Lan­des­garten­schau? Ist mir wurscht. Ich per­sön­lich finde schon heute genü­gend Wiesen und Bäume, um mich auszu­to­ben und zu erle­ichtern, das kann so bleiben. Bloß: Mein Her­rchen wirkt zulet­zt ziem­lich unzufrieden. Und ist ander­er­seits ange­fixt von ein­er Idee: Er will die Lan­des­garten­schau 2028 in Rot­tweil haben, das hat er mir erzählt. Und ich bin auf ihn angewiesen. Also unter­stütze ich ihn halt.

Höher und weit­er, diese Garten­schau-Mot­tos? Braucht kein Hund. Ich schon gar nicht. Ich bin bere­its der Schön­ste, Süßeste, Fein­ste, das sagen Her­rchen und Frauchen jeden Tag, wer will da der Höch­ste und der Weiteste sein? Oder noch weniger als das? Blödsinn.

Grün­er. Der oder die Grün­ste. Das gefällt mir schon bess­er. Ein guter Ansatz für die geplante Lan­des­garten­schau, sagt auch mein Her­rchen. Er hat mir erk­lärt, dass, wenn das Pro­jekt kommt, Rot­tweil viel grün­er wer­den würde. Dass ich mehr Bäume fände. Gut so!

Ich muss sagen, dass ich bis­lang mit Rot­tweil ja ziem­lich zufrieden bin. Wir, Her­rchen und ich, starten immer im Johannserort. Dort muss ich mich noch beherrschen, aber im Stadt­graben darf ich mich aus­to­ben. Da spaziert meist kein Men­sch, dort liegt Hun­de­haufen neben Hun­de­haufen, auf meinen kommt’s also nicht mehr an. Ich kann volle Lotte in der Gegend herumpinkeln. Her­rchen checkt solange sein Handy.

Geil, erlauben Sie mir bitte die Aus­druck­sweise, ist auch die enge, dun­kle Unter­führung unter den Bah­n­gleisen hin­durch. Die Verbindung zwis­chen Stadt­graben und Neckar. Dort stinkt’s der­maßen scharf nach allen möglichen Noten von Urin, da machen ganze Pferde hin, meine Nase und ich lieben das. Her­rchen sagt immer, dass ihm eine Brücke über die Gleise viel lieber wäre. Ver­ste­he ich nicht.

Er sagt auch, dass die Stadtver­wal­tung für die Lan­des­garten­schau ent­lang des Neckars einen Park schaf­fen möchte. Er malt das in den schön­sten Far­ben. „Neckarstrand” – klingt wun­der­bar, bin auf jeden Fall dabei, ich flaniere und schwimme gerne. Ange­blich sollen dort Cafés entste­hen oder sowas. Klasse! Dann gehen Her­rchen und Frauchen sich­er öfter mit mir dor­thin.

Weit­er auf den Lan­gen Berg, Her­rchen blüht auf, steckt sein Handy weg. Bis zum Lin­sen­berg­wei­her gehen wir manch­mal, meist aber im Bogen rüber zur alten B27. 10.000 Schritte geschafft zu haben, meldet ihm seine App, ich kriege ein Lob und wir sind hap­py.
Ok, da sind ein paar Ein­schränkun­gen: Der Spazier­gang ent­lang der alten B27 ist Mist.

Her­rchen behält mich dort genau im Blick, kom­mandiert mich rum, weil er wegen der Autos und Lkws um mein Leben fürchtet. Es ist dort nicht sehr gemütlich. Her­rchen meck­ert oft auch auf dem Weg in den Stadt­graben, ins Neckar­tal, in die Au, zu den Bah­n­gleisen – für ihn seien die Wege schlecht zu gehen, in miesem Zus­tand, ungepflegt, sagt er. Mir wurscht, hab’ vier Beine. Aber ein gut gelauntes Her­rchen ist mir recht wichtig. Schließlich füt­tert mich der Kerl.

Klasse finde ich den kleinen Park rund um den Hochturm. Doch bis wir den vom Büro in der Haupt­straße aus erre­ichen – Her­rchen bleibt gerne ste­hen und redet hier und da mit irgendwelchen anderen Zweibein­ern, inter­essiert sich Null dafür, dass meine Blase fast platzt. Also: Toll wäre das schon, wenn wir aus der Innen­stadt raus einen Grüngür­tel ent­lang laufen kön­nten. Mit lauter bepullerten Bäu­men – hmm, leck­er!

Eine andere Lieblingsstrecke von uns führt vom Stadt­graben rauf zum Roßwasen. Dort woll­ten sie Hän­gende Gärten anle­gen, erzählte mir Her­rchen. Die haben sie wohl nicht alle, wer braucht sowas? Klingt nach Anlage, und in Anla­gen darf ich nie herum­tollen. Doch egal – wenn es Her­rchen glück­lich macht …

Was mir aber eben­falls echt fehlt, und was sie auch bauen wollen, ist eine Verbindung von der Dreherschen Müh­le zum neuen Neckar­tal. Großar­tig! Das klingt nach einem Rundweg, nach ein­er Extrarunde, die Her­rchen und ich gehen kön­nen, wenn ich ihm große Augen mache. Das klingt nach ein­er weit­eren Stelle für aus­gedehn­ten Badespaß. Da hätte ich Bock drauf! Genau­so auf die neuen Wege Rich­tung Alt­stadt. Das ist zurzeit doch arg trist, selb­st für mich.

Und wenn sie wirk­lich das ENRW-Gelände unterm Viadukt platt machen, einen Park und weit­ere Rundwege anle­gen – ich denke, wir wären woch­enends noch öfter draußen.
Was mir wiederum vol­lkom­men piepe­gal ist: die Idee vom autonomen Fahren und dem Aus­bau des Nahverkehrs. Darf ich eh nicht dran teil­nehmen. Macht, was ihr wollt, aber pflanzt neue Bäume.

Wie gesagt: Rot­tweil gefällt mir an sich so, wie es ist. Pinkel­wege und Kack­wiesen, lassen Sie mich das so nen­nen, sind zur Genüge vorhan­den. Doch fühlt sich Her­rchen da nicht so richtig wohl. Und ich möchte, dass es Her­rchen gut geht.

Deshalb: Nen­nt die Lan­des­garten­schau-Pläne ruhig „Erhalt, Aufw­er­tung und nach­haltige Sicherung ökol­o­gisch wertvoller Flächen in Rot­tweil.” Das klingt für mich nach mehr und schönerem Grün. Da bin ich dabei. Haut rein, viel Glück bei der Bewer­bung!

Jasper Jaspers­son, Redak­tion­shund