Kei­ne zwei Wochen sind es mehr bis zum Nar­ren­tag. Auf Hoch­tou­ren lau­fen daher die Vor­be­rei­tun­gen für die gran­dio­sen Kul­tur-Ange­bo­te, die unter dem Label „Vier­falt“ das bun­te Trei­ben krea­tiv flan­kie­ren. Am Sams­tag etwa zog die Schnitz­werk­statt Erich Hau­sers in die Nar­ren­stu­be im Stadt­mu­se­um ein.

Es ist einer der „Orts­wech­sel“, die bei „Vier­falt“ aus­pro­biert wer­den: Durch ein Ver­än­de­rung des Kon­tex­tes soll „Altes in neu­em Licht“ prä­sen­tiert und damit anders erleb­bar wer­den.

Einige Ortswechsel

Die illus­tre Schar von Nar­ren, die sonst die fas­nets­lo­se Zeit viel­be­staunt im Her­der­schen Haus ver­brin­gen, ist daher  vor­über­ge­hend aus­ge­zo­gen. Ihren pro­mi­nen­ten Platz in der Vitri­ne der Nar­ren­stu­be neh­men seit Sams­tag die Schnitz-Werk­zeu­ge Erich Hau­sers ein, die sonst auf der Sali­ne lagern. Was er damit schuf, ist eben­falls zu bestau­nen: Um die 20 Lar­ven von sei­ner Hand – von pral­len Dun­nin­ger Holz­äp­feln, die er einst erson­nen hat, bis zu einer kan­ti­gen Por­traitlar­ve, die unver­kenn­bar Hau­sers Züge trägt.

Im Gegen­zug wer­den die his­to­ri­schen Kleid­le aus der Nar­ren­stu­be ins moder­ne Licht des Domi­ni­ka­ner­mu­se­um gerückt. Die­ser Orts­wech­sel ist mit eini­gem Restau­ra­ti­ons-Auf­wand ver­bun­den – den Kleid­le tut der­lei kon­ser­va­to­ri­sche Pfle­ge alle­mal gut. Trotz der zeit­ge­nös­si­schen Archi­tek­tur wird die Atmo­sphä­re für die Nar­ren im Exil übri­gens kei­nes­falls funk­tio­nal oder gar kühl: Die Gäs­te wer­den kom­plett gerahmt von alten Fas­nets-Post­kar­ten – allein das zieht Bli­cke auf sich.

Reger Betrieb

Reger Betrieb herrsch­te am Sams­tag nicht nur im Stadt­mu­se­um, son­dern auch im Haus der Nar­ren­zunft. Bereits seit Wochen wird ein wah­rer Schatz von über 60 sorg­sam aus­ge­wähl­ten Nar­ren­bü­cher und Hand­he­be­ten zur Prä­sen­ta­ti­on in Schau­fens­tern von Rott­wei­ler Geschäf­ten in Sze­ne gesetzt: Ein zeit­in­ten­si­ves Geschäft, dem sich am Sams­tag Mar­kus Schell­horn, Han­si Busch, Hel­mut Klei­ter, Uli Hezin­ger und Wer­ner Graf wid­me­ten – letz­te­rer hat vie­le der trick­rei­chen Hand­he­be­ten selbst aus­ge­tüf­telt.

Sie dra­pier­ten die bis in die 1930er Jah­re zurück­rei­chen­den Nar­ren­bü­cher und wei­te­ren Uten­si­li­en geschmack­voll in schwarz-gel­ben Rah­men – jedes ein klei­nes anspie­lungs­rei­ches Ensem­ble. Über­dies wird jeweils ein Bezug zu jewei­li­gen Gast­ort her­ge­stellt. Ein Sani­täts­haus etwa bekommt eine Illus­tra­ti­on mit fach­ge­recht ver­bun­de­nem wehem Fin­ger und bei Foto­graf Ralf Gra­ner wird eine Sze­ne mit einer Fern­seh-Kame­ra gezeigt. Eini­ge der Arran­ge­ments haben bereits ihren Platz in der Stadt gefun­den, wei­te­re fol­gen im Lauf der nächs­ten Tage – Schil­der an den Schau­fens­tern wei­sen dar­auf hin.

Fix und fer­tig ist man (weil Fotos für den Kata­log gemacht wer­den muss­ten) bereits im Forum Kunst. Schon seit eini­gen Tagen steht dort der sechs Meter hohe, monu­men­ta­le „Lar­ven­turm“. Er prä­sen­tiert sen­sa­tio­nel­le 272 Arbei­ten des Fri­din­ger Bild­hau­ers Wil­li Bucher im bes­ten Licht des Bür­ger­saals. Alle­samt sind es Uni­ka­te, gefer­tigt nicht aus füg­sa­mer Lin­de, wie meist bei Mas­ken, son­dern aus knor­ri­gem Eichen­holz. Bucher gewinnt es, indem er beim Abriss alter Häu­ser Bal­ken sam­melt. Und nicht nur die: Die Lar­ven sind gespickt mit aller­lei Fund­stü­cken: Hier wird eine ver­dreh­te Feder zum Schnurr­bart, dort ein Leder­lap­pen zur schnodd­ri­gen „Gosch“.

Es gibt also jede Men­ge zu ent­de­cken, bei den Aktio­nen der „Vier­falt“. Es spricht viel dafür, dass den Koope­ra­ti­ons­part­nern Stadt, Nar­ren­zunft, Forum Kunst und Kunst­stif­tung Erich Hau­ser mit „Vier­falt“ ein gro­ßer Coup gelingt.