Rott­weil (red). Nach der Ein­woh­ner­ver­samm­lung zur geplan­ten Welt­re­kord-Hän­ge­brü­cke Rott­weil-Test­turm am gest­ri­gen Don­ners­tag­abend haben uns zwei Leser­brie­fe und ein Leser­kom­men­tar erreicht, die wir hier unge­kürzt wie­der­ge­ben.

Willkommen im Europapark Rottweil

Wie­der ein­mal muss sich im Rat­haus alles einem Ziel unter­ord­nen: ‚Um neue Ein­nah­me­quel­len zu erschlie­ßen‘, so war Herr Broß zu ver­ste­hen, soll jetzt die längs­te Hän­ge­brü­cke der Welt her. Die stö­rungs­freie Gedan­ken­ab­fol­ge geht so: 

Wir brau­chen mehr Geld -
Herr Eber­hardt will uns eine Brü­cke schen­ken -
Die wird vie­le Tou­ris­ten anlo­cken -
Die brin­gen viel Reno­mée in der Welt -
Das ’spült‘ Geld in die Stadt­kas­se.

Da wird mit pri­va­ten Inter­es­sen nicht zim­per­lich umge­gan­gen. Und wer all­ge­mei­ne Inter­es­sen berück­sich­tigt sehen will – was machen 300.000 Besu­cher pro Jahr mit dem Klein­od Innen­stadt und mit den Bewoh­nern auf mitt­le­re Sicht? (Stich­wor­te z. B. Bocks­hof, Koro­ko, Pre­di­ger­kir­che, Spi­tal­nut­zung, Gast­freund­lich­keit der Bür­ge­rIn­nen, Pro­vinz im Über­gang zur Gro­ßen Welt, Preis fürs Woh­nen) – wer sich um sol­che Din­ge sorgt, der ist eben nicht ganz in der Gegen­wart ange­kom­men.

Eine beson­de­re Ent­täu­schung, der neue Jurist in der Stadt­ver­wal­tung, Bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Ruf. Wenn er rich­tig zitiert wur­de, bei die­sem Pro­jekt sei ein Bür­ger­ent­scheid aus­ge­schlos­sen, so etwar­te ich doch eine umge­hen­de Kor­rek­tur; was beim Gefäng­nis mög­lich war, geht hier natür­lich auch! In bei­den Fäl­len han­delt es sich um Ein­grif­fe in die Land­schaft, bei der Brü­cke zusätz­lich in das Bild des geschütz­ten Ensem­bles Innen­stadt. Wenigs­tens der Jurist soll­te sich nicht der ein­di­men­sio­na­len Denk­wei­se sei­ner neu­en Wir­kungs­stät­te unter­wer­fen!

Ins­ge­samt aber: Dan­ke für die ein­füh­ren­de Lehr­stun­de in das linea­re Den­ken. Und
Will­kom­men im Euro­pa­park Rott­weil.

Bern­hard Pahl­mann, Rott­weil 

Warum keinen Bürgerentscheid zur Hängebrücke?

Die Stadt Rott­weil möch­te das Pro­jekt mit der Geneh­mi­gung eines Bau­ge­suchs abhan­deln. Begrün­dung: Es sind nur weni­ge Anlie­ger betrof­fen, mit denen gespro­chen wird. Alle Fach­be­hör­den sol­len ein­ge­schal­tet wer­den.

Dem ist zu ent­geg­nen, dass alle Rott­wei­ler Bür­ger betrof­fen sind. Sie haben die Las­ten zu tra­gen, die mit einem erheb­li­chen Besu­cher­an­sturm ein­her­ge­hen: Ver­stopf­te Ver­kehrs­we­ge, Abgas­be­läs­ti­gung wegen erhöh­tem Park­such­ver­kehr, Müll­pro­ble­me, Beschau­lich­keit und Idyl­le der Kern­stadt hat ein Ende.

Stim­me eines Ver­samm­lungs­teil­neh­mers: „Jeden Tag ein Nar­ren­sprung d’Stadt na und durchs Koro­ko“. Auch das Stadt­bild wird durch die Brü­cke beein­träch­tigt sein.

Es ist unbe­strit­ten, dass die Hän­ge­brü­cke wie auch der Test­turm Gewin­ner in Rott­weil haben wird: Gas­tro­no­mie, Hotellerie,Handel, Gewer­be, Frei­zeit­ein­rich­tun­gen. Die Stadt­ver­wal­tung Rott­weil möch­te viel, aber mög­lichst alles zum Null­ta­rif, wegen klam­mer Kas­se. Pri­va­te Inves­to­ren sol­len Brü­cke, Park­häu­ser, Hotels bezah­len. Wer macht sich Gedan­ken dar­über (außer Herr Zäh­rin­ger), dass Tou­ris­ten mit der Bahn anrei­sen könn­ten, etwa mit einem Ring­zug­halt „Stadt­mit­te“ im Bereich Näge­les­gra­ben mit Schräg­auf­zug zum Kriegs­damm und Ein­stieg Hän­ge­brü­cke.

Dadurch könn­te der Indi­vi­du­al­ver­kehr und die Park­platz­not redu­ziert wer­den. Las­sen Sie die Bür­ger ent­schei­den, lie­be Stadt­ver­wal­tung, Sie sind zu kurz gesprun­gen und haben noch Haus­auf­ga­ben.

Wer­ner Stoll, Rott­weil

Wurde das Fangnetz vergessen?

Eine Brü­cke mit einer siche­ren Fall­hö­he von 40 m für alle, denen der All­tag aufs Gemüt schlägt. Da dies in Rott­weil offen­sicht­lich nicht weni­ge übers Jahr hin­weg sind, wur­de an der Hoch­brü­cke für viel Geld ein Fang­netz instal­liert. Auf den Bil­dern der Hän­ge­brü­cke kann ich die­ses nir­gends erken­nen.

Ein beleuch­te­ter Hand­lauf in 1,35 m Höhe für den Über­schwung und den Rest erle­digt dann das Rat­haus, indem es die Frei­wil­li­gen der Feu­er­wehr mit Scha­ber und Spach­tel schickt.

Mit der Ein­tritts­kar­te, am Auto­ma­ten gelöst, ist der Weg frei. Ich weiß, es ist Maka­ber, was ich da schrei­be, aber lei­der Rea­li­tät. Ansons­ten hät­te es des Auf­wands an der Hoch­brü­cke und ande­ren Brü­cken in der nähe­ren Umge­bung nicht bedurft. Viel­leicht soll­ten sich Herr Broß und sei­ne Ver­wal­tung auch dar­über Gedan­ken machen, bevor sie voll­ends vom Pro­jekt getra­gen abhe­ben.

Leser „Rudi”, Rott­weil