Justiz verrückt?”

Leserbrief zu "Vermurkstes Verfahren"

So könn­te sich der Sit­zungs­ver­tre­ter der Rott­wei­ler Staats­an­walt­schaft nach gefühlt vier Stun­den Ver­hand­lung, ‚wg. Haus­frie­dens­bruchs’ im Amts­ge­richt Obern­dorf am Mitt­woch gefragt haben.

Ein Rich­ter, der ande­rer Mei­nung ist als die Ankla­ge-Behör­de und dies auch immer wie­der deut­lich macht, ein Welt­un­ter­neh­men, des­sen Chef­ju­rist nicht recht weiß, wie weit das Betriebs­ge­län­de reicht, um des­sen’ Haus­frie­den’ es geht, und schließ­lich ein Ange­klag­ter, der in aller Ruhe den Lockun­gen einer Ver­fah­rens­ein­stel­lung wider­steht.

Dabei litt das Lust­spiel nur dar­an, dass die Staats­an­walt­schaft Rott­weil ver­säumt hat­te, den Straf­vor­wurf auf den angeb­li­chen Haus­frie­dens­bruch zu beschrän­ken. Noch immer ver­las der Ober­staats­an­walt Tei­le des Flug­blat­tes, das der mut­maß­li­che Bre­cher des Haus­frie­dens bei sei­ner Akti­on ver­teilt hat­te.

Dass der ange­sichts einer fan­tas­ti­schen Sicher­heits­schleu­se im Gerichts­ge­bäu­de (etwa zehn Mann Poli­zei und Jus­tiz-Wacht­meis­ter) ver­un­si­cher­te stand­haf­te und pro­zesserfah­re­ne Ange­klag­te nicht ganz glau­ben konn­te, dass die­ses Flug­blatt kei­ne Rol­le mehr spie­len soll­te, ist ver­ständ­lich. Bei sol­cher Kon­stel­la­ti­on war es nicht ein­fach zu ver­ste­hen, dass die Jus­tiz die­ses Flug­blatt längst in den Rah­men der frei­en Mei­nungs­äu­ße­rung ein­ge­ord­net hat­te.

Jus­tiz ver­kehrt? – Die­se Fra­ge stell­ten sich auch die – außer vier Jour­na­lis­ten-  erschie­ne­nen weni­gen, meist älte­ren Zuhö­rer. Ein­hel­li­ge Ant­wort: „Mehr davon!” Aller­dings nicht von der klas­si­schen rich­ter­li­chen Über­re­ak­ti­on, drei klat­schen­de Zuhö­rer, der ältes­te deut­lich über acht­zig, ohne jeg­li­che Vor­war­nung ‚aus dem Saal ent­fer­nen’ zu las­sen. 

Bern­hard Pahl­mann, Rott­weil