Leserbrief zum Thema Stadtentwicklung in Rottweil

„Innovativ“ ist das Schlagwort, das die Stadtverwaltung zurzeit gerne im Zusammenhang mit der Stadtentwicklung Rottweils in den Mund nimmt. Weithin sichtbares Wahrzeichen für die Aufbruchstimmung: der Thyssen-Krupp-Turm und die – so hoffen Stadtverwaltung, Mehrheit des Gemeinderats und Investor – kommende Hängebrücke.

Letztere soll kongenial und mutig Moderne und Tradition verbinden, Rottweil aus dem gefühlten Mittelalter in die Riege der Avantgarde katapultieren, neue Besucherströme in das historische Geviert lenken, letztlich mehr Einnahmen als Ausgaben bringen. Ob diese Rechnung aufgeht, wird sich zeigen.
Wir sehen in der Hängebrücke durchaus die Chance zur touristischen Entwicklung der Stadt. Doch vermissen wir ein umfassendes Konzept, das mit dem historischen Stadtensemble behutsam und zukunftsorientiert umgeht.

Ein Ja zur Hängebrücke kann es von uns nur geben, wenn deren Verlauf eindeutig ist, und sie an der Plattform unterhalb des Dominikanermuseums endet. Damit bliebe die Stadtmauer erhalten und der Bockshof ein Stück weit, was er bisher ist: grüne Oase inmitten der Stadt.

Die Historizität ist das Pfund, mit dem die Stadt bisher gut gewirtschaftet hat. Rottweil mit seinen schmucken Häusern und Gassen muss vor allem lebens- und liebenswert für seine 25.000 Einwohner bleiben. Dann kommen Touristen und bleiben gerne. Wir freuen uns auf mehr Besucher in Rottweil, nicht aber über mehr Autos in der Stadt. Sie empfinden wir als Roll-Back in die Zeiten vor der Umgehungsstraße. Wir fordern daher: Verkehr raus aus der Innenstadt. Rottweil den Fußgängern und Radfahrern! Diesen Schritt zu gehen, wäre mutig. Und würde zeigen: Die älteste Stadt Baden-Württembergs ist noch viel innovativer als bisher gedacht.

Reiner Hils, Elke Reichenbach, Michael Leibrecht – alle Forum für Rottweil (FFR)