Lesermeinung: Will Rottweil zur Stadt der „Beinamputierten” werden?

Zum Leser­brief von Dr. Jür­gen Mehl: End­lich mal jemand, der nicht dem all­ge­mei­nen Hype folgt und sei­ne Beden­ken fun­diert und anschau­lich äußert.
Ich habe 17 Jah­re in und um Stutt­gart gelebt und fra­ge mich immer, über wel­ches Ent­fer­nungs­ge­fühl die Men­schen in Rott­weil ver­fü­gen (vor allem genannt sei­en hier auch die
Gewer­be­trei­ben­den).
 
In die­ser „rie­si­gen Mini­stadt” schei­nen schon 500 m eine kaum über­wind­ba­re Stre­cke dar­zu­stel­len. In einer Zeit in der die gesät­tig­ten Gesell­schaf­ten des indus­tri­el­len Nor­dens unter Fett­sucht und Bewe­gungs­man­gel lei­den, ver­sucht eine pro­vin­zi­el­le (pro­vin­zi­ell kann durch­aus posi­tiv ver­stan­den wer­den) Klein­stadt ihren ach so bela­de­nen und
geschun­de­nen Bür­gern und erst recht den „mil­lio­nen zu erwar­ten­den sat­ten Tou­ris” jeden Meter zu erspa­ren.
 
Der Bahn­hof ist eine gute Trai­nings­ein­heit zu Fuß (guter Frisch­luft­er­satz fürs stin­ki­ge Fit­ness-Sudio) und der Turm ist auch mit einem „kur­zen Marsch” erreich­bar. Will Rott­weil zur Stadt der „Bein­am­pu­tier­ten” wer­den? Spart doch bit­te das Geld für sinn­vol­le­re Din­ge als eine Hän­ge­brü­cke – nur ihret­we­gen kommt nie­mand nach Rott­weil.
 
Wie­so wird aus der his­to­ri­schen, ihre alten Beson­der­hei­ten beto­nen­den Klein­stadt so eine pri­mi­tiv mit Bau­wer­ken prot­zen­de Kom­mu­ne? Die klei­nen sub­ti­len Beson­der­hei­ten tre­ten da zu sehr in den Hin­ter­grund. Die Protz­men­ta­li­tät von Schaichs im fer­nen Dubay passt doch wirk­lich nicht hier­her. Packt den Auf­zug in den Zug und hängt die Brü­cke ab und ent­fernt Euch etwas von den unrea­lis­ti­schen „Tou­ri-Erwar­tun­gen”.
 
Ger­hard Mauch, Rott­weil