Wireless mit Debora Vater als Solistin. Fotos: wede

Ein Kon­zert fängt anders an als eine Sing­stun­de. Nor­ma­ler­wei­se. Aber was ist schon nor­mal an einem Chor, des­sen Sän­ger (vor allem –innen) ein Durch­schnitts­al­ter von etwas über 20 haben? Und die das Pre­mie­ren­kon­zert ihres neu­en Pro­gramms „Vocal magic 2.0“ und die CD-Vor­stel­lung 50 Kilo­me­ter vom Stamm­sitz Tutt­lin­gen ent­fernt abhal­ten?

 

Der Mut der Chor­lei­te­rin und des Ver­eins Chor­ge­mein­schaft Tutt­lin­gen wur­de belohnt: Die Obern­dor­fer Klos­ter­kir­che war voll besetzt, 400 Zuschau­er, dar­un­ter sehr vie­le jun­ge, woll­ten sich das Kon­zert nicht ent­ge­hen las­sen. Und sie kamen auf ihre Kos­ten, wie der Applaus nach jedem Stück ver­riet. Und der Bei­fall im Ste­hen, gleich drei Mal, also auch nach den Zuga­ben.

Eine muti­ge Stück-Aus­wahl aus Pop, Musi­cal, einem Schuss Rap, zwi­schen Hip­pie-Zeit­al­ter und Gegen­wart. Jun­ge Stim­men mit erstaun­lich vie­len Solis­ten. Eine nahe­zu per­fek­te Vor­be­rei­tung. Und Bewe­gung. Auf der Büh­ne war immer was los. Wer nicht sang, beweg­te ich, und wer sang, auch. Ein (alles aus­wen­dig gesun­ge­nes!) Reper­toire, das bei einem Chor mit rela­tiv gro­ßem Per­so­nal­wech­sel und einem erst seit Kur­zem bestehen­den Ensem­ble über­rascht – auch bei der zwei­ten Zuga­be gab’s kei­ne Wie­der­ho­lung. Und vie­le Ein­fäl­le, mit dem Beat­bo­xer ange­fan­gen. Und alles wirk­lich a cap­pel­la, also aus­schließ­lich mit Stim­men? Ja – auch wenn sich’s manch­mal anders anhör­te. Vor allem durch die elek­tri­schen Ver­stär­kung der Bäs­se. Aber es hat auch nie­mand von „unplug­ged“ gespro­chen.

Ein Tutt­lin­ger Chor? Nicht ganz. Zwar gehört „Wire­less“ zur Chor­ge­mein­schaft Tutt­lin­gen, die das Kon­zert auch ver­an­stal­tet hat. In Obern­dorf, weil das Ambi­en­te im Klos­ter­hof (wo das Kon­zert eigent­lich hät­te statt­fin­den sol­len) und auch in der Klos­ter­kir­che ein­ma­lig ist, wie der Vor­sit­zen­de Kurt Bin­der sag­te. Aber es sind Sän­ge­rin­nen und Sän­ger aus der gan­zen Umge­bung dabei – auch aus Rott­weil. Allen vor­an Debo­ra Vater, bekannt unter ihrem Mäd­chen­na­men Ifen­ta­ler, die mit ihrer Stim­me den Kir­chen­raum sicher auch ohne Mikro aus­ge­füllt hät­te. Ins­ge­samt waren es etwa 20 jun­ge Frau­en und zehn Män­ner (unge­fähr – wer kann bei stän­di­ger Bewe­gung auf der Büh­ne schon genau zäh­len?).

Wer das Kon­zert ver­passt hat: Das Pro­gramm wird im Herbst noch zwei Mal „in der nähe­ren Regi­on“ auf­ge­führt, wie Chor­lei­te­rin Uli Groß dem Tutt­lin­ger „Wochen­blatt“ ver­ra­ten hat. Und die CD gibt’s über eine Face­book-Nach­richt – solan­ge Vor­rat reicht.

Uns wie­so Sing­stun­de? Nun: Uli Groß stu­dier­te mit dem Publi­kum zunächst ein Lied ein, das dann gegen Ende des Kon­zerts gemein­sam gesun­gen wur­de.