Beschriftung auf der Seite des Zugwagens der Sulgener Obernarren beim Fasnetsumzug am Fasnetsmontag. Foto: Werner Klank

End­lich weiß ich, was ich seit Jah­ren beim Fas­nets­um­zug in Schram­berg ver­misst habe! Dank den fin­di­gen Leu­ten von der Auto­han­dels­fir­ma AHG wur­de es mir klar. Ste­hen da doch tau­sen­de Leu­te, oder bes­ser poten­ti­el­le Kun­den, an der Stra­ße und schau­en dem när­ri­schen Trei­ben zu, nur so zum Spaß! Eigent­lich völ­lig nutz­los!  Die­se Zeit lie­ße sich doch sicher weni­ger nutz­los ver­brin­gen, sag­ten sich die Leu­te von der AHG in Sul­gen. Sie ver­kau­fen Autos der geho­be­nen Klas­se und frag­ten bei den Ober­nar­ren auf dem Sul­gen nach, ob sie denn nicht mit „einem super Kar­ren“ dem „Krat­ten­ma­cher sei­ne Ober­nar­ren“  durch den Umzug zie­hen dürf­ten!

Die Ober­nar­ren waren begeis­tert, und so fuhr denn auch beim Umzug in Schram­berg-Tal jener „super Kar­ren“ die Ober­nar­ren des Sul­gens durch Schram­berg. So wur­den zwei Flie­gen mit einer Klap­pe geschla­gen: Die Leu­te, oder bes­ser die poten­ti­el­len Kun­den sahen den Umzug mit den Sul­ge­ner Ober­nar­ren, und ihnen wur­de auch noch der „super Kar­ren“ gezeigt.

Die Idee der flei­ßi­gen Leu­te von der AHG Sul­gen ist aus­bau­fä­hig: Dem Nar­ro könn­te man ja sicher ein Hörn­chen mit dem Modell eines klei­nen Schalt­krei­ses oder ähn­li­chem einer Schram­ber­ger Fir­ma behän­gen (nur an einem Hörn­chen, wegen der Brauch­tums­pfle­ge!). Oder: Die Son­nen­uhr auf dem Hin­tern der Han­sel könn­te zum Bei­spiel einer Wer­bung für Klo­pa­pier wei­chen (es weiß ja eh jeder, wie eine Son­nen­uhr aus­sieht und Jung­hans pro­du­ziert ja kei­ne Son­nen­uh­ren!).

Viel­leicht könn­te man auch einen begab­ten Musi­ker gewin­nen, der ein paar Pro­dukt­na­men in Nar­ren­marsch oder „Bach­na­fah­rer Lied“ hin­ein­kom­po­niert. Aller­dings, der Sul­ge­ner Nar­ren­marsch müss­te schon stark ver­än­dert wer­den, denn jetzt hat der Krat­ten­ma­cher ja „kein Pfen­nig Geld im Sack, hot kein ein­zig Gul­da, dr Buckel vol­ler Schul­da“. Taugt also nicht so rich­tig zum Kon­su­men­ten von „super Kar­ren“ Die Ober­nar­ren wer­den sicher Ver­ständ­nis haben, dass ihr Nar­ren­marsch etwas ver­än­dert wer­den muss.

Aber wir kön­nen ruhig abwar­ten, die Leu­te von AHG haben ja jetzt den Anfang gemacht; so wird nach ein paar Fas­ne­ten aus der ledig­lich schö­nen Fas­net end­lich eine nütz­li­che Fas­net! Schließ­lich muss auch die Fas­net mit der Zeit gehen. Die Ober­nar­ren des Sul­gens haben’s wohl als ers­te begrif­fen.

Ich will aber zum Schluss den Spaß bei­sei­tel­as­sen, dazu ist mir der Hin­ter­grund der Bemü­hun­gen der Wer­be­leu­te zu ernst. Ich bin begeis­ter­ter Schram­ber­ger Fas­nets­gän­ger und ich find’s schlicht­weg zum Kot­zen, wenn Leu­te, die was ver­kau­fen wol­len, zusam­men mit „Ober­nar­ren“ jetzt auch noch in Schram­berg damit anfan­gen, die Fas­net für Wer­bung zu nut­zen.

Dr. Wer­ner Klank, Schram­berg