Die Gelegenheit beim Schopfe packen“

Leserbrief zur in Rottweil geplanten Hängebrücke

Zur Dis­kus­si­on über die zwi­schen dem Rott­wei­ler Auf­zugs­test­turm und der Innen­stadt geplan­te Ver­bin­dung per Hän­ge­brü­cke ist die­ser Leser­brief ein­ge­trof­fen.

Man muss laut OB Broß ‚das Eisen schmie­den, solan­ge es heiß ist.‘ Die­se Rede­wen­dung ist die Über­tra­gung einer grie­chi­schen Mytho­lo­gie ins Hand­werk­li­che. Ob es einem sel­ber, einer Stadt, einem Land gut geht, hat wenig mit Glück oder Zufall zu tun. Es hat etwas damit zu tun, wie man die Mög­lich­kei­ten anpackt und nutzt.

In der grie­chi­schen Mytho­lo­gie ist Kai­ros der Gott der güns­ti­gen Gele­gen­heit, der Chan­ce und des rech­ten Augen­blicks. Dar­ge­stellt ist Kai­ros als Jüng­ling mit einem lan­gen Haar­schopf, der ihm in die Stirn fällt und einem kahl­ge­scho­re­nem Hin­ter­kopf. Kai­ros taucht plötz­lich auf: ergreift man ‚die güns­ti­ge Gele­gen­heit nicht beim Schop­fe‘, ist sie weg, denn einen kahl­ge­scho­ren Hin­ter­kopf kann man nicht mehr grei­fen.

Des­we­gen: Zupa­cken und ent­schlos­sen han­deln. Beson­de­re Gele­gen­hei­ten nut­zen und not­wen­di­ge Ver­än­de­run­gen zulas­sen, statt zögern, zau­dern und befürch­ten. Kai­ros ist immer in Bewe­gung, Kai­ros ist schon zu oft unbe­ach­tet an Rott­weil vor­bei­ge­zo­gen. Irgend­wann mei­det er sonst unse­re Stadt.”

Her­mann Klos, Rott­weil