SCHRAMBERG  (pm/him) – Seit Samstag zeigt das Stadtmuseum Schramberg im Schloss zwei Sonderausstellungen zum 150-jährigen Stadtjubiläum Schramberg: „Die Sicht der Kinder mit der Lochkamera“ und „Rückblicke“. Ebenfalls neu gestaltet ist die Abteilung „Adelsherrschaft“. Über die Eröffnung berichtet Museumsleiterin Gisela Lixfeld:

Das Programm startete mit Beiträgen der Stadtmusik und dem Grußwort von Oberbürgermeister Thomas Herzog. Er erinnerte daran, dass am 7. September vor 150 Jahren  König Karl I. von Württemberg verfügte, dass der Markflecken Schramberg nun den Status Stadtgemeinde tragen dürfe. „Für die Bürgerschaft Schrambergs
ging mit diesem Verwaltungsakt 1867 ein lang gehegter Wunsch in
Erfüllung“, so Herzog. Der Grund sei der enorme wirtschaftliche Aufschwung Schrambergs in der Frühzeit der Industrialisierung gewesen. „Industrieansiedlung bedeutete Aufbruch in ein neues Zeitalter, das aus der Armut herausführen sollte und ein besseres Leben versprach.“

Kinder mit der Lochbildkamera unterwegs

Anschließend zeigten die Freiburger Künstlerin und Kunstpädagogin Brigitte Liebel und Frederic du Paul von den Lochkamera-Kids ihre Ausstellung „Die Sicht der Kinder mit der Lochkamera“. Unter Anleitung von Brigitte Liebel hatten experimentierfreudige Kids gemeinsam eine Reise zu den Anfängen der Fotografie unternommen und Lochkameras gebaut, mit denen sie das Geheimnis erkundeten, wie das Bild aufs Papier kommt. Durch Malen mit Licht setzten die jungen Lichtbildner das heutige Schramberg in Szene.

Im Anschluss an die Kinderaktion hat Lixfeld einen Einblick ins weitere Programm gegeben und die Ausstellung „Rückblicke“ näher erläutert, die den Weg zum Stadtrecht aufzeigt und die Entwicklung danach. Mit Führungen durch die Ausstellung „Rückblicke“ und die neue Abteilung „Adelsherrschaft“ ging das Programm weiter.

Die Ausstellung „Rückblicke“ begibt sich anhand von Abbildungen auf Schramberger Steingut, Fotografien und Exponaten aus den Museumssammlungen auf eine Zeitreise seit Beginn des 19. Jahrhunderts. 1806 war Schramberg württembergisch geworden. Staatliche Gewerbeförderung, rigide Armenbeschäftigungspolitik und Unternehmergeist führten im 19. Jahrhundert zu einer enormen wirtschaftlichen Entwicklung des Marktfleckens.

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Aufschwung  führt zum Stadtrecht

Der hohe Industrialisierungsgrad durch die ältesten Schramberger Industriebetriebe – die  Steingutfabrik Uechtritz & Faist, die Strohmanufakturen Haas und Wolber sowie die Emailfabrik Schweizer – bewirkten schließlich, dass der aufstrebende Industrieort im dritten Anlauf 1867 das Stadtrecht erhielt.

Danach setzte sich der Aufschwung fort. Die Infrastruktur wurde in rasanter Geschwindigkeit weiter ausgebaut: Schulen, Eisenbahn, Post, elektrisches Licht, Telefon, Autobusverkehr hielten schnell Einzug in die junge Stadt. Neue Betriebe siedelten sich an. Die schnell wachsende Uhrenindustrie entwickelte sich weiter, begleitet von Zulieferern. Schramberg wurde Uhrenstadt. Neue Flächen wurden erschlossen. Die Stadt weitete sich schließlich durch Eingemeindungen aus: Sulgen und Sulgau, Heiligenbronn, Schönbronn, Waldmössingen und Tennenbronn. Industrie und Wohnungsbau strebten auf die Höhe.

Das Leben des Adels in Schramberg

Die neue Abteilung „Adelsherrschaft“, die von der Historikerin Gisela Roming erarbeitet wurde, blickt zurück bis ins 17. Jahrhundert. Die Burgengeschichte, die mit ihren Funden vom Leben auf Hohenschramberg und im Marktflecken erzählt, bekommt damit ihre Fortsetzung. Gisela Roming hat der Geschichte der Familie von Bissingen bis ins 20. Jahrhundert nachgespürt: dem Leben der Adelsfamilie in Schramberg, ihren Schlossbauten und Gartenanlagen, auch ihrer industriellen Betätigung durch Betreiben einer Nudelfabrik sowie Erzeugung von elektrischem Strom und schließlich ihrem Wegzug nach Hohenstein in den 1920er Jahren.

Info: Die Ausstellungen sind bis 17. September zu sehen. Die Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 13 bis 17 Uhr, Sonntag/Feiertag 11 bis 17 Uhr, Führungen nach Vereinbarung