Gute Projekte brauchen im Vorfeld grundlegende inhaltliche und emotionale Betrachtung

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Die Villa Duttenhofer wie sie bis 1924 ausgesehen hat. Foto: privat

Leser­brief zur aktu­el­len Dis­kus­si­on um die Vil­la Duttenhofer

Grund­sätz­lich sieht das Auge das, was es erwar­tet. Erwar­tet habe auch ich einen fili­gra­nen und lich­ten Anbau an die Vil­la. Bis 1924 hat­te Rott­weil ein ein­zig­ar­ti­ges Archi­tek­tur­ensem­ble. Neben der heu­te noch exis­ten­ten Vil­la Dut­ten­ho­fer gab es einen mau­ri­schen Kup­pel­bau, mit Saal­bau, Oran­ge­rie und Pal­men­gar­ten, Gewächs­häu­sern, Kegel- und Schieß­bahn, Eis­haus, Reit­hal­le und Reit­bahn, Bade- und Schwimm­hal­le. Lei­der fiel dies, wenn auch vor fast 100 Jah­ren, alles der Abriss­bir­ne zum Opfer.

Gute Pro­jek­te brau­chen im Vor­feld eine grund­le­gen­de inhalt­li­che und emo­tio­na­le Betrach­tung. So gesche­hen im Neckar­tal 1995 mit dem Mas­ter­plan von Alfons Bürk zur Kon­ver­si­on und Revi­ta­li­sie­rung der dro­hen­den Indus­trie­bra­che oder den frü­hen Wei­chen­stel­lun­gen beim Kapu­zi­ner, eben­so durch Alfons Bürk und dem spä­te­ren Ent­wurf des Archi­tek­ten Albrecht Lau­bis. Bei­des heu­te erfolg­rei­che Pro­jek­te mit hoher Strahlkraft.

Viel­leicht hat die­ses bei der Vil­la gefehlt. Auch ein Wie­der­auf­bau des Ensem­bles natür­lich in einer zeit­ge­mä­ßen moder­nen Archi­tek­tur wäre vor­stell­bar gewe­sen. Aber auch das, was jetzt ent­steht, ist neben dem Kapu­zi­ner, der Jugend­her­ber­ge, dem Gefäng­nis, dem Turm und der Hän­ge­brü­cke, dem Spi­tal-und dem Pos­tum­bau ein wei­te­rer Bau­stein und rich­ti­ger und wich­ti­ger Schritt für ein neu­es Rott­weil. Und das pas­siert alles, ohne dass die Les­bar­keit der his­to­ri­schen Stadt und der Respekt vor dem Bestehen­den ver­lo­ren gehen.

Für die neu­en anste­hen­den bau­li­chen Ent­wick­lun­gen ist Rott­weil heu­te in einer Posi­ti­on eige­ne Vor­stel­lun­gen zu ent­wi­ckeln und deren Umset­zung von Inves­to­ren zu fordern.

Her­mann Klos, Rottweil