Besenwirte aus Überzeugung und Organisatoren mit Erfahrung: Rainer Prinzing, Rainer Thieringer und Jürgen Sigrist (von links). Fotos: pm

Wer ein­mal an einer Fas­net in Rott­weil in einer der zahl­rei­chen Besen­wirt­schaf­ten gear­bei­tet hat, weiß, dass allein schon die Geträn­ke­be­stel­lung eine logis­ti­sche Her­aus­for­de­rung der beson­de­ren Art dar­stellt: Nichts Schlim­me­res als die Vor­stel­lung, der Weiß­wein für das Lieb­lings­ge­tränk vie­ler Nar­ren könn­te aus­ge­hen …

Dass die Pla­nun­gen vie­ler Besen­wir­te für den Nar­ren­tag, bei dem beson­ders vie­le Besu­cher in der Stadt sein wer­den, bereits jetzt schon in eine hei­ße Pha­se ein­ge­tre­ten sind, ver­wun­dert kei­nes­falls: Das The­ma Gast­freund­schaft steht bei ihnen schließ­lich ganz oben auf der Tages­ord­nung, heißt es in einem Vor­be­richt der Rott­wei­ler Nar­ren­zunft.

Wild­frem­de Men­schen in das eige­ne Haus, in die eige­nen Räu­me, die man zuvor lie­be­voll und oft mit viel Auf­wand her­ge­rich­tet hat, her­ein­zu­las­sen, ist genau das Beson­de­re, was Rott­weil an der Fas­net und auch jetzt am Nar­ren­tag aus­zeich­net“, betont Rai­ner Prin­zing. Selbst­ver­ständ­lich sei dies aber auch von Sei­ten der Stadt nicht, erklärt er. So sei es ein Ent­ge­gen­kom­men der so genann­ten Obrig­keit, über­haupt Besen­wirt­schaf­ten zu erlau­ben. „In benach­bar­ten Städ­ten geneh­mi­gen die das nicht“, so Prin­zing. Sein „Schwar­zes Lamm“ gibt es – einen Kat­zen­sprung vom ehe­ma­li­gen Hotel Lamm ent­fernt – bereits seit 2010: „Ohne die rund 50 ehren­amt­li­chen Hel­fer, die jedes Jahr mit am Start sind, wäre das aller­dings nicht mög­lich gewe­sen. Wir spen­den den Gewinn stets für einen guten Zweck.“

Wenn Prin­zing hin­ter der lan­gen, schwarz ver­klei­de­ten The­ke steht und zufrie­den strahlt, dann weiß man auch, was die Fas­zi­na­ti­on aus­macht, einen eige­nen Besen zu betrei­ben: „Wir sind eben Tag und Nacht eine Anlauf­sta­ti­on für einen rie­si­gen Freun­des­kreis, der wie­der­um gute Freun­de mit­bringt“, sagt Prin­zing und grinst. Am Nar­ren­tag wer­de das nicht anders sein. Für sei­nen Besen hat er des­halb längst eigens Toi­let­ten ein­bau­en las­sen. Mehr Gast­freund­schaft geht kaum – auch sein selbst gebrau­tes Bier ist längst über die Stadt­mau­ern hin­aus bekannt gewor­den. Dass auch der ehe­ma­li­ge Lamm-Wirt Ber­told Rapp am Fas­nets­frei­tag für die übrig geblie­be­nen Schmot­zi­gen­grup­pen sowie für ande­re Gäs­te Lin­sen und Spätz­le koche, habe inzwi­schen Tra­di­ti­on. „Schließ­lich ist unser Name damals aus einer Schnaps­idee her­aus gebo­ren wor­den“, erin­nert sich Prin­zing. „Wir woll­ten Ber­tolt ein­fach ein wenig fop­pen.“

Wenn es um die Logis­tik geht, sind auch Jür­gen Sig­rist und sein Team von der Turn­ge­mein­de Rott­weil-Alt­stadt jetzt schon gefragt: „Die Würst­chen­men­gen haben wir jetzt schon bei regio­na­len Anbie­tern geor­dert.“ Auch wenn die TGA kei­nen klas­si­schen Besen, son­dern einen Stand vor der Volks­bank betreibt, weiß Sig­rist bereits heu­te, dass der Nar­ren­tag eine ande­re Haus­num­mer wird als eine rei­ne Rott­wei­ler Fas­net. „Gro­ße Men­schen­men­gen erschüt­tern uns aber nicht“, betont Sig­rist. „Wir wir­ten an jedem Spiel­tag und gro­ßen Per­so­nen­an­drang sind wir auch vom Public Viewing gewohnt.“ Wenn’s läuft, dann läuft’s, lau­tet des­halb auch sein Cre­do.

Damit die TGA den­noch nicht ins Rotie­ren kom­me, habe man schon jetzt meh­re­re Schich­ten geplant, die zudem mit mehr Hel­fern besetzt sei­en als sonst. „Der Nar­ren­tag kann kom­men, auch wenn wir den genau­en Ablauft noch gar nicht ken­nen.“ Und damit das Wet­ter ihnen kei­nen Strich durch die Rech­nung mache, habe man bereits bei der Stadt eines der Holz­häus­chen reser­viert: „Die dies­jäh­ri­ge Fas­net war für uns mit dem Schmud­del­wet­ter nicht so pri­ckelnd“, gesteht er. „Jetzt wür­de es uns nur noch hel­fen, wenn wir das Häus­chen danach auch noch ste­hen las­sen dür­fen bis zur eigent­li­chen Fas­net.“

An der eigent­li­chen Fas­net geht Rai­ner Thier­in­ger hin­ge­gen lie­ber selbst nar­ren, nur an den Nar­ren­ta­gen wird Thier­in­ger gemein­sam mit sechs Freun­den zum Besen­wirt aus tiefs­ter Über­zeu­gung. Vor 24 Jah­ren waren die sie­ben Män­ner als Gauk­ler­grup­pe „Schall und Rauch“ zum Nar­ren­tag nach Über­lin­gen gelau­fen, zehn Jah­re spä­ter gab’s schließ­lich den ers­ten Besen „Zum Schalk­s­narr“ beim Nar­ren­tag in Rott­weil, damals im ehe­ma­li­gen Gast­haus „Zum Mar­der“. „Wir muss­ten den gesam­ten Raum tage­lang erst ein­mal aus­räu­men, um ihn dann ent­spre­chend deko­rie­ren und aus­stat­ten zu kön­nen“, erzählt Thier­in­ger. Dass sich die Mühen gelohnt haben, zeigt die nun vier­te Auf­la­ge „Zum Schalk­s­narr“ – auch wenn noch nicht ganz sicher ist, wo das Team die­ses Mal sei­ne Zel­te auf­schla­gen wird. „Wir haben das Ange­bot, in die Tief­ga­ra­ge des Rott­wei­ler Rat­hau­ses zu gehen, sind aber auch noch an ande­ren Loca­ti­ons dran“, ver­rät Thier­in­ger. Die Tief­ga­ra­ge habe den Vor­teil, dass man dort ein eige­nes Schuttig-Zim­mer ein­rich­ten kön­ne, sei aber ins­ge­samt nicht so hei­me­lig. Raum-Ange­bo­te neh­me das Team des­halb noch ger­ne ent­ge­gen, so Thier­in­ger.

Am eigent­li­chen Kon­zept wer­de hin­ge­gen nicht gerüt­telt: Am Frei­tag­abend star­te man mit Live-Musik, am Sams­tag lege stets ein DJ auf und auch am Sonn­tag habe der „Schalk­s­narrr IV“ bis zum Schluss geöff­net. „Das ist jedes Mal ein rie­si­ger Spaß und gro­ßer Erfolg“, betont Thier­in­ger, nicht ohne zu erwäh­nen, dass dies nur mit der tat­kräf­ti­gen Unter­stüt­zung von Fami­li­en­mit­glie­dern und Freun­den zu stem­men sei. Da es 2017 aber wie­der ein­mal ein „Heim­spiel“ wer­de, erhö­he das den Reiz alle­mal.

Und schließ­lich habe man auch beim Geträn­ke-Ordern längst dazu gelernt: „Als wir beim ers­ten Mal bei den Braue­rei­en bestellt hat­ten, haben die uns schlicht aus­ge­lacht und pro­phe­zeit, dass uns die Men­ge aller­höchs­tens ein paar Stun­den rei­chen wür­de“, erin­nert sich Thier­in­ger und lacht. „Wir wur­den aber noch am sel­ben Abend nach­be­lie­fert.“

Mit den ers­ten Vor­be­rei­tun­gen für den kom­men­den Nar­ren­tag haben Thier­in­ger und sei­ne ehe­ma­li­ge Gauk­ler­trup­pe bereits im Herbst 2015 begon­nen. „Es steckt eben mehr Arbeit dahin­ter, als man das von außen betrach­tet sehen kann.“ Eine beson­de­re Moti­va­ti­on haben sich die sie­ben Män­ner des­halb selbst aus­ge­dacht: „Es wird einen Män­ner­aus­flug geben, mit einem Haus­boot in Irland.“

Der Löwen­an­teil des Gewinns wer­de aller­dings eben­falls für gemein­nüt­zi­ge Zwe­cke gespen­det.