Suchtberatung: Mehr Unterstützung wäre wünschenswert

Suchtberatung: Mehr Unterstützung wäre wünschenswert

ROTTWEIL – Im Rahmen seiner Informationsgespräche im Landkreis Rottweil besuchte der SPD- Kandidat die Fachstelle Sucht Rottweil ( kurz Suchtberatung) , um sich einen Überblick über die dort geleistete Arbeit und die damit verbundenen Schwierigkeiten und Probleme dieser wichtigen Arbeit zu verschaffen. Gesprächspartner war Anja Klingelhöfer.

Diese wichtige Einrichtung gehört zum Landesverband „Baden- Württemberg für Prävention und Rehabilitation und ist mit drei Außenstellen in Schramberg, Sulz und Oberndorf für den gesamten Landkreis tätig. Laut Anja Klingelhöfer liegt derzeit ein massives Kostenproblem vor, da trotz der 50 Prozent-Förderung durch den Landkreis und der 15 prozentigen Förderung durch das Land für die Personalkosten immer noch ein erheblicher Abmangel in Höhe von circa 30 Prozent auftritt.

Die bisher selbst erwirtschafteten Anteile zur Kostendeckung aus ambulanten REHA- Gruppen und kostenpflichtigen Präventionsgruppen, etwa in Betrieben, sind coronabedingt praktisch zusammengebrochen. Das sei existenzgefährdend obwohl laut einer Studie des xit- Institutes Nürnberg hier jeder investierte € der ambulanten Suchthilfe bei Wegfall bis zu 28 Euro an notwendigen öffentlichen Pflichtleistungen bedinge.

Therapeutische Leistungen werden in Rottweil angeboten, für Menschen die eine ambulante Entwöhnungsbehandlung durchführen möchte oder nach einem Klinikaufenthalt die Abstinenz festigen wollen. Für Kinder aus suchtbelasteten Familien gibt es einen neunwöchigen Kurs „Trampolin“, sowie danach eine fortlaufende Kindergruppe. Die Eltern können sich im Seminar „Salto“ Unterstützung und Anregungen zum Umgang mit dem Thema Sucht in der Familie und verantwortungsvolle Erziehung holen.

Präventionskurse für Alkohol, illegale Drogen, Glücksspielsucht und Medikamente in Schulen, Betrieben und öffentlichen Einrichtungen und Vereinen werden ebenfalls angeboten. Im Jahre 2019 wurden 901 Menschen beraten, davon 676 mehr als zweimal. Das Glücksspiel habe stark zugenommen, wobei hier ein hoher Anteil von nicht kontrollierbaren „Online-Glücksspielen“ vorliege. Sportwetten mit prominenten Werbeträgern verstärken diesen Trend.

Hier wäre ein Ethischer Codex im Landesglücksspielgesetz, damit die Werbeträger verstehen, was sie anrichten, sehr von Nutzen. Bisher versucht man etwa. durch Schulungen von Mitarbeitern der Spielhallen etwas zu erreichen um auf mögliche Suchterkrankungen hinweisen zu können. Auch die sog. Mediensucht und Psychische Krankheiten hätten während der Coronapandemie ebenfalls stark zugenommen.

Sogenannte „substituierende “ Ärzte mit der notwendigen Zusatzausbildung gebe es im Landkreis Rottweil nur einen. Hier sind dringend weitere entsprechend ausgebildete Ärzte erforderlich. Hier könnte die Politik auch auf kommunaler Ebene sinnvolle Anreize durch Stipendien etc. schaffen, damit dieser Fachzweig attraktiver wäre.

Die Löhne sind dem Tarifvertrag „ Öffentlicher Dienst“ angelehnt und liegen damit wesentlich unter vergleichbaren Tätigkeiten in der freien Wirtschaft. Torsten Stumpf würde eine Erhöhung derselben aufgrund der hohen Verantwortung für die betreuten Menschen sehr unterstützen.

Anja Klingelhöfer hält es in der Debatte um die Legalisierung von Cannabis für dringend erforderlich die Ausweitung der Prävention in diesem Bereich mit zu berücksichtigen. All zu leicht werde von positiven Erfahrungen etwa in Portugal berichtet, ohne zu erwähnen welche enormen Veränderungen dort gleichzeitig in der Suchthilfe und Prävention vollzogen wurden. Von der Politik wünscht sie sich, dass die Suchtberatung aufgrund ihrer Wichtigkeit und ihres nachgewiesenen volkswirtschaftlichen Nutzens stärker unterstützt wird.

Torsten Stumpf würde dies im Falle seiner Wahl mitnehmen. Suchtberatung sei heutzutage „Systemrelevant“ und es sei ihm ein Herzensanliegen, sich dafür und deren Dienst an der an der Gesellschaft stark zu machen.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 12. Februar 2021 von NRWZ-Redaktion. Erschienen unter https://www.nrwz.de/landtagswahl-baden-wuerttemberg-2021/suchtberatung-mehr-unterstuetzung-waere-wuenschenswert/299594