Geprägt war die künstlerische Arbeit des Paares von der Auseinandersetzung mit der Geschichte. Foto: pm

ROTTWEIL – Das Forum Kunst Rott­weil wid­met dem Künst­ler­paar Lil­li Engel und Raf­fa­el Rheins­berg eine Dop­pel­aus­stel­lung, die schon zu ihren Leb­zei­ten ange­dacht war. Mitt­ler­wei­le sind bei­de über­ra­schend ver­stor­ben, Rheins­berg im Okto­ber 2016, Engel im Febru­ar 2018. Die Aus­stel­lung wird zur Hom­mage und wird am Sams­tag, 23. März, um 19 Uhr mit einer Rede von Jür­gen Knub­ben eröff­net. Sie dau­ert bis zum 5. Mai.
 
Geprägt war die künst­le­ri­sche Arbeit des kon­ge­nia­len Paa­res von der Aus­ein­an­der­set­zung mit der Geschich­te, auch der Geschich­te des Ver­drän­gens und Ver­ges­sens. Raf­fa­el Rheins­berg ist als „Spu­ren­si­che­rer“ bekannt gewor­den, der sich uner­schro­cken auch in unwirt­li­ches Ter­rain wag­te, um Gegen­stän­de auf­zu­spü­ren, die Zeug­nis able­gen kön­nen von ihrer Zeit, von indus­tri­el­ler Ent­wick­lung, sozia­len Bedin­gun­gen und größt­mög­li­chem Schre­cken.

So hat Rheins­berg im Brach­land um das Ber­li­ner Gleis­drei­eck Schu­he von NS-Zwangs­ar­bei­tern gebor­gen. Holz­pan­ti­nen, San­da­len, Stie­fel, ver­schlammt, ver­mo­dert, halb­wegs erhal­ten bis fast zer­fal­len zeig­te er in Aus­stel­lun­gen, geord­net in Reih und Glied – was das Ensem­ble noch grau­en­haf­ter erschei­nen ließ. In Rott­weil wird sei­ne eben­falls berühm­te, aus­la­den­de Boden­ar­beit zu sehen, in der Rheins­berg eine Stadt­ar­chi­tek­tur aus High­tech­schrott gebaut hat: trost­los und fas­zi­nie­rend zugleich.
 
Lil­li Engels Male­rei ist das Ergeb­nis eines lang­wie­ri­gen Pro­zes­ses. Schicht um Schicht trägt sie Far­be auf, um sie wie­der par­ti­en­wei­se abzu­krat­zen und die unten lie­gen­den Schich­ten frei­zu­le­gen, als wol­le sie sich zum Ursprung zurück­gra­ben. Auf­bau, Zer­stö­rung, Wie­der­auf­bau: die­ses leid­vol­le Gesche­hen, das sich in der Mensch­heits­ge­schich­te unauf­hör­lich wie­der­holt und das sie als Kind am eige­nen Leib erfah­ren muss­te, hat sie in ihre star­ke, eher düs­te­re Bild­spra­che ein­flie­ßen las­sen. Und ihr Stu­di­um in Ägyp­ten, dem Land, das wie kein ande­res für archäo­lo­gi­sche Aus­gra­bun­gen steht und in dem die Ver­gan­gen­heit prä­sen­ter scheint als die Gegen­wart, hat sicher als Kata­ly­sa­tor gewirkt.