Lesermeinung: „Gefängnis bringt Chancen für Rottweil”

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Leser­brief zum geplan­ten Gefäng­nis: „Es kann doch nicht nur um die iso­lier­te Betrach­tung eines Stücks Natur gehen, denn dann müs­sen wir die Men­schen aus­ster­ben las­sen. Wir alle ‚zer­stö­ren‘ täg­lich mit unse­rem Dasein Natur. Bei man­chen JVA-Geg­nern gewinnt man den Ein­druck, ein Nacht­fal­ter sei wich­ti­ger als ein Mensch. Doch wo sind die gro­ßen Schüt­zer der Natur gewe­sen, als die Spi­tal­hö­he ver­baut wur­de? Wo sind sie, wenn es nicht um ein Pro­jekt vor der eige­nen Haus­tür geht?

Wir woh­nen in Häu­sern, die einen ursprüng­lich natür­li­chen Boden ver­sie­geln. Wir benö­ti­gen zum Leben ein Ein­kom­men und eine Sozi­al­ver­si­che­rung, die erwirt­schaf­tet wer­den müs­sen.  Wir brau­chen Schu­len, Kran­ken­häu­sern und auch Gefäng­nis­se, die gro­ße Flä­chen bean­spru­chen.  Ohne Ein­satz von natür­li­chen Res­sour­cen und Ver­än­de­rung der Natur geht es nicht. Ande­rer­seits brau­chen wir auch die Natur. Des­halb darf nicht leicht­fer­tig, son­dern ver­ant­wor­tungs­be­wusst, unter Abwä­gung von Nut­zen und Risi­ko, von Für und Wider gehan­delt wer­den. Wir wol­len uns erho­len, wol­len nicht vom Licht gestört wer­den und unse­ren schö­nen wei­ten Blick in die Fer­ne haben. Doch auch Gefan­ge­ne sind Men­schen mit Bedürf­nis­sen. Sie haben ein Recht auf huma­nen Straf­voll­zug mit sämt­li­chen Mög­lich­kei­ten eines guten Zurück­kom­mens in die Gesell­schaft. Dass ein Groß­ge­fäng­nis bei Men­schen Angst her­vor­ruft, soll nicht igno­riert wer­den. Des­halb die JVA nicht in unse­rer Nähe, son­dern anders­wo zu bau­en, folgt dem Sankt Flo­ri­ans Prin­zip. Im Übri­gen ste­hen ande­re JVAs viel näher an Wohn­ge­bie­ten als die Geplan­te im Esch. Auch zei­gen Fak­ten, dass vie­le Vor­stel­lun­gen unbe­grün­det sind.

Frau Staats­rä­tin Erler hat recht. Bür­ger­be­tei­li­gung ist wich­tig und gut. Wenn die­se nur ver­hin­dert, dann wer­den die ver­ant­wort­li­chen Poli­ti­ker gezwun­gen, ihre hoheit­li­chen Auf­ga­ben auch ohne Bür­ger­be­tei­li­gung durch­zu­set­zen. Das Bür­ger­fo­rum Per­spek­ti­ven Rott­weil ist sich sei­ner Ver­ant­wor­tung bewusst. Wir wol­len bei allem Abwä­gen des Für und Wider die JVA in Rott­weil, auch im Esch. Es ist Zeit, nach jah­re­lan­ger Dis­kus­si­on einen Schluss­strich zu zie­hen und das Pro­jekt anzu­pa­cken.

Wir sehen die Chan­cen für Rott­weil, sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und die eige­nen Mau­ern wei­ter zu öff­nen. Neben dem direk­ten Gewinn an Arbeits­plät­zen und dem zusätz­li­chen Ein­kom­men für die Stadt, lie­gen auch vie­le indi­rek­te Vor­tei­le auf der Hand, wie der lang­fris­ti­ge Bedarf an Zulie­fe­rern und Dienst­leis­tern, der Mehr­be­darf an Wohn­raum, Kin­der­gär­ten und Schu­len sowie die Gewähr­leis­tung von öffent­li­chen Ver­kehrs­ver­bin­dun­gen, die für die Besu­cher bereit­ge­stellt wer­den müs­sen. Selbst dem Ver­brauch von Natur steht die Chan­ce von neu­en Gestal­tung­mög­lich­kei­ten in die­sem Natur­ge­biet gegen­über.

Wir set­zen uns ein für eine lie­bens- und lebens­wer­te Stadt Rott­weil und ihre Umge­bung. Wir wol­len mit-den­ken, mit-ver­ant­wor­ten und mit-gestal­ten, auch für die kom­men­den Genera­tio­nen.”

Hen­ry Rau­ner / Dr. Chris­ti­ne Schell­horn, Bür­ger­fo­rum Per­spek­ti­ven Rott­weil

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