Szenenbild von der ersten Premiere am 25. März 1985 im Foyer vom Schloss mit Gabriele und Harald Frommer, sowie Klaus Andreae (Mitte). Foto: Theaterwerkstatt

Es ist Fas­nets­zeit – und da darf gele­gent­lich auch an ein krum­mes Jubi­lä­um erin­nert wer­den. ein sol­ches fei­ert in die­sem Jahr die Thea­ter­werk­statt. einer der Mit­be­grün­der und lang­jäh­ri­ge Regis­seur der lei­den­schaft­li­chen Thea­ter­spiel­grup­pe, Harald From­mer hat notiert, was die Thea­ter­werk­statt in den letz­ten 33 Jah­ren alles gespielt hat und wie das gan­ze über­haupt begann:

Ange­fan­gen hat alles mit einem Tref­fen der Ehe­paa­re And­reae und From­mer und der Idee, den Ein­ak­ter „Der Hei­rats­an­trag“ von Tsche­chow im Freun­des­kreis sze­nisch zu lesen. Das Spek­ta­kel kam bei den Freun­den so gut an, dass sie beschlos­sen, sich mit einer Insze­nie­rung an die Öffent­lich­keit zu wagen. Es kam die Zeit der Pro­ben, und da das Stück von einem streit­ba­ren Trio han­delt, füll­ten sich die Häu­ser And­reae und From­mer von Zeit zu Zeit mit sol­chem Geschrei, dass die Nach­barn um den Bestand der jewei­li­gen Ehe fürch­ten muss­ten.

Am 25. März 1985 war Pre­mie­re im Foy­er des Schram­ber­ger Schlos­ses. Sechs­mal ins­ge­samt gelang es, das Foy­er mit einem über­aus wohl­wol­len­den Publi­kum zu fül­len, und das Quar­tett der Anbie­ter erlag prompt der Ver­füh­rung zum Wei­ter­ma­chen. Im Som­mer 1986 wur­den zwei Ein­ak­ter von Curt Goe­tz insze­niert, dann, nach einer Ver­schnauf­pau­se, im Herbst 1989 die Pos­se „Die gro­ße Wut das Phil­ipp Hotz“ von Max Frisch.

Getreu dem Mot­to „Frisch gewagt ist halb gewon­nen“ wag­te sich das inzwi­schen gewach­se­ne Team danach an Grö­ße­res, wie­der­um von Frisch, an das Lehr­stück „Bie­der­mann und die Brand­stif­ter“. Sei­ne Auf­füh­rung im Som­mer 1991 brach­te einen bis­her nicht gekann­ten Bedarf an Büh­nen­tech­nik: Schließ­lich galt es, ein Infer­no im Schloss aus­bre­chen zu las­sen, ohne Scha­den zu ver­ur­sa­chen.

Und es kam, wie es kom­men muss­te: Die nächs­te Insze­nie­rung spreng­te die Mög­lich­kei­ten des Spiel­raums im Schloss. Die Pre­mie­re der „Die Kunst der Komö­die“ von Edu­ar­do de Filip­po fand 1993 in der frisch eröff­ne­ten Kul­tur­Sze­ne Majo­li­ka, dem heu­ti­gen Sub­ia­co, statt Auxch die kom­men­den Insze­nie­run­gen waren dort zu sehen. Dar­un­ter die anti­fa­schis­ti­sche Komö­die „Kla­wit­ter“ von Georg Kai­ser (Früh­jahr 1995) oder  „Kunst“ von Yas­mi­na Reza, han­delnd von drei Män­nern, die über ein wei­ßes Bild in Streit gera­ten.

Mit der Sati­re „Die Klein­bür­ger­hoch­zeit“ (2000) beginnt die Ber­tolt-Brecht-Peri­ode in der Geschich­te der Thea­ter­werk­statt. Sie „gip­felt“ im Wort­sinn in der Bestei­gung des Hatel­ma-Bergs am 14. Novem­ber 2001, dem Tag der Pre­mie­re des Volks­stücks „Herr Pun­ti­la und sein Knecht Mat­ti“.

Auf Brecht folg­te Fried­rich Dür­ren­matt mit zwei Dra­men, zunächst „Die Phy­si­ker“ (2003), dann „Der Besuch der alten Dame“ (2005). Dane­ben und dazwi­schen liegt, gleich­sam als Hors d´oeuvre, die Auf­füh­rung des Zwei­per­so­nen­stücks „Karin“ von Arie Chen.

Die „alte Dame“  war die bis­lang auf­wän­digs­te Insze­nie­rung. Es galt, eine gan­ze Gemein­de auf die Büh­ne zu brin­gen, noch dazu auf ver­schie­de­nen Schau­plät­zen, ins­ge­samt wur­den 22 Schau­spie­ler auf­ge­bo­ten. Der Thea­ter­werk­statt kam dabei ein Glücks­fall zu Hil­fe, das Ange­bot der Stif­tung St. Fran­zis­kus Hei­li­gen­bronn, auf der Büh­ne im Eli­sa­be­tha-Glöck­ler-Saal zu spie­len.

Im glei­chen Raum und im glei­chen Jahr erin­ner­te ein Abend mit Tsche­chow-Ein­ak­tern an das nun­mehr zwan­zig­jäh­ri­ge Bestehen der Thea­ter­werk­statt – nur dass im „Hei­rats­an­trag“ die „jun­gen“ Dar­stel­ler von damals durch noch jün­ge­re ersetzt wer­den muss­ten.

Die Insze­nie­rung des Lust­spiel-Klas­si­kers „Der zer­broch­ne Krug“ von Kleist im Jah­re 2009 brach­te in der Rol­le des Dorf­rich­ters Adam den letz­ten Büh­nen­auf­tritt von Harald From­mer, er beschränkt sich seit­dem auf die Auf­ga­be der Regie, erst­mals bei der Insze­nie­rung des Kri­mi­nal­stücks „Die Mau­se­fal­le“ von Aga­tha Chris­tie (2010).

Ger­hard Ruoff in „Heu­te weder Ham­let” 2014. Foto: him

In der Fol­ge­zeit ent­deck­ten ein­zel­ne Mit­glie­der der Trup­pe ihre Lie­be zu Ein-Per­so­nen-Stü­cken. Den Auf­takt mach­te Ger­hard Ruoff mit Patrick Süs­kinds „Kon­tra­baß“ (2011), Klaus And­reae trat in der „Stern­stun­de des Josef Bie­der“ von Eber­hard Streul auf (2012). Zuletzt prä­sen­tier­te Ger­hard Ruoff „Heu­te weder Ham­let“ von Rai­ner Lewan­dow­ski (2014).

Bernd Tau­ber (rechts) probt mit Lars Born­schein für „Lass­alle” Foto: him

Einen Höhe­punkt in der Geschich­te der Thea­ter­werk­statt bil­de­te die „Welt-Urauf­füh­rung“ des Lass­alle-Dra­mas von Felix Huby und Hart­win Gro­mes im Jahr 2013. Die dar­auf­fol­gen­de Insze­nie­rung der „Top Dogs“ (2014/5), der preis­ge­krön­ten sati­ri­schen Komö­die von Urs Wid­mer, stell­te unser Ensem­ble vor neu­ar­ti­ge Her­aus­for­de­run­gen. Mit dem tra­di­tio­nel­len „Illu­si­ons­thea­ter“, das auf die mög­lichst getreue Abbil­dung von Wirk­lich­keit abzielt, war dem Stück nicht bei­zu­kom­men. Gefor­dert war ein „Demons­tra­ti­ons­thea­ter“, das auf­zeigt, was hin­ter der Wirk­lich­keit steckt.

Sze­ne aus „Top Dogs” Foto: him

Das Dra­ma „Tod eines Unter­neh­mers“, dem wir uns anschlie­ßend (2015/16) wid­me­ten, war wie­der­um eine  „Welt-Urauf­füh­rung“, wie­der­um von Felix Huby und Hart­win Gro­mes ver­fasst und brand­neu (2014), dazu aktu­ell und bewe­gend. Es han­delt vom Schick­sal eines Fami­li­en­un­ter­neh­mens im ers­ten Jahr­zehnt unse­res Jahr­tau­sends. Ein Ver­häng­nis nimmt sei­nen Lauf, die Insze­nie­rung war vom Ticken einer „Zeit­bom­be“ beglei­tet.

„Tod eines Unter­neh­mers” Foto: him

Mit der Insze­nie­rung der klas­si­schen Komö­die „Son­ny Boys“ von Neil Simon (2016/17) schlägt das Pen­del wie­der­um in die ande­re Rich­tung aus. Sie han­delt von zwei geal­ter­ten, ehe­dem als komi­sches Duo berühm­ten Schau­spie­lern, die mit­ein­an­der in einer unaus­lösch­li­chen Hass­lie­be ver­bun­den sind.

„Son­ny Boys”

Seit dem ver­gan­ge­nen Herbst arbei­tet die Thea­ter­werk­statt an der Insze­nie­rung einer klas­si­schen Komö­die, die ein ehr­wür­di­ges Alter auf­weist: „Der Raub der Sabi­ne­rin­nen“, auf das Wie­ner Brü­der­paar Franz und Paul von Schönthan zurück­ge­hend. Roland Eisele hat sie – erst­mals als Regis­seur agie­rend – dras­tisch gestal­tet, die Auf­füh­rung ver­spricht, ver­gnüg­lich zu wer­den.

Bei den Pro­ben zu „Der Raub der Sabi­ne­rin­nen” von links: Bea­te Mey­er-Pick, Gabrie­le From­mer und Lara Kiol­ba­sa. Foto: him

Pre­mie­re ist am Mitt­woch, 21. Febru­ar im Eli­sa­be­tha-Glöck­ler-Saal der Stif­tung, wei­te­re Auf­füh­run­gen: Am Frei­tag, 23., Sams­tag, 24., Sonn­tag, 25. Febru­ar und am Frei­tag, 2. März (jeweils 20 Uhr). Kar­ten bei Buch­hand­lung Buch­le­se in Schram­berg (Tele­fon: 07422/3585).