Gereim­ter Leser­brief zur geplan­ten Hän­ge­brü­cke in Rott­weil:

Herr Eber­hardt aus Hohen­ten­gen
hat „Rossidee’n“ in rau­en Men­gen.
Mal treibt‘s ihn hef­tig him­mel­wärts,
mal pen­delt waag­recht aus sein Herz:
Als T u r r i f e x ein Ver­ti­ka­ler,
als P o n t i f e x Hori­zon­ta­ler.
Er baut nicht nur am Thys­sen­turm,
flicht Eisen für ihn um und um.
Er lässt ihn wach­sen bis zum Him­mel,
als ellen­lan­gen, grau­en Lüm­mel.
Nackt steht er, fin­ger­gleich, im Raum,
man sieht ihn weit, doch liebt ihn kaum.
Um die­ses Übel abzu­schaf­fen,
greift Eber­hardt zu neu­en Waf­fen.
Das Eisen­flech­ten macht nicht arm.
Es macht sein Spen­der­herz ganz warm.
Mit Schmerz sieht er die Turm­di­stanz,
als Stadt­bild-Turm­bau-Dis­kre­panz.
Dies lässt ihn eine Lösung fin­den,
Er möcht‘ gern Turm und Stadt ver­bin­den,
als P o n t i f e x im bes­ten Sinn.
Der Brü­cken­bau scheint ihm Gewinn.

Doch nun beginnt der Kampf von vorn:
Brück‘ und Turm im Aug‘ ein Dorn
all derer, die den Gral behü­ten,
schon immer um sein Wohl sich müh­ten,
den Gral der heh­ren Reichs­stadt­wür­de,
für Rott­weil eine schwe­re Bür­de.
Die Basis will man nun befra­gen,
das Volk soll sei­ne Mei­nung sagen:
I n i t i a t i v e und B e g e h r e n,
man kann gewiss­lich dar­auf schwö­ren:
Die Mehr­heit wird die Wahr­heit wis­sen.
Ihr Wort ein sanf­tes Ruhe­kis­sen.
Jetzt ist die Pro­ze­dur ent­schie­den,
ob ‘s Brück­le kommt , ob ‘s wird ver­mie­den.
St. Josef wird zum Brü­cken­tag
wo Rott­weil stellt sich die­se Frag‘,
ob ’s zau­dernd hält den Fuß zurück.
Ob ’s ihn setzt mutig auf die Brück.‘.
Josef, „dem die höchs­ten Güter
Gott ver­traut“, würd‘ Brü­cken­hü­ter.
Den Nepo­muk würd ‘s d’Stellung kos­ten,
er müss­te rab vom Brü­cken­pfos­ten.

Ganz unmaß­geb­lich möcht‘ ich sagen:
Liab’s Reich­städt­le , du solltest’s wagen!!
Lass halt den P o n t i f e x gewäh­ren,
der Eisen­flech­ter wird dich leh­ren,
wie man „Ver­gan­gen­heit“ und „Jetzt“
„ ver­flicht“ und recht zusam­men­setzt.

Man­fred Wald­raff, Rott­weil