Kalkung schadet Insekten

Leserbrief zu "Kalken im Akkord"

Biene auf Ringelblume. Foto: him

Zu unserem Bericht “Kalkung im Akko­rd” hat uns ein Leser­brief erre­icht. Der Autor bezieht sich auch auf einen Bericht, der im Schwarzwälder Boten erschienen ist.

Ich habe etwa 800 Meter von der Gemarkungs­gren­ze Schenken­zell zu Röten­berg als Stan­dor­timk­er meine Bienen­völk­er ste­hen. Ein paar Tage nach der Kalkung war ich vor Ort bei den Bienen. Da bot sich fol­gen­des Bild. Alles war mit ein­er grauen Kalkschicht überdeckt, das Unter­holz, der Wald­bo­den, die Bäume und genau­so auch der Bienen­stapel. Die Bienen haben die honi­gen­den Tan­nen beflo­gen und in der Kalkschicht nach Honig­tau gesucht.

Ich habe auf einen Regen gehofft, der die Bäume reinigt, aber zur Zeit ist der Regen bei uns Man­gel­ware. Wie beschrieben hat sich das außer­halb der gekalk­ten Fläche abge­spielt. Ich stelle mir die Frage, was passiert hier dann auf dem gekalk­ten Gebi­et.

Forstre­vier­leit­er Wieland wird in dem Bericht (im SB, die Red.) zitiert, dass bes­timmte Moosarten ver­schwinden und in der Schweiz keine Kalkun­gen durchge­führt wer­den, weil der Ein­griff in das Ökosys­tem als zu groß ange­se­hen wird. Er sollte sich nicht nur über das Moos, son­dern vielmehr über die Insek­ten und Klein­le­be­we­sen des Waldes, wie Lach­niden (Honig­tauerzeuger) Gedanken machen die unter dieser Aktion lei­den oder ganz zer­stört wer­den. In Röten­berg gab es im Gewann Segelack­er vor Jahrzehn­ten an einem Wald­trauf sechs bis acht überdi­men­sion­ale Wal­dameisen­hügel.

Die Honig­tauerzeuger liefern für die Wal­dameisen eine Nahrungs­grund­lage, deshalb wer­den sie von den Ameisen so gepflegt wie die Milchkühe vom Land­wirt. In diesem Wald war ein Ökosys­tem ent­standen, das so ein­ma­lig war, dass Fach­leute es besucht­en und bestaunten. Zwei Jahre nach ein­er dort durchge­führten Wald­kalkung waren die ganzen Ameisen­hügel abgestor­ben und Tod.

Ich bin kein Geg­n­er von ein­er Kalkung des Waldes und selb­st auch Waldbe­sitzer. Wenn eine Über­säuerung der Wald­bö­den durch die Maß­nahme ver­hin­dert wird, ist das ja auch sin­nvoll. Ich frage mich nur warum wer­den diese Wald­kalkun­gen immer im Som­mer durchge­führt, wenn die Natur und damit das Ökosys­tem im Wald den Höhep­unkt erre­icht hat. Wür­den die Kalkun­gen von Novem­ber bis März durchge­führt, wären die Bienen, Wild­bi­enen und Ameisen in der Win­ter­ruhe und nicht beim Honig­tau sam­meln.

Die Lach­niden haben ihre Eier für die näch­ste Gen­er­a­tion im neuen Früh­jahr abgelegt und sind abgestor­ben. Andere Insek­ten wie Käfer, Spin­nen usw. haben ihr Win­terquarti­er bezo­gen oder für den Nach­wuchs gesorgt. In diesem Zeitraum kann durch eine Wald­kalkung dem Ökosys­tem Wald kaum Schaden entste­hen.

Dazu kommt noch, dass im Som­mer durch Gewit­ter und Starkre­gengüsse ein Teil des Kalks weg gespült wird und in den Bächen und Flüssen ankommt und nicht  den Wald­bo­den verbessert. Ich habe in den ver­gan­genen Jahren bei dem The­ma immer wieder die Förster darauf hingewiesen solche Aktio­nen im Win­ter durchzuführen. Herr Wieland berichtet, dass etwa zwei Jahre im Vor­lauf geplant wur­den um die Kalkung durchzuführen, so müsste doch auch ein Zeit­punkt im Win­ter­hal­b­jahr möglich sein. Die Forstämter präsen­tieren sich in der Öffentlichkeit gerne als Naturschützer, aber das Ökosys­tem Wald mit Insek­ten und Klein­le­be­we­sen haben sie nicht im Blick.

Wil­helm Brüs­tle, Aich­halden, Vor­sitzen­der des Bezirk­simk­ervere­ins Obern­dorf