Monster-Kommerzbau mit Penthouse

Am 26. März abends kom­men wir (eini­ge wei­te­re Anlie­ger und ich) in die öffent­li­che Gemein­de­rats­sit­zung zur Vor­stel­lung der soge­nann­ten „Ärz­te­haus­pla­nung“ für das ehe­ma­li­ge Haas-Gelän­de im Bereich Lau­ter­ba­cher, Töss- und Leib­brand­stra­ße. Und hören Unfass­ba­res! Man erfuhr ledig­lich aus der Pres­se von die­sem Vor­ha­ben, die Anlie­ger wur­den im Vor­feld weder gefragt noch in die Gesprä­che ein­be­zo­gen.

Da tref­fen sich zwei Sei­ten, jeweils im Eigent­li­chen höchs­tens ein paar ‚Ide­en­ge­ber‘. Der Eine will eigent­lich nur Grund­stü­cke ver­scher­beln, der Ande­re so viel wie mög­lich Pro­fit raus­schla­gen. Das Gan­ze unter dem Män­tel­chen der ‚zukünf­ti­gen Sicher­stel­lung der ambu­lan­ten Ver­sor­gung.‘ Betrach­ten wir das aber mal von allen Sei­ten. Der ‚Mons­ter­bau‘, bestehend eigent­lich aus zwei Gebäu­den und einem klei­nen Park­haus, ist völ­lig über­di­men­sio­niert. Er fügt sich in die bau­li­che Situa­ti­on die­ses Berei­ches abso­lut nicht ein, son­dern erschlägt gera­de­zu alles Umlie­gen­de. Zudem ver­schat­tet und über­frach­tet der ‚Mons­ter­bau‘ die Anlie­ger­ge­bäu­de total. Außer­dem stimm­te die Vor­stel­lung und Ver­öf­fent­li­chung des Bild­ma­te­ri­als der Pla­nung mit den Rea­li­tä­ten nicht über­ein, aber das nur am Ran­de.

Der Auto­ver­kehr in die­sem Bereich wür­de extrem zuneh­men und die Unfall­träch­tig­keit wür­de sich unan­nehm­bar erhö­hen. Von der Gefähr­dung der ansäs­si­gen Kin­der ganz zu schwei­gen. Der Beweis liegt in der Ver­gan­gen­heit, schon allei­ne nur durch den ehe­ma­li­gen Haas-Kom­plex kam es stän­dig zu Unfäl­len in die­sem Bereich.

Die Park­platz­si­tua­ti­on in die­sem Vier­tel wür­de völ­lig kol­la­bie­ren. Der­zeit benö­ti­gen die Anlie­ger, deren Besu­cher und in Haupt­sa­che die Besu­cher der zen­trums­na­hen Berei­che etwa 80 bis 100 Park­plät­ze. Der geplan­te ‚Mons­ter­bau‘ benö­tigt aber laut Pla­nung 200 Park­plät­ze und nur etwa 70 kön­nen durch das Mini­park­haus abge­fan­gen wer­den. Auch der ‚Ali­bi­park­platz‘ Töss­stra­ße / ehe­ma­li­ger Jung­hans-Park­platz ist kei­ne Lösung, da auch er die Fahr­zeu­ge nicht auf­neh­men kann und dort in der Zukunft alles ver­baut wer­den soll! Das heißt: auch hier kata­stro­phi­sche Ver­hält­nis­se.

Geplant, beschlos­sen und finan­ziert war bereits 2009 eine Park­platz- und Begrü­nungs­an­la­ge, die für das Gebiet ein Vor­zei­ge­ob­jekt gewor­den wäre. Aber dann hät­te man ja nicht ver­kau­fen und beto­nie­ren kön­nen! Die ‚Frei­bur­ger Stu­die 2020‘, zur Neu­ge­stal­tung für viel Geld sei­ner Zeit in Auf­trag gege­ben, wird völ­lig igno­riert. In die­ser wird wis­sen­schaft­lich klar und deut­lich belegt, dass man Schram­berg-Tal­stadt von sol­chen ‚Bau­sün­den‘, wie man sie jetzt schon wie­der plant, befrei­en muss und die hier­für offe­nen Grund­stü­cke in Park­plät­ze und Begrü­nung umwan­deln soll­te. Dies auch, damit die Autos mög­lichst von den Stra­ßen ver­schwin­den und das Stadt­bild und die Wohn­qua­li­tät an Attrak­ti­vi­tät erheb­lich gewin­nen. Anstatt des­sen will man mit ‚Schin­ders Gewalt‘ ein Grund­stück, für das man erheb­li­che För­de­run­gen erhielt, jetzt ver­scher­beln, ohne dar­an zu den­ken, dass man das in der Regel nur ein­mal tun kann. Die Fol­gen aber trägt man dann sehr lan­ge, und wahr­schein­lich muss man, wenn man dann sieht, was man ange­rich­tet hat, teu­er nach­bes­sern. Das nennt man dann einen ‚Sie­ben-Schwa­ben-Streich‘ mit schlimms­ten Fol­gen.

Die ärzt­li­che Ver­sor­gung in Schram­berg gilt laut den zustän­di­gen Stel­len als über­mä­ßig. Extre­me Pro­ble­me in der Zukunft haben hier eher die länd­li­chen Berei­che. Man weiß, dass gera­de der Bun­des­tag und die Poli­tik die ambu­lan­te Ver­sor­gung dezen­tra­li­sie­ren wol­len und wie­der mehr Land­ärz­te for­dern. Dies ist auch mitt­ler­wei­le die gesetz­li­che Marsch­rou­te der Zukunft. In die­ser Lage ver­sucht man nun, mit allen Tricks den Kom­merz­bau mit Ärz­ten voll zu bekom­men. Was will man also tun? Eine ähn­li­che Metho­de anwen­den, wie sie Heli­os mit dem Schram­ber­ger Kran­ken­haus ver­folgt hat. Oder ver­ein­facht gesagt, die in den umlie­gen­den Gemein­den vor­han­de­nen Pra­xen platt machen, damit man sie dann nach Schram­berg in die­ses zen­tra­li­sier­te Gebäu­de bekommt.

Die vor­han­de­nen Ärz­te sind in Schram­berg-Tal­stadt und den umlie­gen­den Gemein­den dezen­tra­li­siert und somit für die meis­ten Pati­en­ten räum­lich bes­tens auf­ge­stellt. Sie nun fak­tisch in die­ses Kon­zept zwin­gen zu wol­len, ist ein­fach nur als unfass­bar zu bezeich­nen. Von den Kos­ten und Risi­ken auf unter­neh­me­ri­scher Sei­te bei den Betrof­fe­nen ganz zu schwei­gen.

Die bestehen­den, Schram­ber­ger Inves­to­ren wer­den durch die­se Poli­tik eben­so nicht berück­sich­tigt, im Gegen­teil, da wer­den vie­le für einen geop­fert oder bes­ten­falls schwer benach­tei­ligt. Was ist mit den Haus­ei­gen­tü­mern, wel­che zum Teil jahr­zehn­te­lang Pra­xen, Apo­the­ken und Phy­sio­the­ra­peu­ten und wei­te­re Geschäfts­räu­me beher­berg­ten und so die Häu­ser und damit das Stadt­bild instand hiel­ten? Vie­len ist das viel­leicht noch gar nicht klar gewor­den, aber auch hier ist ordent­lich Spreng­stoff vor­han­den. Eben­so wie für Ärz­te, Phy­sio­the­ra­peu­ten, Apo­the­ken und ähn­li­che Ein­rich­tun­gen, wel­che im Eigen­tum gehal­ten wer­den und nun fak­tisch durch die­ses unmög­li­che Pro­jekt in Fra­ge gestellt wer­den.

Ein ‚Kran­ken­hauser­satz‘, wenigs­tens im Klei­nen und an der rich­ti­gen Stel­le, wäre den Schram­ber­gern doch wirk­lich wich­ti­ger und nicht solch ein Mons­ter­zen­tral­bau am fal­schen Platz mit unüber­seh­ba­ren Risi­ken und gro­ßen nach­hal­ti­gen Pro­ble­men. Der Stand­ort schließ­lich ist für ein solch gro­ßes Objekt ein­fach nicht geeig­net. Da kämen ganz ande­re Stand­or­te eher in Fra­ge, wenn man es denn grund­sätz­lich durch­set­zen woll­te, ohne Rück­sicht auf die Pro­ble­me und vor­ge­tra­ge­nen Argu­men­te. Man kann nur hof­fen, dass die Ver­ant­wort­li­chen in sich gehen und die­sen Mega­un­sinn begra­ben. Ansons­ten wird es wohl nach dem Kran­ken­haus­de­ba­kel ein neu­es geben.“

Hans-Jür­gen Kracht, Schram­berg