Die Schule – ein Schlaraffenland…

Leserbrief zu: "Aichhalden: Flüchtlinge in Schule willkommen geheißen"

Eine bedeu­ten­de Schlüs­sel­rol­le bei  der Auf­nah­me der neu­en Mit­bür­ger spie­len zwei­fels­frei die Schu­len. Die Teil­ha­be am gemein­sa­men Ler­nen ist der wich­ti­ge Weg in die neue Gesell­schaft hin­ein. Hier wer­den Fähig­kei­ten und Wer­te erlernt und erfah­ren, die für die Zukunft im neu­en Land uner­läss­lich sind. Das gemein­sa­me Ler­nen und Leben in der Schu­le ist Schatz und Berei­che­rung für alle am Schul­le­ben Betei­lig­ten.

Dass es auch in den Rei­hen der Lehr­kräf­te Men­schen gibt, die mit Herz und Hand Enga­ge­ment für die gute Sache zei­gen und unent­gelt­lich För­der­stun­den für die neu­en Schü­ler anbie­ten, ist genau­so groß­ar­tig und erwäh­nens­wert wie die Mit­hil­fe jeder ande­ren zur Hil­fe berei­ten  Per­son, die sich viel­leicht in den nächs­ten Tagen ins Spiel­zim­mer der Schu­le beru­fen fühlt. Und doch ist es auch erschre­ckend und des­il­lu­sio­nie­rend in glei­chem Maße.

Wem eine beson­de­re Schlüs­sel­rol­le zukommt, wer beson­de­re Ver­ant­wor­tung trägt für ein gelin­gen­des Zusam­men­wach­sen frem­der und hei­mi­scher gesell­schaft­li­cher Struk­tu­ren, der bedarf auch einer beson­de­ren Unter­stüt­zung. Es ist kei­ne Weis­heit, die für Über­ra­schung sorgt, dass die Auf­ga­ben der Schu­len, die Inte­gra­ti­on der sog. „Flücht­lings­kin­der“ in unser Bil­dungs- und Wer­te­sys­tem vor­an zu brin­gen und erfolg­reich aus­zu­ge­stal­ten, rie­sig sind und einen Arbeits­um­fang für alle Betrof­fe­ne schaf­fen wer­den, der groß­zü­gig  durch Bund und Län­der getra­gen wer­den muss.

Es ist die Ver­ant­wor­tung unse­res Staa­tes, für die best­mög­li­chen Arbeits­be­din­gun­gen vor Ort zu sor­gen und die Lehr­kräf­te in ihrer ver­ant­wor­tungs­vol­len Tätig­keit zu stüt­zen. Inte­gra­ti­ons­stun­den sind Unter­richts­stun­den. Unter­richts­stun­den stel­len eine zu ent­loh­nen­de Tätig­keit des Lehr­per­so­nals dar. Immer und ohne Ein­schrän­kung sind die­se Leis­tun­gen zu bezah­len. Sie sind in ihrer Bedeu­tung für die zu inte­grie­ren­den Kin­der und deren Fami­li­en ohne Zwei­fel jeden Euro wert. Sie sind zu wert­voll um bei der Ent­loh­nung der Leh­rer als wert­freie Null­stel­le ver­rech­net zu wer­den.

Die Schu­len sind kein Schla­raf­fen­land für einen zahl­fau­len Staat, der Steu­er­ein­nah­men in einer Höhe ver­zeich­net, dass Töp­fe blub­bernd  über­spru­deln. Wir schaf­fen das. Aber nicht zum Null­ta­rif und nicht allein, weil wir uns gut- weil hel­fend füh­len möch­ten. Beson­de­re Auf­ga­ben las­sen sich nicht schön reden, in dem von den Ver­ant­wort­li­chen vor Ort enga­gier­te Ärmel hoch krem­peln- Reden gehal­ten wer­den, die ein Bild von Inte­gra­ti­ons­ar­beit zeich­nen, das am Ende zur fröh­li­chen und gut zu bewäl­ti­gen­den lau­war­men Her­aus­for­de­rung her­un­ter gekö­chelt wird.

Inte­gra­ti­ons­ar­beit ist in ers­ter Linie Arbeit. Sie ist anstren­gend und for­dert viel: Schnel­les Han­deln, Fle­xi­bi­li­tät, Impro­vi­sa­ti­on von allen Betei­lig­ten in den Schu­len, den Schü­lern, ihren Eltern und den Leh­rern.  Letzt­lich ist es die bedeu­tungs­vol­le Arbeit und der Beruf des Leh­rers, den Neu­an­kömm­lin­gen vor Ort zu hel­fen. Er ist kein Ehren­amt son­dern ein aner­kann­ter und hoch­qua­li­fi­zier­ter Beruf, der in der Ver­gan­gen­heit ohne­hin an Attrak­ti­vi­tät auf­grund hoher Belas­tun­gen, Erwar­tun­gen und der dia­me­tral dazu ste­hen­den Ent­loh­nung sowie man­geln­der gesell­schaft­li­cher Aner­ken­nung ein­bü­ßen muss­te. Schu­le und Leh­rer­be­ruf sind kein Auf­fang­be­cken für sämt­li­che Her­aus­for­de­run­gen, die Gesell­schaft heu­te in nie ver­sie­gen­dem Quell an die Ufer der Bil­dungs­ein­rich­tun­gen spült. Und das zu immer gleich blei­ben­der Ent­loh­nung am Rand des Infla­ti­ons­aus­gleichs. Der Betriebs­wirt­schaft­ler wür­de sagen: Die Ren­di­te schmilzt ste­tig.

Den zu uns Geflüch­te­ten sei gesagt: Lasst euch gut aus­bil­den. Dies eröff­net die Mög­lich­keit, eure Exis­tenz selbst zu erhal­ten. Wisst aber, dass wir in einem Land der nied­ri­gen Löh­ne leben, ver­gli­chen mit der Mehr­heit der ande­ren west­li­chen Staa­ten. So kann auch eine gute Aus­bil­dung nicht immer für ein not­wen­di­ges bis kom­for­ta­bles Aus­kom­men garan­tie­ren. Die Sche­re zwi­schen den über­aus reich­lich Bezahl­ten, den sich selbst groß­zü­gig Bezah­len­den und den sehr gering bis ärm­lich Bezahl­ten klafft immer wei­ter aus­ein­an­der unge­ach­tet der drin­gen­den not­wen­di­gen erbrach­ten Leis­tun­gen bestimm­ter Berufs­grup­pen für die Men­schen im Land.

Das  Leben in Deutsch­land ist hin­ge­gen sehr teu­er.  Kar­tof­fel­chips und  Süß­ge­trän­ke sind nahe­zu die ein­zi­gen Din­ge, die güns­tig zu haben sind. Mie­te, Wohn­ei­gen­tum, Ener­gie, Mobi­li­tät, Wei­ter­bil­dung, Klei­dung, kul­tu­rel­le Teil­ha­be… all das ist kost­spie­lig, erst recht dann, wenn eine mehr­köp­fi­ge Fami­lie erhal­ten wer­den muss. Und ein Ruhe­ge­halt für Arbeit­neh­mer jen­seits der 1960er Jahr­gän­ge, das ein weit­ge­hend sor­gen­frei­es Leben im Alter beschert, gilt schon heu­te als so gut wie aus­ge­schlos­sen. Also seid ent­schlos­sen und selbst­si­cher, wie viel eure Arbeit wirk­lich wert ist: Lasst euch für eure Arbeit bezah­len. Eure Lebens­zeit ist wert­voll, die Ver­ant­wor­tung für eure Kin­der, deren Aus­bil­dung und den unver­meid­li­chen Ruhe­stand groß. Leh­rer, lasst euch end­lich ange­mes­sen für eure Arbeit bezah­len!

Maren Fens­ter­ma­ker, Schram­berg