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Rottweil
Montag, 17. Februar 2020

Lesermeinung: „Gefängnis bringt Chancen für Rottweil“

Leserbrief zum geplanten Gefängnis: „Es kann doch nicht nur um die isolierte Betrachtung eines Stücks Natur gehen, denn dann müssen wir die Menschen aussterben lassen. Wir alle ‚zerstören‘ täglich mit unserem Dasein Natur. Bei manchen JVA-Gegnern gewinnt man den Eindruck, ein Nachtfalter sei wichtiger als ein Mensch. Doch wo sind die großen Schützer der Natur gewesen, als die Spitalhöhe verbaut wurde? Wo sind sie, wenn es nicht um ein Projekt vor der eigenen Haustür geht?

Wir wohnen in Häusern, die einen ursprünglich natürlichen Boden versiegeln. Wir benötigen zum Leben ein Einkommen und eine Sozialversicherung, die erwirtschaftet werden müssen.  Wir brauchen Schulen, Krankenhäusern und auch Gefängnisse, die große Flächen beanspruchen.  Ohne Einsatz von natürlichen Ressourcen und Veränderung der Natur geht es nicht. Andererseits brauchen wir auch die Natur. Deshalb darf nicht leichtfertig, sondern verantwortungsbewusst, unter Abwägung von Nutzen und Risiko, von Für und Wider gehandelt werden. Wir wollen uns erholen, wollen nicht vom Licht gestört werden und unseren schönen weiten Blick in die Ferne haben. Doch auch Gefangene sind Menschen mit Bedürfnissen. Sie haben ein Recht auf humanen Strafvollzug mit sämtlichen Möglichkeiten eines guten Zurückkommens in die Gesellschaft. Dass ein Großgefängnis bei Menschen Angst hervorruft, soll nicht ignoriert werden. Deshalb die JVA nicht in unserer Nähe, sondern anderswo zu bauen, folgt dem Sankt Florians Prinzip. Im Übrigen stehen andere JVAs viel näher an Wohngebieten als die Geplante im Esch. Auch zeigen Fakten, dass viele Vorstellungen unbegründet sind.

Frau Staatsrätin Erler hat recht. Bürgerbeteiligung ist wichtig und gut. Wenn diese nur verhindert, dann werden die verantwortlichen Politiker gezwungen, ihre hoheitlichen Aufgaben auch ohne Bürgerbeteiligung durchzusetzen. Das Bürgerforum Perspektiven Rottweil ist sich seiner Verantwortung bewusst. Wir wollen bei allem Abwägen des Für und Wider die JVA in Rottweil, auch im Esch. Es ist Zeit, nach jahrelanger Diskussion einen Schlussstrich zu ziehen und das Projekt anzupacken.

Wir sehen die Chancen für Rottweil, sich weiterzuentwickeln und die eigenen Mauern weiter zu öffnen. Neben dem direkten Gewinn an Arbeitsplätzen und dem zusätzlichen Einkommen für die Stadt, liegen auch viele indirekte Vorteile auf der Hand, wie der langfristige Bedarf an Zulieferern und Dienstleistern, der Mehrbedarf an Wohnraum, Kindergärten und Schulen sowie die Gewährleistung von öffentlichen Verkehrsverbindungen, die für die Besucher bereitgestellt werden müssen. Selbst dem Verbrauch von Natur steht die Chance von neuen Gestaltungmöglichkeiten in diesem Naturgebiet gegenüber.

Wir setzen uns ein für eine liebens- und lebenswerte Stadt Rottweil und ihre Umgebung. Wir wollen mit-denken, mit-verantworten und mit-gestalten, auch für die kommenden Generationen.“

Henry Rauner / Dr. Christine Schellhorn, Bürgerforum Perspektiven Rottweil

 

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