Findet traditionell im September und damit meist bei gutem Wetter statt: das Rottweiler Stadtfest. Archiv-Foto: Ralf Graner

Der gro­ße Nar­ren­tag, die eigent­li­che Fas­net, die Ende Mai anste­hen­de Test­turm-Ein­wei­hung, die übli­chen Fes­ti­vals wie Jazz­fest und Feri­en­zau­ber und eben auch das Stadt­fest. Das alles steht im Rott­wei­ler Ver­an­stal­tungs­ka­len­der für das kom­men­de Jahr. Ist das zuviel? Soll­te Rott­weil weni­ger fei­ern? Das glaubt die CDU und die übri­gen Gemein­de­rä­te schlos­sen sich dem Gedan­ken an. Was alle zusam­men nicht wis­sen: wie die Leu­te in den Ver­ei­nen, die vom Stadt­fest leben, den­ken. Das soll die Stadt­ver­wal­tung jetzt her­aus bekom­men.

Eva Moos­mann hat­te sich den Ver­lauf die­ser Dis­kus­si­on anders gedacht. Die Stadt­fest­ma­na­ge­rin aus dem Kul­tur­amt war auf eine Dis­kus­si­on vor­be­rei­tet – schließ­lich woll­te sie sich sozu­sa­gen die deut­lich gestie­ge­nen Aus­ga­ben für die Stadt­fes­te 2013 und vor allem 2015, die aus dem Kul­tur­amts­bud­get bestrit­ten wor­den sind, nach­ge­neh­mi­gen und für die Zukunft fest­schrei­ben las­sen.

Und dann das: Die CDU plä­dier­te plötz­lich namens ihres Spre­chers Gün­ter Pos­selt dafür, das Stadt­fest zu ver­schie­ben. Wenn doch – wie ihm über die Lip­pen ging, was eigent­lich noch streng geheim ist – am 21. Mai der Test­turm ein­ge­weiht wird, wenn die Stadt zudem den Nar­ren­tag erlebt, soll­te dann am 9. und 10. Sep­tem­ber die nächs­te Groß­ver­an­stal­tung kom­men? Oder ist das zuviel? Die CDU sprach sich jeden­falls für eine Ver­schie­bung nach 2018 aus.

Dann aber wür­de das Stadt­fest wie­der mit der Gölls­dor­fer Sau­kir­be kol­li­die­ren, deren Macher eigens ja um ein Jahr ver­scho­ben hat­ten, um mit ihrer Herbst­ver­an­stal­tung nicht mehr in Kon­kur­renz zu ste­hen. Die­se nach 2017 vor­zu­zie­hen, reg­te Pos­selt des­halb an. (Dazu zwei Anmer­kun­gen: Die offi­zi­el­le Begrün­dung der Gölls­dor­fer, ihre Sau­kir­be wegen des lau­fen­den Hal­len­neu­baus dort ver­scho­ben zu haben, scheint nicht die ein­zi­ge zu sein. Und Pos­selt hät­te nach sei­ner Metho­de ein­fach das Stadt­fest mit der Kir­be getauscht und damit wie­vie­le Mas­sen­ver­an­stal­tun­gen im Rott­wei­ler Jahr der Mas­sen­ver­an­stal­tun­gen ein­ge­spart? Rich­tig: kei­ne). Gölls­dorfs Orts­vor­ste­her Wolf­gang Dre­her, für die Frei­en Wäh­ler am Gemein­de­rats­tisch, schüt­tel­te ob des CDU-Vor­schlags auch gleich den Kopf. In einem Jahr schon die Sau­kir­be machen – ihm schien das zu kurz­fris­tig.

Also kris­tal­li­sier­te sich eine neue Mög­lich­keit im Rat her­aus. Eine noch kurz­fris­ti­ge­re. Deut­lich. Die Idee näm­lich, das Rott­wei­ler Stadt­fest ’17 mit den Eröff­nungs­fei­er­lich­kei­ten am thyssenkrupp-Test­turm zusam­men zu legen. Die Ver­ei­ne eben dort ein­zu­bin­den. Die­ser Idee von Her­mann Breu­cha (Freie Wäh­ler) schlos­sen sich nach und nach alle Stadt­rä­te an.

Und so erhielt Eva Moos­mann am Mitt­woch­abend vom Gemein­de­rat nicht mehr Geld, son­dern einen Prüf­auf­trag, ein­stim­mig. Sie soll her­aus­fin­den, ob das Stadt­fest ins Früh­jahr ver­legt wer­den kann. Und vor allen Din­gen, was die Ver­eins­ver­tre­ter zu die­ser Idee sagen. „Das Stadt­fest liegt auf dem Rücken der Ver­ei­ne”, so SPD-Stadt­rat Ralf „Hefe” Arm­le­der. Immer­hin finan­zie­ren sich auch vie­le über die Stadt­fest-Ein­nah­men. Die Ver­ei­ne müss­ten jetzt zunächst gefragt wer­den.

Eva Moos­mann wird das tun, wie, ist noch unklar. Sie hat kom­men­de Woche erst­mal Urlaub. Dann wird sie die Ver­ei­ne ent­we­der gesam­melt zu einer Dis­kus­si­on ein­la­den oder mit der Bit­te um Feed­back anschrei­ben. In weni­gen Wochen schon, in zwei oder drei will sie das Ergeb­nis haben.

Ers­te Reak­tio­nen auf Face­book zei­gen das mög­li­che Mei­nungs­bild: 

Was hat das Stadt­fest mit der Ein­wei­hung zu tun? Und ein Stadt­fest im Mai fin­de ich ein wenig unpas­send.

Und:

da ste­hen dann die, die sich für VIPs hal­ten und sons­ti­ge Polit­pro­mi­nenz aus RW, Stutt­gart etc. sowie die Thys­sen­leu­te am Turm und der Nor­mal­bür­ger kommt da gar nicht hin …

Unter­des­sen ist auch völ­lig unklar, wie thyssenkrupp auf den Vor­schlag reagie­ren wird, das Stadt­fest an die Eröff­nungs­fei­er and­zu­do­cken. Rott­weil ist da ja bis­her ganz erfolg­reich gewe­sen, der Auf­zug­bau­er hat auch eine Aus­sichts­platt­form in den Turm ein­ge­baut, und er tat das nur auf Wunsch der Rott­wei­ler. Wie die Fei­er aus­se­hen wird, ist aber unbe­kannt, thyssenkrupp hält – übri­gens inklu­si­ve des mög­li­chen Ter­mins am 21. Mai – bis­lang noch alles geheim.

Insi­der kön­nen sich ein gro­ßes Fest­zelt auf dem Ber­ner Feld den­ken, eine flüs­sig auf­spie­len­de Band, Cand­le-Light und Anspra­chen, Häpp­chen und das Klei­ne Schwar­ze. Und dabei der Freun­des­kreis Hyè­res, die Müns­ter­sän­ger­kna­ben, Fecken­hau­se­ner Blas­mu­si­ker, die Leu­te von der „Bowie Bar” und die Kreis­ver­kehrs­wacht? Die „Roll­brett­mis­si­on” und der Alba­ni­sche Kul­tur­ver­ein? Und das alles im auf­ge­weich­ten Acker­bo­den des Ber­ner Fel­des und in knapp sie­ben Mona­ten? Oder par­al­lel zu den Fei­er­lich­kei­ten dort dann eben in der Innen­stadt oder gleich, weil viel­leicht noch Win­ter ist, in den städ­ti­schen Hal­len?

Nichts für ungut, lie­be Rott­wei­ler Gemein­de­rä­te, aber das scheint nicht ganz zuen­de gedacht zu sein. Aber des­halb wol­len Sie das ja auch erst­mal prü­fen las­sen, rich­tig?