Leserbrief: „Betriebsratsvorsitzender soll massiv unter Druck gesetzt werden“

Leser­brief zu „Macht­kampf beim Roten Kreuz.”

Die Behaup­tung des Autors, dass der Betriebs­rats­vor­sit­zen­de nicht erreich­bar gewe­sen wäre, ist falsch. Der Vor­sit­zen­de hat dem Autor bei einem Tele­fon­ge­spräch deut­lich zu ver­ste­hen gege­ben, dass er sich im Vor­feld der anste­hen­den Media­ti­on nicht äußern möch­te, um die­se nicht zu gefähr­den.

Wie der Autor zu der Aus­sa­ge kommt, dass im Ret­tungs­dienst ledig­lich 40 Mit­ar­bei­ter arbei­ten wür­den, erschließt sich uns nicht. Der DRK-Kreis­ver­band beschäf­tigt der­zeit 93 haupt­amt­li­che Mit­ar­bei­ter im Ret­tungs­dienst und auf der inte­grier­ten Leit­stel­le. Der Ret­tungs­dienst ist die mit Abstand größ­te und umsatz­stärks­te Abtei­lung des Kreis­ver­ban­des.

Der Vor­wurf des Macht­kamp­fes zwi­schen dem Betriebs­rats­vor­sit­zen­den und der Geschäfts­füh­re­rin ist absurd. Der Betriebs­rat besteht aus sie­ben Mit­glie­dern, arbei­tet zwar selbst­be­wusst aber nicht hyper­ak­tiv. Das Gre­mi­um wür­de Allein­gän­ge sei­nes Vor­sit­zen­den nicht tole­rie­ren, sämt­li­che Beschlüs­se wer­den, wie vom Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz vor­ge­se­hen, gemein­schaft­lich getrof­fen und ent­spre­chend doku­men­tiert. Der Betriebs­rats­vor­sit­zen­de hat die vol­le Unter­stüt­zung des Gre­mi­ums. Der Betriebs­rat hat der Geschäfts­füh­rung und dem Vor­stand bereits mehr­fach mit­ge­teilt, dass er sich von evtl. anony­men Schrei­ben distan­ziert und die­se auch nicht the­ma­ti­sie­ren möch­te.

Die Umstel­lung der ver­al­te­ten EDV-Tech­nik wur­de vom Betriebs­rat aus­drück­lich begrüßt. Der Anschaf­fung neu­er Soft­ware hat der Betriebs­rat schnell und unbü­ro­kra­tisch zuge­stimmt. Die Aus­sa­ge des Prä­si­den­ten, dass unse­re EDV-Anla­ge 20 Jah­re alt gewe­sen wäre ist falsch. Ein Teil der Soft­ware war zwei­fels­oh­ne ver­al­tet, dies bedeu­tet aber nicht, dass die kom­plet­te EDV-Anla­ge 20 Jah­re alt gewe­sen ist.

Dass der TÜV Audi­tor der Geschäfts­füh­re­rin ein gutes Betriebs­kli­ma beschei­ni­gen soll, muss in den Augen der Beleg­schaft wie blan­ker Hohn klin­gen. Der Bericht des Audi­tors wur­de inner­halb der Beleg­schaft noch immer nicht ver­öf­fent­licht. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

Die viel zitier­ten atmo­sphä­ri­schen Stö­run­gen sind aus unse­rer Sicht über­wie­gend auf den auto­ri­tä­ren Füh­rungs­stil der Geschäfts­füh­re­rin zurück­zu­füh­ren, die es immer wie­der ver­steht, auch lang­jäh­ri­gen und ver­dien­ten Mit­ar­bei­tern mit Ihrem rau­en Umgangs­ton, ger­ne aber auch mal mit einer unge­recht­fer­tig­ten Abmah­nung, vor den Kopf zu sto­ßen, so dass seit ihrem Amts­an­tritt zahl­rei­che Mit­ar­bei­ter von ihren Zusatz­auf­ga­ben zurück­ge­tre­ten sind, oder den Betrieb ver­las­sen haben.
Im Fall des zu Unrecht abge­mahn­ten Kol­le­gen, hat der Betriebs­rat die Geschäfts­füh­re­rin schon früh­zei­tig dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­se Abmah­nung vor einem Arbeits­ge­richt wohl kaum Bestand haben dürf­te. Die­se Abmah­nung zeigt aber exem­pla­risch die von der Geschäfts­füh­re­rin eta­blier­te Art der Geschäfts- und Per­so­nal­füh­rung.

Der betrof­fe­ne Kol­le­ge arbei­tet seit 22 Jah­ren beim Kreis­ver­band und hat sich in die­ser Zeit nicht das Gerings­te zuschul­den kom­men las­sen. Er ist ver­ant­wort­lich für die Dienst­pla­nung von vier Ret­tungs­wa­chen und der Ret­tungs­leit­stel­le.

Der frisch geba­cke­ne Fami­li­en­va­ter erhielt, zwei Tage vor Weih­nach­ten, wäh­rend sei­ner Arbeits­zeit auf der Ret­tungs­leit­stel­le, von der Geschäfts­füh­re­rin und ihrem Stell­ver­tre­ter sowie im Bei­sein ande­rer Kol­le­gen eine Abmah­nung über­reicht. Aus unse­rer Sicht soll­te mit die­sem rück­sichts­lo­sen Ver­hal­ten nicht nur der betrof­fe­ne Mit­ar­bei­ter maxi­mal gede­mü­tigt wer­den, son­dern es soll­te ein Exem­pel sta­tu­iert wer­den.

Zum Urlaub des Betriebs­rats­vor­sit­zen­den sei gesagt, dass die­ser sich den Urlaub nicht ein­fach so genom­men hat, son­dern wie jeder ande­re Mit­ar­bei­ter auch, über das haus­in­ter­ne Com­pu­ter­sys­tem ent­spre­chen­de Urlaubs­an­trä­ge gestellt und die­se anschlie­ßend auch geneh­migt bekom­men hat. Das eigent­lich Bri­san­te ist jedoch, dass Lage und Dau­er der Urlau­be aller Funk­ti­ons­trä­ger der Geschäfts­lei­tung seit Sep­tem­ber 2015 bekannt sind.

Expli­zit erwähnt wird auch der Urlaub des Betriebs­rats­vor­sit­zen­den. Dar­über hin­aus wur­de der Urlaub so gelegt, dass der stell­ver­tre­ten­de Ret­tungs­wa­chen­lei­ter in die­ser Zeit anwe­send ist. Außer­dem wur­den dem Betriebs­rats­vor­sit­zen­den meh­re­re ande­re Urlaubs­an­trä­ge abge­lehnt. Län­ge­re Urlau­be bei Kol­le­gen im Ret­tungs­dienst sind kei­ne Sel­ten­heit, son­dern eher die Regel. Die­se lan­gen Urlau­be sind die logi­sche Kon­se­quenz von aktu­ell 11.000 Über­stun­den. Ein­zel­ne Mit­ar­bei­ter haben auf ihrem Zeit­kon­to bis zu 600 Über­stun­den.

Am Ende sei noch erwähnt, dass der Schrift­ver­kehr zwi­schen unse­rem Betriebs­rats­vor­sit­zen­den, der Geschäfts­füh­re­rin, ihrem Stell­ver­tre­ter und dem Prä­si­den­ten, ins­be­son­de­re unmit­tel­bar vor und auch wäh­rend sei­nes Urlau­bes, aus unse­rer Sicht nur einen Schluss zulässt: Der Betriebs­rats­vor­sit­zen­de soll mas­siv unter Druck gesetzt wer­den und es wird mit allen Mit­tel ver­sucht, die­sen (not­falls auch mit unrich­ti­gen Aus­sa­gen in der Pres­se) in sei­ner Funk­ti­on als Betriebs­rats­vor­sit­zen­den und Lei­ter der Ret­tungs­wa­che Rott­weil zu dis­kre­di­tie­ren.

Für den Betriebs­rat: Janet Bin­der, Doris Fischer, Fran­zis­ka von Pode­wils, Olaf Braun, Tho­mas Hasen­kopf, Franz Sie­ger, Micha­el Tör­ök