macht Come­dy mit Tief­gang und in ihrem neus­ten Pro­gramm erzählt sie ihre eige­nen Erfah­run­gen im All­tag und setzt dem Gan­zen mit leben­di­ger Mimik und Ges­tik das Sah­ne­häub­chen auf. Jetzt steht sie mit spit­zer Zun­ge und ein­ma­lig erfri­schen­der Selbst­iro­nie mit neu­em Pro­gramm auf der Büh­ne.

Info: Ein­tritt 15 Euro, ermä­ßigt 10 Euro, für Frau­en und Män­ner, Kar­ten gibt es im Kul­tur­amt der Stadt Rott­weil, anne.probst@rottweil.de, Tele­fon 0741–494-219