Theaterwerkstatt belebt seit 33 Jahren das Schramberger Kulturleben

Am 21. Februar hat die neueste Inszenierung Premiere

Szenenbild von der ersten Premiere am 25. März 1985 im Foyer vom Schloss mit Gabriele und Harald Frommer, sowie Klaus Andreae (Mitte). Foto: Theaterwerkstatt

Es ist Fas­nets­zeit – und da darf gele­gent­lich auch an ein krum­mes Jubi­lä­um erin­nert wer­den. ein sol­ches fei­ert in die­sem Jahr die Thea­ter­werk­statt. einer der Mit­be­grün­der und lang­jäh­ri­ge Regis­seur der lei­den­schaft­li­chen Thea­ter­spiel­grup­pe, Harald From­mer hat notiert, was die Thea­ter­werk­statt in den letz­ten 33 Jah­ren alles gespielt hat und wie das gan­ze über­haupt begann:

Ange­fan­gen hat alles mit einem Tref­fen der Ehe­paa­re And­reae und From­mer und der Idee, den Ein­ak­ter „Der Hei­rats­an­trag“ von Tsche­chow im Freun­des­kreis sze­nisch zu lesen. Das Spek­ta­kel kam bei den Freun­den so gut an, dass sie beschlos­sen, sich mit einer Insze­nie­rung an die Öffent­lich­keit zu wagen. Es kam die Zeit der Pro­ben, und da das Stück von einem streit­ba­ren Trio han­delt, füll­ten sich die Häu­ser And­reae und From­mer von Zeit zu Zeit mit sol­chem Geschrei, dass die Nach­barn um den Bestand der jewei­li­gen Ehe fürch­ten muss­ten.

Am 25. März 1985 war Pre­mie­re im Foy­er des Schram­ber­ger Schlos­ses. Sechs­mal ins­ge­samt gelang es, das Foy­er mit einem über­aus wohl­wol­len­den Publi­kum zu fül­len, und das Quar­tett der Anbie­ter erlag prompt der Ver­füh­rung zum Wei­ter­ma­chen. Im Som­mer 1986 wur­den zwei Ein­ak­ter von Curt Goe­tz insze­niert, dann, nach einer Ver­schnauf­pau­se, im Herbst 1989 die Pos­se „Die gro­ße Wut das Phil­ipp Hotz“ von Max Frisch.

Getreu dem Mot­to „Frisch gewagt ist halb gewon­nen“ wag­te sich das inzwi­schen gewach­se­ne Team danach an Grö­ße­res, wie­der­um von Frisch, an das Lehr­stück „Bie­der­mann und die Brand­stif­ter“. Sei­ne Auf­füh­rung im Som­mer 1991 brach­te einen bis­her nicht gekann­ten Bedarf an Büh­nen­tech­nik: Schließ­lich galt es, ein Infer­no im Schloss aus­bre­chen zu las­sen, ohne Scha­den zu ver­ur­sa­chen.

Und es kam, wie es kom­men muss­te: Die nächs­te Insze­nie­rung spreng­te die Mög­lich­kei­ten des Spiel­raums im Schloss. Die Pre­mie­re der „Die Kunst der Komö­die“ von Edu­ar­do de Filip­po fand 1993 in der frisch eröff­ne­ten Kul­tur­Sze­ne Majo­li­ka, dem heu­ti­gen Sub­ia­co, statt Auxch die kom­men­den Insze­nie­run­gen waren dort zu sehen. Dar­un­ter die anti­fa­schis­ti­sche Komö­die „Kla­wit­ter“ von Georg Kai­ser (Früh­jahr 1995) oder  „Kunst“ von Yas­mi­na Reza, han­delnd von drei Män­nern, die über ein wei­ßes Bild in Streit gera­ten.

Mit der Sati­re „Die Klein­bür­ger­hoch­zeit“ (2000) beginnt die Ber­tolt-Brecht-Peri­ode in der Geschich­te der Thea­ter­werk­statt. Sie „gip­felt“ im Wort­sinn in der Bestei­gung des Hatel­ma-Bergs am 14. Novem­ber 2001, dem Tag der Pre­mie­re des Volks­stücks „Herr Pun­ti­la und sein Knecht Mat­ti“.

Auf Brecht folg­te Fried­rich Dür­ren­matt mit zwei Dra­men, zunächst „Die Phy­si­ker“ (2003), dann „Der Besuch der alten Dame“ (2005). Dane­ben und dazwi­schen liegt, gleich­sam als Hors d´oeuvre, die Auf­füh­rung des Zwei­per­so­nen­stücks „Karin“ von Arie Chen.

Die „alte Dame“  war die bis­lang auf­wän­digs­te Insze­nie­rung. Es galt, eine gan­ze Gemein­de auf die Büh­ne zu brin­gen, noch dazu auf ver­schie­de­nen Schau­plät­zen, ins­ge­samt wur­den 22 Schau­spie­ler auf­ge­bo­ten. Der Thea­ter­werk­statt kam dabei ein Glücks­fall zu Hil­fe, das Ange­bot der Stif­tung St. Fran­zis­kus Hei­li­gen­bronn, auf der Büh­ne im Eli­sa­be­tha-Glöck­ler-Saal zu spie­len.

Im glei­chen Raum und im glei­chen Jahr erin­ner­te ein Abend mit Tsche­chow-Ein­ak­tern an das nun­mehr zwan­zig­jäh­ri­ge Bestehen der Thea­ter­werk­statt – nur dass im „Hei­rats­an­trag“ die „jun­gen“ Dar­stel­ler von damals durch noch jün­ge­re ersetzt wer­den muss­ten.

Die Insze­nie­rung des Lust­spiel-Klas­si­kers „Der zer­broch­ne Krug“ von Kleist im Jah­re 2009 brach­te in der Rol­le des Dorf­rich­ters Adam den letz­ten Büh­nen­auf­tritt von Harald From­mer, er beschränkt sich seit­dem auf die Auf­ga­be der Regie, erst­mals bei der Insze­nie­rung des Kri­mi­nal­stücks „Die Mau­se­fal­le“ von Aga­tha Chris­tie (2010).

Ger­hard Ruoff in „Heu­te weder Ham­let” 2014. Foto: him

In der Fol­ge­zeit ent­deck­ten ein­zel­ne Mit­glie­der der Trup­pe ihre Lie­be zu Ein-Per­so­nen-Stü­cken. Den Auf­takt mach­te Ger­hard Ruoff mit Patrick Süs­kinds „Kon­tra­baß“ (2011), Klaus And­reae trat in der „Stern­stun­de des Josef Bie­der“ von Eber­hard Streul auf (2012). Zuletzt prä­sen­tier­te Ger­hard Ruoff „Heu­te weder Ham­let“ von Rai­ner Lewan­dow­ski (2014).

Bernd Tau­ber (rechts) probt mit Lars Born­schein für „Lass­alle” Foto: him

Einen Höhe­punkt in der Geschich­te der Thea­ter­werk­statt bil­de­te die „Welt-Urauf­füh­rung“ des Lass­alle-Dra­mas von Felix Huby und Hart­win Gro­mes im Jahr 2013. Die dar­auf­fol­gen­de Insze­nie­rung der „Top Dogs“ (2014/5), der preis­ge­krön­ten sati­ri­schen Komö­die von Urs Wid­mer, stell­te unser Ensem­ble vor neu­ar­ti­ge Her­aus­for­de­run­gen. Mit dem tra­di­tio­nel­len „Illu­si­ons­thea­ter“, das auf die mög­lichst getreue Abbil­dung von Wirk­lich­keit abzielt, war dem Stück nicht bei­zu­kom­men. Gefor­dert war ein „Demons­tra­ti­ons­thea­ter“, das auf­zeigt, was hin­ter der Wirk­lich­keit steckt.

Sze­ne aus „Top Dogs” Foto: him

Das Dra­ma „Tod eines Unter­neh­mers“, dem wir uns anschlie­ßend (2015/16) wid­me­ten, war wie­der­um eine  „Welt-Urauf­füh­rung“, wie­der­um von Felix Huby und Hart­win Gro­mes ver­fasst und brand­neu (2014), dazu aktu­ell und bewe­gend. Es han­delt vom Schick­sal eines Fami­li­en­un­ter­neh­mens im ers­ten Jahr­zehnt unse­res Jahr­tau­sends. Ein Ver­häng­nis nimmt sei­nen Lauf, die Insze­nie­rung war vom Ticken einer „Zeit­bom­be“ beglei­tet.

„Tod eines Unter­neh­mers” Foto: him

Mit der Insze­nie­rung der klas­si­schen Komö­die „Son­ny Boys“ von Neil Simon (2016/17) schlägt das Pen­del wie­der­um in die ande­re Rich­tung aus. Sie han­delt von zwei geal­ter­ten, ehe­dem als komi­sches Duo berühm­ten Schau­spie­lern, die mit­ein­an­der in einer unaus­lösch­li­chen Hass­lie­be ver­bun­den sind.

„Son­ny Boys”

Seit dem ver­gan­ge­nen Herbst arbei­tet die Thea­ter­werk­statt an der Insze­nie­rung einer klas­si­schen Komö­die, die ein ehr­wür­di­ges Alter auf­weist: „Der Raub der Sabi­ne­rin­nen“, auf das Wie­ner Brü­der­paar Franz und Paul von Schönthan zurück­ge­hend. Roland Eisele hat sie – erst­mals als Regis­seur agie­rend – dras­tisch gestal­tet, die Auf­füh­rung ver­spricht, ver­gnüg­lich zu wer­den.

Bei den Pro­ben zu „Der Raub der Sabi­ne­rin­nen” von links: Bea­te Mey­er-Pick, Gabrie­le From­mer und Lara Kiol­ba­sa. Foto: him

Pre­mie­re ist am Mitt­woch, 21. Febru­ar im Eli­sa­be­tha-Glöck­ler-Saal der Stif­tung, wei­te­re Auf­füh­run­gen: Am Frei­tag, 23., Sams­tag, 24., Sonn­tag, 25. Febru­ar und am Frei­tag, 2. März (jeweils 20 Uhr). Kar­ten bei Buch­hand­lung Buch­le­se in Schram­berg (Tele­fon: 07422/3585).