Zieht für den Wahlkreis 53, Rottweil in den Landtag ein: AfD-Politiker Emil Sänze. Foto: pm

(Kom­men­tar). Lie­be Leser, die Einen haben mich als mutig gelobt, die Ande­ren als unde­mo­kra­tisch abge­ur­teilt. Mei­ne an die­ser Stel­le geäu­ßer­te Bit­te, doch an der Land­tags­wahl teil­zu­neh­men, war der­weil nicht Gegen­stand der Debat­te. Viel­mehr schie­den sich die Geis­ter an mei­nem an unse­re Leser her­an getra­ge­nen Wunsch, nicht die AfD zu wäh­len.

Das gab hit­zi­ge, höchst emo­tio­na­le  Dis­kus­sio­nen. Ver­än­dert habe ich dar­über hin­aus wahr­schein­lich nichts. Das Abschnei­den der AfD im Kreis Rott­weil um ein Pro­zent höher als das Gesamt­ergeb­nis im Land neh­me ich zur Kennt­nis – unter Ver­zicht auf ein Adjek­tiv.

Den drei gewähl­ten Abge­ord­ne­ten aus dem Wahl­kreis 53, Rott­weil, gra­tu­lie­re ich ger­ne und wün­sche ich je ein glück­li­ches poli­ti­sches Händ­chen in den kom­men­den Jah­ren. 

Vor allem, auch das muss und soll jetzt so sein, gra­tu­lie­re ich Emil Sän­ze (AfD) zu sei­nem Man­dat. Sei­ne Par­tei zu wäh­len, davon hat­te ich abge­ra­ten, auf ihn als Men­schen oder Poli­ti­ker hat­te ich nicht gezielt.

So erin­ne­re ich mich an einen kur­zen Dis­put mit Sän­ze im Vor­feld der Wahl, als es um den Vor­wurf gegan­gen war, die NRWZ bräch­te kei­ne Bei­trä­ge der AfD. Ich hat­te das zurück gewie­sen, am Ende haben wir uns schnell dar­auf geei­nigt, dass nur das nach Vor­ne schau­en etwas bringt. Und so hat Sän­ze uns zuge­ar­bei­tet und wir haben aus­führ­lich auch über Äuße­run­gen des AfD-Man­nes aus dem Wahl­kreis Rott­weil berich­tet.

Sein mir bekann­tes Wahl­pro­gramm ist zudem kurz und prä­gnant. Er hat etwa ange­ge­ben, für ein selbst bestimm­tes Leben für alle Bür­ger zu ste­hen. Dage­gen kann nie­mand etwas haben. Auch mit den fol­gen­den Punk­ten habe ich kein Pro­blem: „ple­bis­zi­tä­re Sys­te­me der Mit­be­stim­mung durch die Bür­ger (Volks­ent­schei­de); Ver­ein­fa­chung der Kom­ple­xi­tät, sei es im öffent­li­chen als auch im pri­va­ten Recht aber vor allem im Steu­er­recht; star­ke Wäh­rung, eine leis­tungs­fä­hi­ge Wirt­schaft und siche­re Arbeits­plät­ze bei fai­ren Löh­nen; ein bezahl­ba­res, leis­tungs­fä­hi­ges Gesund­heits­sys­tem, Ärz­te und Kran­ken­ver­sor­gung vor Ort.”

Wür­de der Mann nicht auch das Fol­gen­de for­dern, so ver­or­te­te man ihn wahr­schein­lich nicht bei den Hell­blau­en (deren Füh­rung in Wahr­heit dun­kel­braun ist): „einen sofor­ti­gen Stopp der unkon­trol­lier­ten Ein­wan­de­rung und des Asyl­miss­brauchs.” Mir ist das zu pau­schal. Ich gehe wei­ter­hin davon aus, dass in ers­ter Linie Hil­fe suchen­de Flücht­lin­ge nach Euro­pa und damit auch nach Deutsch­land drän­gen. Dass die­se Men­schen zumeist den Krieg im Rücken und nicht eine sozia­le Hän­ge­mat­te im Sinn haben. Und ich gehe davon aus, dass Armuts­flücht­lin­gen, die nach Deutsch­land, ins gelob­te Land drän­gen, im Fal­le man­geln­der Per­spek­ti­ve hier­zu­lan­de durch­aus die Aus­gangs­tür gezeigt wer­den kann und muss. Mit Anstand, eben.

Aber Emil Sän­ze erreicht damit vie­le Men­schen. Teils über 20 Pro­zent der Wäh­ler im Wahl­kreis Rott­weil. Die­sen pau­schal zu sagen, dass sie falsch lie­gen, bin ich nicht befugt.  Dass die AfD auf demo­kra­ti­schem Wege in die Land­ta­ge ein­zieht, akzep­tie­re ich voll­um­fäng­lich, natür­lich.

Außer­dem neh­me ich die Unter­schie­de zwi­schen der AfD und ihrem bun­des­wei­ten Auf­tritt einer­seits, und Emil Sän­ze und sei­nem ört­li­chen poli­ti­schen Enga­ge­ment ande­rer­seits durch­aus wahr. Ich set­ze dar­auf, dass wir nun kei­ne Storch oder Petry in den Land­tag ent­sen­den wer­den, son­dern eben einen Sän­ze.  

Lie­be Leser, Herr Sän­ze und ich haben uns heu­te bereits aus­ge­tauscht. Mit sei­nem Ein­ver­ständ­nis ver­öf­fent­li­che ich mei­ne Mail an ihn und sei­ne Ant­wort an die­ser Stel­le ger­ne:

Sehr geehr­ter Herr Sän­ze,

zu Ihrem Wahl­er­folg gra­tu­lie­re ich Ihnen ger­ne. An sich hal­te ich es für eine gute Sache, dass der Wahl­kreis Rott­weil künf­tig mit drei Abge­ord­ne­ten ver­tre­ten sein wird. 

Wie ich zu Ihrer Par­tei ste­he, das ist bekannt. Ich ände­re ange­sichts des Wahl­er­geb­nis­ses mei­ne Ansicht dahin­ge­hend auch nicht. 

Sie selbst habe ich als umgäng­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­part­ner ken­nen gelernt. Ich hof­fe, dass dies so blei­ben kann. 

Freund­li­cher Gruß
Peter Arn­eg­ger

Emil Sän­ze, Spre­cher des AfD-Kreis­ver­bands Rott­weil-Tutt­lin­gen, ant­wor­te­te kurz dar­auf:

Sehr geehr­ter Herr Arn­eg­ger,

vie­len Dank für Ihre Mail. 

Ich begrü­ße es auch, dass wir mit drei Kreis­ver­tre­tern im Land­tag ver­tre­ten sind.  Gibt es uns doch die Mög­lich­keit, für unse­ren Land­kreis, durch zweck­ge­rich­te­tes Zusam­men­wir­ken (ideo­lo­gie­frei) gemein­sam und über Par­tei­gren­zen hin­weg, mehr zu errei­chen.

Es ist für mich eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, dass jedem Men­schen sei­ne Grund­über­zeu­gung zuge­stan­den wer­den und dass er sei­ne Mei­nung frei äußern darf, das gehört zum respekt­vol­len Umgang unter­ein­an­der. „In der Sache hart, aber respekt­voll im Ton“, das kann jeder von mir erwar­ten und von dem wei­che ich auch nicht ab.

Mit freund­li­chen Grü­ßen
Ihr
Emil Sän­ze