Frü­her hat man immer gesagt, dem Wild gehört der Wald…Nun in den letz­ten Jahr­zehn­ten haben wohl die Bebau­ungs­plä­ne der Kom­mu­nen kei­ne Rück­sicht dar­auf genom­men. Man bau­te die Wohn­häu­ser immer näher an den Wald. Auch der Wege­bau im Wald hat zuge­nom­men. Man umschreibt das nun als Nah­erho­lungs­ge­biet, damit die Leu­te sich voll und ganz dem Stress des Jog­gens,  Moun­tain­bike  fah­ren usw. wid­men  kön­nen. Man muss sich doch vom Arbeitstress erho­len.

So ergab es sich nun, dass ein Jäger­lein, wel­cher abends in der Däm­me­rung auf sei­ner Kan­zel saß fol­gen­de Beob­ach­tung mach­te:

Herr Fuchs, Frau Reh, und Herr Kei­ler (Wild­sau) saßen ein­träch­tig um einen Baum­stumpf und fin­gen an zu reden. Herr Kei­ler eröff­ne­te das Gespräch und frag­te Herrn Fuchs, ob er sich nun über das neue Jagd­ge­setz schlau gemacht habe und ob er schon was berich­ten kön­ne. Herr Fuchs kratz­te sich erst mal hin­ter dem Ohr und berich­te­te wie folgt: Also ihr wisst ja alle, dass es Ver­än­de­run­gen in den Jagd­zei­ten gege­ben hat. Neben­bei bemerkt,  Herr Kei­ler, sie müs­sen mal Kat­zen pro­bie­ren, hab ich doch eine kürz­lich erlegt und ich kann ihnen sagen, die schmeck­te wie Hasen­fleisch. Hat mein Ur-Urgroßvater(leider ist er schon 1951 gestor­ben) schon behaup­tet, ich hab es ihm nie geglaubt, denn er sprach immer von Dach-Hasen. Aber ich glau­be den Aus­druck hat er von Men­schen auf­ge­schnappt, die haben die­ses Wild sei­ner­zeit auch gejagt. Wie gesagt, die Jäger dür­fen die­se jetzt nicht mehr schie­ßen – gut für uns Füch­se. Mein Vet­ter hat  mir berich­tet, dass das Füt­tern nun doch ver­bo­ten ist, wird wohl ein har­ter Win­ter.

Oh Gott,  jam­mer­te Frau Reh, wie soll ich denn mei­ne Kit­ze dann durch­krie­gen?? Herr Kei­ler hat’s gut, für den haben sie so viel Mais ange­baut, dass er im Wald fast nicht mehr zu sehen ist mit sei­ner Fami­lie. Und wir? Wir müs­sen in der Dun­kel­heit äsen, weil zur Däm­me­rung zu vie­le Leu­te auf den neu gebau­ten Wegen durch ren­nen. Jam­mer nicht, grunz­te Herr Kei­ler und wand­te sich an den Fuchs, na, Du Schlau­ber­ger, hast du einen Vor­schlag?

Aber ja doch, sprach der Fuchs, mein Cou­sin in Schram­berg hat ihn schon per Rund­schrei­ben bekannt gemacht. Ihr könnt in allen Gär­ten der Häu­ser, Fried­hö­fen und Park­an­la­gen alles fin­den was das Herz begehrt. Das dürft ihr alles fres­sen – ist nicht ver­bo­ten. Das Wich­tigs­te: Kei­ner darf Euch dort erschie­ßen, das ist ver­bo­ten. Also wenn Herr Kei­ler mit sei­ner Rot­te mal das Gelän­de zuerst son­diert, dann sind die mal satt, da kommt kei­ner der Zwei­bei­ner, weil die Angst vor den Sau­en haben.

Außer­dem ist das Gelän­de dann her­vor­ra­gend pla­niert. Und dann könnt ihr Rehe kom­men und euch satt fres­sen. Und was machst Du?,  frag­te Frau Reh. Ich, sag­te,  der Fuchs, ste­he auf dem Kom­post­hau­fen, schlag mir den Bauch voll und gebe Alarm, wenn ein Jäger kommt. Aber da kommt kei­ner – ist sicher. Aber ich den­ke, wir kön­nen das Mee­ting nun been­den, nur zum Schluss noch eine Infor­ma­ti­on, wie ihr wisst haben wir Füch­se ja die Ranz­zeit  zwecks Fort­pflan­zung, ihr Rehe die Blatt­zeit und ihr Wild­sau­en die Rausch­zeit ein­mal im Jahr.

Die Men­schen haben auch eine Blatt­zeit, die ist aber das gan­ze Jahr und der Minis­ter, wel­cher uns die tol­len Geset­ze besorgt hat, hat so wild getrie­ben, dass man ihn in Stutt­gart „abge­schos­sen“ hat.  Also Kol­le­gen, immer wenn die Men­schen mei­nen mit Büro­kra­tie in die Natur ein­grei­fen zu müs­sen, han­deln sie sich etwas ein. Dies­mal schla­gen wir zurück, denn wir waren alle vor den Men­schen im Wald und auf der Heide…sprachs und ver­schwand im Dickicht. Die ande­ren taten es ihm nach.

Und wenn der Fuchs nicht gestor­ben ist, wird er kurz vor Weih­nach­ten ein neu­es Tref­fen ver­an­stal­ten – Hof­fent­lich ist der Jäger dann auch da, damit wir alles erfah­ren.

Der Jäger blieb noch eine Wei­le sit­zen und muss­te erst mal das Gehör­te ver­dau­en.

Auf dem Heim­weg über­leg­te er, wie er sei­ner Frau nun erklä­ren könn­te, wes­halb er im Gemü­se­gar­ten einen Schüt­zen­gra­ben aus­he­ben müss­te. Er könn­te ja ein Dach über den Gar­ten bau­en – aber das kriegt er wahr­schein­lich auch nicht geneh­migt.

Franz Josef Schmidt, Die­tin­gen