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Landkreis Rottweil
Montag, 24. Februar 2020

Kalkung schadet Insekten

Leserbrief zu "Kalken im Akkord"

Zu unserem Bericht „Kalkung im Akkord“ hat uns ein Leserbrief erreicht. Der Autor bezieht sich auch auf einen Bericht, der im Schwarzwälder Boten erschienen ist.

Ich habe etwa 800 Meter von der Gemarkungsgrenze Schenkenzell zu Rötenberg als Standortimker meine Bienenvölker stehen. Ein paar Tage nach der Kalkung war ich vor Ort bei den Bienen. Da bot sich folgendes Bild. Alles war mit einer grauen Kalkschicht überdeckt, das Unterholz, der Waldboden, die Bäume und genauso auch der Bienenstapel. Die Bienen haben die honigenden Tannen beflogen und in der Kalkschicht nach Honigtau gesucht.

Ich habe auf einen Regen gehofft, der die Bäume reinigt, aber zur Zeit ist der Regen bei uns Mangelware. Wie beschrieben hat sich das außerhalb der gekalkten Fläche abgespielt. Ich stelle mir die Frage, was passiert hier dann auf dem gekalkten Gebiet.

Forstrevierleiter Wieland wird in dem Bericht (im SB, die Red.) zitiert, dass bestimmte Moosarten verschwinden und in der Schweiz keine Kalkungen durchgeführt werden, weil der Eingriff in das Ökosystem als zu groß angesehen wird. Er sollte sich nicht nur über das Moos, sondern vielmehr über die Insekten und Kleinlebewesen des Waldes, wie Lachniden (Honigtauerzeuger) Gedanken machen die unter dieser Aktion leiden oder ganz zerstört werden. In Rötenberg gab es im Gewann Segelacker vor Jahrzehnten an einem Waldtrauf sechs bis acht überdimensionale Waldameisenhügel.

Die Honigtauerzeuger liefern für die Waldameisen eine Nahrungsgrundlage, deshalb werden sie von den Ameisen so gepflegt wie die Milchkühe vom Landwirt. In diesem Wald war ein Ökosystem entstanden, das so einmalig war, dass Fachleute es besuchten und bestaunten. Zwei Jahre nach einer dort durchgeführten Waldkalkung waren die ganzen Ameisenhügel abgestorben und Tod.

Ich bin kein Gegner von einer Kalkung des Waldes und selbst auch Waldbesitzer. Wenn eine Übersäuerung der Waldböden durch die Maßnahme verhindert wird, ist das ja auch sinnvoll. Ich frage mich nur warum werden diese Waldkalkungen immer im Sommer durchgeführt, wenn die Natur und damit das Ökosystem im Wald den Höhepunkt erreicht hat. Würden die Kalkungen von November bis März durchgeführt, wären die Bienen, Wildbienen und Ameisen in der Winterruhe und nicht beim Honigtau sammeln.

Die Lachniden haben ihre Eier für die nächste Generation im neuen Frühjahr abgelegt und sind abgestorben. Andere Insekten wie Käfer, Spinnen usw. haben ihr Winterquartier bezogen oder für den Nachwuchs gesorgt. In diesem Zeitraum kann durch eine Waldkalkung dem Ökosystem Wald kaum Schaden entstehen.

Dazu kommt noch, dass im Sommer durch Gewitter und Starkregengüsse ein Teil des Kalks weg gespült wird und in den Bächen und Flüssen ankommt und nicht  den Waldboden verbessert. Ich habe in den vergangenen Jahren bei dem Thema immer wieder die Förster darauf hingewiesen solche Aktionen im Winter durchzuführen. Herr Wieland berichtet, dass etwa zwei Jahre im Vorlauf geplant wurden um die Kalkung durchzuführen, so müsste doch auch ein Zeitpunkt im Winterhalbjahr möglich sein. Die Forstämter präsentieren sich in der Öffentlichkeit gerne als Naturschützer, aber das Ökosystem Wald mit Insekten und Kleinlebewesen haben sie nicht im Blick.

Wilhelm Brüstle, Aichhalden, Vorsitzender des Bezirksimkervereins Oberndorf

 

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