NRWZ.de, 3. März 2021, Autor/Quelle: Gastbeitrag

„Viele Gewitter, fürchterlich wie schon lange nicht mehr“

Wetterphänomene in Tennenbronn /Teil II: 1716 – 1732 

Auszüge aus der Schramberger Pfarrchronik zeigen auch in dem heutigen Fortsetzungsbeitrag von Alfred Kunz nochmals das Wettergeschehen vor 350 Jahren.

Zitat aus Pfarrchronik: „Wolle es mir nicht als Fehler anrechnen, dass ich dieses Tagebuch geschrieben habe, damit Nachkommende wissen können, was in unserer Zeit hier und anderswo geschehen ist“, so schreibt der Schramberger Pfarrer Hieron Sichler im Jahr 1699 an seinen Nachfolger. Sichler und seine Nachfolger haben über viele Jahre in einer Chronik festgehalten, was ihnen im jeweiligen Jahr wichtig erschienen ist. Neben weltpolitischen Ereignissen, vor allem aber auch das Geschehen in der näheren Umgebung um Schramberg herum und auch das Wetter in der Region.

                                                                                                                              

1716:    Ein langer Winter! Bis April fällt jede Menge Schnee. Im Juli sorgt Starkregen für Überschwemmungen. Der lange Winter und kalte Regengüsse im Sommer verhindern eine gute Ernte.

1718:    Wir haben in diesem Jahr einen trockenen und dürren Sommer, heftigste Hitze hat das Land im Griff. Dennoch war die Temperatur günstig für Getreide.

1719:    In diesem Jahr gibt es einen allzu trockenen und äußerst heißen Sommer. Von Mitte April bis Mitte August fällt kein Regen. Das Getreide in den Feldern trocknet aus, so dass für das Vieh ganz wenig gesammelt werden kann.

1720:    Nach einem bis dahin erträglichen Winter fällt in den Monaten Februar und März der Schnee so dicht, dass mehrere Hirsche und selbst Menschen im tiefen Schnee hängen bleiben und sterben. Kälte und überreichliche Regengüsse in den Monaten Juni, Juli, August haben eine sehr schlechte Ernte der Winterfrucht zur Folge.

1722:    Nach einem erträglichen Winter sind die Monate Februar, März, April so warm, dass es in dieser Zeit schon Gewitter und Hagelniederschläge gibt. Ein Hagelunwetter im Juni verursachte großen Schaden.

1724:    Der diesjährige Winter ist so mild, dass er kaum Winter genannt werden kann. Wie schon im vorigen Jahr bedeckt auch nach Weihnachten kein Schnee den Boden. Die Gewässer sind nie gefroren. Im April, nur für wenige Tage, fällt Schnee.

1725:    Einem milden Winter folgte ein kalter Sommer mit viel Regen. Anfang Februar bis Mitte April herrscht große Trockenheit. Von Mitte April bis Juli regnet es fast täglich. Wegen der dauernden Regengüsse ernten die Bauern ihre bereits auf den Äckern ausgewachsen und nahezu verdorben Garben.

1726:    Dieser Winter ist hart und bringt viel Schnee. Im Sommer gibt es viele Gewitter, fürchterlich wie schon lange nicht mehr. Sie erschrecken die Menschen und verursachen Brände. Die Getreideernte ist dürftig.

1728:    Sehr erträglicher Winter ohne quälende Kälte. Es gibt eine nur mittelmäßige Ernte, weil im Sommer allzu große Hitze Wiesen und Felder ausgetrocknet hat.

1729:    Ein Winter mit Kälte und viel Schnee – fast wie 1709. Er dauert bis Mitte Mai. Dann folgt eine lange Zeit trockener Hitze, die Wiesen und Äcker sehr austrocknet.

1730:    In diesem Jahr waren die winterlichen Monate eher frühlingshaft. Kein Schnee bis Ende Februar. Dann aber kommt der Winter mit häufigen und dichten Schneefällen bis Mitte März. Ende März verursachen fürchterliche Regenfälle schlimmes Hochwasser und Überflutungen.

1731:    Es gibt einen harten Winter mit viel Schnee. Es fällt so viel Schnee, wie seit Menschengedenken noch nicht gesehen worden ist. Der Schnee liegt so hoch, dass er überall über die Schultern eines Mannes großer Statur hinausreicht. Keine Mauern und Zäune sind zu erblicken. Alles erscheint eben.

1732:    Ein ziemlich gnädiger Winter. Ende Mai verursachen heftige Unwetter mit Blitz und Hagel großen Schaden und überschwemmen Äckern, Wiesen und Gärten.

Passend zur aktuellen Pandemiezeit stieß Alfred Kunz auch auf einen interessanten Aufschrieb von 1675 wo es heißt:  Zu Anfang des Jahres wütet die Pest in unserer Gegend so stark, dass der grausame Tod während dreier Monate mehr als 50 Personen aus unserer Mitte riss und noch mehr wegzugehen zwang.                          

„Viele Gewitter, fürchterlich wie schon lange nicht mehr“