Plakate sind eigentlich überholt?

Leserbrief zu "Ende der Plakatflut?"

Plakate an der Oberndorfer Straße: Eine Bereicherung für die Stadt? Unser Leser Franz Maurer sieht es so. Foto: him

Der Ver­wal­tungs­aus­schuss des Schram­ber­ger Gemein­de­ra­tes hat sich mit der Pla­ka­tie­rung von Ver­an­stal­tun­gen im Schram­ber­ger Stadt­ge­biet befaßt. (Wir haben hier berich­tet.).Es ging dabei nicht um Pla­ka­te für poli­ti­sche Par­tei­en oder Grup­pie­run­gen. Dar­über will der Rat spä­ter bera­ten und dann ent­schei­den. Dazu hat uns fol­gen­der Leser­brief erreicht:

Der Vor­schlag von der Stadt­ver­wal­tung ist unde­mo­kra­tisch und wider­spricht jeg­li­chem Gleich­heits­ge­dan­ke. Aus­wär­ti­ge (Frem­de) aus­gren­zen und die Ein­hei­mi­schen schüt­zen. So etwas wird auf Bun­des­ebe­ne als frem­den­feind­lich bezeich­net. Genau auf die­sem Niveau befin­den wir uns hier.

Nach mei­nen Erfah­run­gen wer­den die klei­nen Pla­ka­te weni­ger vom Durch­gangs­ver­kehr wahr­ge­nom­men. Groß­pla­ka­te wir­ken hier viel bes­ser. Es sind vor allem die Bewoh­ner, Fuß­gän­ger und Fahr­zeu­ge im ste­hen­den Ver­kehr an Ampeln oder Stau­stra­ßen, die mit die­sen Pla­ka­ten ange­spro­chen wer­den. Gera­de die Obern­dor­fer Stra­ße eig­net sich des­halb ide­al zum Pla­ka­tie­ren.

Es ist noch nicht mal vier Wochen her, da haben „Wald­mös­sin­gen pul­siert“ Pla­ka­te den hal­ben Kreis zuge­pflas­tert. Man muss auch aus­wär­ti­gen Ver­ei­nen oder Ver­an­stal­tern gene­rell das Recht geben, in Schram­berg für ihre Sache zu wer­ben. Pla­ka­te sind nicht über­holt. Beson­ders im Wahl­kampf wer­den mit einem sol­chen Pla­ka­tier­ver­bot klei­ne Par­tei­en extrem benach­tei­ligt. Klei­ne Par­tei­en kön­nen sich kei­ne bezie­hungs­wei­se nur weni­ge Groß­pla­ka­te leis­ten und sind auf die Wer­bung an Stra­ßen­la­ter­nen ange­wie­sen.

Ich habe das sel­ber bei mei­nem Wahl­kampf 2015 erlebt. In Schen­ken­zell wur­de ich durch so eine Rege­lung extrem benach­tei­ligt. Ich durf­te nur an sehr unat­trak­ti­ven Stel­len mei­ne Pla­ka­te anbrin­gen und habe mich an die­se Regel gehal­ten. Die ande­ren Par­tei­en haben mit zum Teil aben­teu­er­li­chen Kon­struk­tio­nen die Bür­ger­stei­ge zuge­stellt und die Rege­lun­gen umgan­gen. Zusätz­lich wur­den dann noch mit Groß­pla­ka­ten an stra­te­gisch wich­ti­gen Stel­len Punk­te gesam­melt.

Auch in Rott­weil ging es mir nicht viel bes­ser. Den Par­tei­en war es wegen der his­to­ri­schen Alt­stadt ver­bo­ten, im Innen­stadt­be­reich Pla­ka­te auf­zu­hän­gen. Gleich­zei­tig galt die­se Rege­lung wohl für Ver­an­stal­tun­gen im Kraft­werk nicht? Die­se Ver­an­stal­ter durf­ten die Innen­stadt gren­zen­los zuhän­gen und nie­mand hat sich dar­an gestört. In Obern­dorf hat eine Par­tei gleich mal mit zwei Pla­ka­ten ¼ der Pla­kat­wand beschlag­nahmt. Ich konn­te mir zwar noch recht­zei­tig einen frei­en Platz auf dem Pla­kat­auf­stel­ler sichern, zwei Tage spä­ter war aber mein Pla­kat von einer lin­ken Par­tei über­deckt.

Da die gro­ßen Par­tei­en in den Gemein­den das sagen haben, wer­den die­se alles tun, um klei­ne Par­tei­en aus­zu­gren­zen und sich schon beim Pla­ka­tie­ren Vor­tei­le ver­schaf­fen. Kein Par­tei­mit­glied in den Gemein­de­ver­wal­tun­gen ist wirk­lich an einer gerech­ten Ver­tei­lung der Pla­kat­flä­chen inter­es­siert. Wie im rich­ti­gen Leben so läuft es auch beim Wahl­kampf. Es gibt vie­le ehr­li­che Ver­lie­rer und nur wenig ehr­li­che Gewin­ner.

Es ist schon sehr ent­täu­schend, dass nicht mal die Gemein­de­rä­te von ÖDP oder Freie Lis­te sich hier für die klei­nen Par­tei­en ein­ge­setzt haben. Gera­de klei­ne Par­tei­en soll­ten sol­che Rege­lun­gen nicht akzep­tie­ren und dage­gen kla­gen. Wer ent­schei­det, was gefällt und was weg muss? Schram­berg grenzt mit die­ser Rege­lung ganz bewusst aus­wär­ti­ge Ver­ei­ne oder Orga­ni­sa­tio­nen aus. Auch klei­ne Par­tei­en wer­den mit die­ser Rege­lung extrem benach­tei­ligt.

Am Wochen­en­de fei­er­te Schram­berg sich selbst beim Markt der Kul­tu­ren als welt­of­fe­nes, bun­tes FairTra­de Town. Bei den Pla­ka­ten grenzt man Aus­wär­ti­ge aus? Auch die Schram­ber­ger Ver­ei­ne wol­len viel­leicht mal in ande­ren Gemein­den Pla­ka­te auf­hän­gen. Wo kom­men wir hin, wenn jede Gemein­de im Umkreis die­sen Pro­tek­tio­nis­mus nach­macht?

Eine Stadt, die sol­che Rege­lun­gen ein­führt, ist sicher­lich nicht bunt. So eine Stadt ist maxi­mal schwarz-weiß!”

Franz Mau­rer, Schram­berg-Wald­mös­sin­gen