Nicht nur Rottweils Einzelhandel stirbt

Leser­brief zum Ein­zel­han­del in Rott­weil

Wer für den Kauf eines Fern­seh­ap­pa­ra­tes 500 Model­le zur Aus­wahl benö­tigt und wer froh ist, dass er an einer Bre­zel im Super­markt zehn Cent spart,  beim Kauf eines Autos aber ohne mit der Wim­per zu zucken für Alu­fel­gen 1500 Euro mehr aus­gibt, braucht sich nicht zu wun­dern, wenn der ört­li­che Ein­zel­han­del die Segel streicht.

Unser eige­nes Ver­brau­cher­ver­hal­ten ist schuld am Ster­ben der Innen­stadt­ge­schäf­te. Wir brau­chen min­des­tens 5 Schuh­ge­schäf­te um unter Tau­sen­den von Schu­hen ein Paar zu fin­den, das dann doch nicht rich­tig passt. Im Inter­net fin­den wir dann auch noch den iden­ti­schen Arti­kel fünf pro­zent güns­ti­ger . Dass hier noch Por­to und Ver­pa­ckung dazu­kom­men und unter Umstän­den der fal­sche Arti­kel gelie­fert wird, neh­men wir ger­ne in Kauf.

Auch den wei­ten Weg zur nächs­ten Mög­lich­keit, die Rück­sen­dung abzu­ge­ben. Scha­de, dass wir das Bera­tungs­ge­spräch und den Ken­ner­blick des Stamm­ver­käu­fers nicht mehr schät­zen, wo die Anpro­be einer Hose genügt, weil man gleich die rich­ti­ge Grö­ße gereicht bekommt. Durch den Erwerb im World-Wide-Web spa­ren wir zehn Euro am Schnell­koch­topf, erwar­ten aber vom ansäs­si­gen Händ­ler, dass er uns nach Jah­ren an die­sem kos­ten­los das Über­druck­ven­til aus­wech­selt.

Die ört­li­che Apo­the­ke bie­tet selbst­ver­ständ­lich Tag- und Nacht­dienst an, gepaart mit einem Auf­klä­rungs­ge­spräch über sämt­li­che Neben­wir­kun­gen und einer kom­plet­ten medi­zi­ni­schen Bera­tung, aber ansons­ten bestel­len wir die Medi­ka­men­te bei der preis­wer­ten Ver­sand­apo­the­ke. Wir kön­nen den Wert unse­rer eige­nen Arbeit nicht hoch genug ein­schät­zen, gön­nen dem ande­ren aber nicht ein­mal die But­ter auf dem Brot.

Wun­dern wir uns also nicht, wenn es eines Tages nur noch lang­wei­li­ge Fabrik­wurst gibt und wir im Erker sehn­süch­tig war­ten müs­sen, bis viel­leicht das Metz­ger- oder Bäcker­au­to durch die Gas­sen fährt, weil es in der Stadt kei­ne Läden mehr gibt.

Ralf Heng­ge, Zmmern