Leserbrief zur geplanten Hängebrücke in Rottweil:

Die Hängebrücke – freundliches Haustier oder nerviges Vieh? Gemeint ist natürlich “Die Katze im Sack”, die am 19. März per Bürgerentscheid gewählt werden soll. Es ist wie einst im Mittelalter: Die Prinzessin wird heiraten, der Mann steht noch nicht fest. So in Rottweil. Die Bürger werden über etwas abstimmen, das bewusst offen gelassen wird.

Ich beziehe mich im Folgenden auf die Informationsbroschüre von der Stadt Rottweil, die inzwischen wohl jeder Haushalt hat.
Auf Seite 1 sagt OB Bross, dass erst NACH dem Bürgerentscheid ein Bebauungsplanverfahren folgt, aber kein Wort darüber, WO GENAU der Brückenverlauf (auch Trasse genannt) entlang gehen soll. Auch die Stadtverwaltung äussert sich auf Seite 4 und 5 mit keinem Wort dazu. Sehr seltsam! Einfach vergessen worden?

Natürlich nicht, denn Investor Eberhardt gibt auf den nachfolgenden Seiten fairerweise die Antwort: Er will (siehe S.8 unten), “den Zugang zur Brücke am Bockshof haben, zwischen Pulverturm und Dominikanermuseum”. Der OB und die gesamte CDU sagen überhaupt NICHTS zu dieser empfindlichsten Stelle des gesamten Projekts.

Sie beschränken sich auf die seit Testturm- und Grossgefängniszeiten bekannte Lobhudelei, die gebetsmühlenartig wiederholt wird: zukunftsgerichtete Innovation, Aufbruch, Fortschritt, mehr Strahlkraft für Rottweil, schafft Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum, mehrt und sichert den Wohlstand der Rottweiler Bürger, füllt die öffentlichen Kassen und dergleichen mehr.

Meine Empfehlung: Prüfen Sie das lieber selbst anhand der Statistiken und Ihres eigenen Geldbeutels nach, denn das “Einfach nur glauben” sollten wir besser den Theologen überlassen.

Immerhin hat rund ein Drittel der Stadträte, vor allem unter den Freien Wählern und auch der SPD, den Mut gehabt, kritischer und anders zu denken (siehe S.11, 12 und 13 ). Ihnen gilt mein Dank und Respekt. Sie weisen auf die fatalen Folgen hin, wenn der Zugang von der Hängebrücke zur Innenstadt im Bockshof an der alten Stadtmauer in der Nähe des Pulverturms gebaut wird.

Sie, liebe Leser, kennen den Bockshof? Schönster Park der Historischen Altstadt mit zahlreichen, alten Kastanienbäumen zwischen Lorenzkapelle, alter Stadtmauer und Pulverturm und ehemaliger Friedhof Rottweils (siehe S.17 oben). Wunderbare Kulisse für das jährliche und weit über Rottweils Stadtgrenzen hinaus viel beachtete und bewunderte Sommertheater. Ein Ort der Ruhe und Erholung mit wunderbarem Blick auf die Neckarau und die Schwäbische Alb.

Hier würden dann zur Absicherung der Brücke mächtige Betonpfeiler, Stahlträger und Stahlkabel verankert und unvorstellbare Mengen von Touristen durch dieses “Neue Tor” in die Altstadt ein und aus strömen. Nicht Zehntausende, nein, mehrere Hunderttausend (siehe S.2, 4,16 und 19) werden pro Jahr die Stille dieses Ortes ebenso zertrampeln wie die schönen Kieswege, die Grünflächen und die Nerven der Anwohner. Wer will denn dort noch wohnen? Ich nicht.

Also Vorsicht am 19.März! Erst DANACH wird die Katze aus dem Sack gelassen. Läuft`s für den Investor Eberhardt, OB Bross und die meisten Stadträte nach Plan, dann ist der gute, alte Bockshof im A….. Und die Befürworter der Hängebrücke werden sich ihre Hände in Unschuld waschen und zu Recht sagen: Die Bürger haben das ja mehrheitlich so gewollt – selber schuld.

Wolfgang Blässing, Rottweil