So stellen sich die Planer das Freibad nach der Modernisierung vor. Grafik: Schick und Partner

(Leser­brief). Eine  Mischung aus Unwahr­hei­ten, Unwis­sen­heit und unbe­grün­de­ten Spe­ku­la­tio­nen fin­det sich im Leser­brief von Hans­mi­cha­el Marx. Als ehe­ma­li­ge Gemein­de­rä­tin möch­te ich das klar stel­len.

Gehen wir Marx‘ Behaup­tun­gen durch: Von Anfang an war klar, dass das Frei­bad in Ten­nen­bronn min­des­tens eine Sai­son geschlos­sen blei­ben muss. Anders als Herr Marx Glau­ben machen will, ist eine Bad­sa­nie­rung eben nicht eine Sache, die in einem (Winter-)Halbjahr erle­digt wäre. Allein der Pla­nungs- und Aus­schrei­bungs­pro­zess dau­ert etwa so lan­ge. Dann müs­sen die Stahl­wan­nen her­ge­stellt wer­den und es müs­sen die tech­ni­schen Anla­gen gebaut wer­den.

Die Schlie­ßung 2019  hat die Rats­mehr­heit beschlos­sen wegen des Risi­kos, dass das Bad aus tech­ni­schen Grün­den wäh­rend der Sai­son geschlos­sen wer­den muss, und um etwa 200.000 Euro zu spa­ren. Dass das Bad moder­ni­siert wird, ist ein­hel­li­ger Beschluss des Gemein­de­ra­tes.

Auch wenn das Schwimm­bad in Ten­nen­bronn geschlos­sen bleibt, das „bad­sch­nass“  ist geöff­net, wer schwim­men ler­nen will, kann das dort. Übri­gens: In der ver­gan­ge­nen Sai­son hat nicht eine ein­zi­ge Schul­klas­se das Frei­bad in Ten­nen­bronn besucht.

Die „grob ver­ein­fach­ten drei Bade­wan­nen“, von denen Herr Marx spricht, bezie­hen sich wohl auf den ers­ten Ent­wurf für die Freib­ad­mo­der­ni­sie­rung. Damals hat­ten die Pla­ner die Vor­ga­be des Rates zu erfül­len, die Gren­ze von 3,4 Mil­lio­nen Euro nicht zu über­schrei­ten. Für die­se Sum­me wären eben nur klei­ne­re Becken mög­lich gewe­sen, von Bade­wan­nen zu spre­chen ist – freund­lich aus­ge­drückt –  grob ver­ein­fa­chend. Die aktu­el­le Pla­nung sieht Kos­ten von 5,2 Mil­lio­nen Euro vor mit ent­spre­chend grö­ße­ren Becken.

Die Behaup­tung, kaum jemand wis­se, was die Lan­des­gar­ten­schau­be­wer­bung gekos­tet habe, zeigt nur eines: Herr Marx hat sich nicht infor­miert. In der letz­ten Sit­zung vor den Som­mer­fe­ri­en am 19. Juli hat der Gemein­de­rat über die Bewer­bung dis­ku­tiert, und Fach­be­reichs­lei­ter Rudolf Mager nann­te die Zahl 143.000 Euro. Geplant waren ursprüng­lich 90.000 Euro. Freie Lis­te Stadt­rat Udo Neu­deck erklär­te in der Sit­zung, die Bewer­bung sei „jeden Cent wert“ gewe­sen.

Auch die von Marx wie­der­hol­te Behaup­tung, die Lan­des­gar­ten­schau­be­wer­bung sei von vorn­her­ein unsin­nig gewe­sen, weil „es geht nicht“, hat  in der­sel­ben Sit­zung Mager ad absur­dum geführt: Der Lei­ter der Bewer­tungs­kom­mis­si­on Marc Calm­bach habe aus­drück­lich bestä­tigt, dass „die for­mel­len Vor­aus­set­zun­gen für die Bewer­bung erfüllt“ waren. Bei­des nach­zu­le­sen in der NRWZ online vom 20. Juli 2018 oder im Schwarz­wäl­der Boten vom 22. Juli 2018

Völ­lig aus der Luft gegrif­fen ist Marx‘ Behaup­tung, die Frem­den­ver­kehrs­ab­ga­be könn­te erhöht wer­den. Weder bei den Haus­halts­plan­be­ra­tun­gen noch sonst wur­de ein sol­cher Vor­schlag gemacht. Und was den Wohn­mo­bil­stell­platz angeht – dazu gibt es einen Vor­schlag der Stadt­ver­wal­tung. Nach einem aus­führ­li­chen Such­lauf in der Tal­stadt kam die Ver­wal­tung auf den Stand­ort H.A.U.. Dage­gen führ­ten eini­ge Räte trif­ti­ge Gegen­ar­gu­men­te an. Beschlos­sen ist noch gar nichts.

Am Ende des Brie­fes ange­langt, fra­ge ich mich: Ist eine Zei­tung wirk­lich ver­pflich­tet, alles abzu­dru­cken, nur weil jemand „Leser­brief“ drü­ber schreibt?

Rena­te Much,  Schram­berg