Der Rott­wei­ler Nar­ren­tag 2017 ist Geschich­te. Die Freun­de aus Elzach, Über­lin­gen und Obern­dorf sind abge­reist. Das Tref­fen des Vie­rer­bun­des lebt allen­falls noch fort in der Erin­ne­rung der 40.000 Besu­cher und der 4000 Nar­ren und Musi­ker. Ist dort, in die­ser Erin­ne­rung, aber wohl far­big und leben­dig – denn er trägt das Prä­di­kat „rund­um gelun­gen.” So ist die Poli­zei zufrie­den mit dem Ver­lauf, die Nar­ren­zunft ist es auch. Und Prof. Wer­ner Mez­ger, der Fas­nets­papst ist es eben­falls.

Mez­ger – Ger­ma­nist und Volks­kund­ler, bekannt aus Funk und Fern­se­hen als lau­ni­ger Kom­men­ta­tor des tra­di­ti­ons­be­wuss­ten Trei­bens an den hohen Fei­er­ta­gen und zuvor – klin­gel­te direkt bei der Zunft durch. Bei Prof. Frank Huber, dem Zunftschrei­ber und Öffent­lich­keits­ar­bei­ter. Mez­ger woll­te sich offen­bar bedan­ken bei den Orga­ni­sa­to­ren des „Narra­dags” in sei­ner Hei­mat­stadt.

Wunderschön, sensationell, phänomenal, schlichtweg überwältigend”

Gera­de rief mit Wer­ner Mez­ger ein Ken­ner der Fas­net an”, berich­tet ein fröh­li­cher und erleich­ter­ter Frank Huber am Mon­tag nach dem Groß­ereig­nis auf Nach­fra­ge der NRWZ. Mez­ger hab sich für die Orga­ni­sa­ti­on des „wun­der­schö­nen Nar­ren­ta­ges” bedankt, sagt Huber wei­ter. „Und er ist kein Ein­zel­fall.” Bereits am Sonn­tag hät­ten zahl­rei­che Aus­schuss­mit­glie­der Schul­ter­klop­fen, Umar­mun­gen und Dank­sa­gun­gen erhal­ten „für die­sen sen­sa­tio­nel­len Nar­ren­tag”, stei­gert Huber wei­ter. Und noch wei­ter: „phä­no­me­na­ler Nar­ren­tag”, das Zunft-Vor­stands­mit­glied traut sich, gro­ßes Lob für sei­ne Kol­le­gen und sich aus­zu­spre­chen. Da mag eine gehö­ri­ge Por­ti­on Erleich­te­rung mit­schwin­gen.

Das Lob gilt laut Huber aber für alle am Nar­ren­tag Betei­lig­ten. Die­se ver­sucht er an die­sem Diens­tag, auf­zu­lis­ten. Die Lis­te wird wohl lang wer­den.

Die vier Jah­re Vor­be­rei­tung hät­ten sich aus­ge­zahlt, so Huber wei­ter. „Wir bereu­en kei­ne Minu­te in der Vor­be­rei­tung, weil das Resul­tat schlicht­weg über­wäl­ti­gend war.”

Warten auf das Einpendeln des Chemiehaushalts

Das Kon­zept der Nar­ren­zunft, den Nar­ren­tag unter das Mot­to „Der Vier­bund zu Gast bei Freun­den” zu set­zen, sei auf­ge­gan­gen. „Freund­schaft, Fami­li­en­fest, Lei­den­schaft waren die zen­tra­len The­men, die in den Mit­tel­punkt gestellt wur­den und auch rüber­ka­men”, ist sich Huber sicher. „Die Stim­mung in der Stadt war so unglaub­lich fröh­lich, aus­ge­las­sen, herz­lich und beseelt, wie man es selbst an einer Fas­net nicht erlebt”, sagt er. Und: „Ganz ver­ste­hen, was hier geleis­tet wur­de und was wir alles erlebt haben, wer­den wir das erst in ein paar Tagen, wenn der Che­mie­haus­halt jedes Ein­zel­nen von uns sich wie­der ein­ge­pen­delt hat.”

Auch die Polizei ist zufrieden

40.000 Zuschau­er, 4000 Nar­ren – das muss eine Klein­stadt wie Rott­weil erst­mal ver­kraf­ten. Natür­lich bedeu­tet das auch etwa ein Feld­bet­ten-Mas­sen­la­ger in einem Auto­haus auf der Sali­ne, wo Schla­fen anders­wo gemüt­li­cher sein könn­te. Aber etwa in Über­lin­gen gab es sei­ner­zeit die Mas­sen­quar­tie­re eben­falls. Zumal ein Narr nicht all­zu viel Schlaf braucht.

Die­se Zah­len stim­men, mit der Zahl der Besen­wirt­schaf­ten ist die Poli­zei in ihrer am Mon­tag ver­sand­ten Nar­ren­tags-Nach­le­se nicht ganz auf der Höhe. Sie berich­tet von 70. 96 waren es, inklu­si­ve der geöff­ne­ten Knei­pen und Cafés.

Diszipliniertes Verhalten der Feiernden

Stress hat­ten die Beam­ten offen­bar ver­hält­nis­mä­ßig wenig. Der Nar­ren­tag „ist im Gro­ßen und Gan­zen rei­bungs­los ver­lau­fen”, so Har­ri Frank vom Poli­zei­prä­si­di­um Tutt­lin­gen. Ange­sichts der Viel­zahl an Besu­chern und der vie­len Besen­wirt­schaf­ten kön­ne man von einem posi­ti­ven und dis­zi­pli­nier­ten Ver­hal­ten der Fei­ern­den spre­chen. Ins­ge­samt habe die Poli­zei fünf Platz­ver­wei­se aus­spre­chen müs­sen, jeweils nach began­ge­nen Kör­per­ver­let­zun­gen, bezie­hungs­wei­se Ver­stö­ßen gegen das Betäu­bungs­mit­tel­ge­setz. Platz­ver­weis, das bedeu­te­te für die Übel­tä­ter, dass der Nar­ren­tag für sie kom­plett gelau­fen war. Das hat­te die Poli­zei im Vor­feld ange­kün­digt. Was offen­bar abschreck­te, bei allem Über­mut macht man sich ein so sel­te­nes Fest dann doch nicht so ger­ne selbst kaputt.

Zwei leicht Ver­letz­te gab es am frü­hen Sonn­tag gegen vier Uhr, berich­tet der Tutt­lin­ger Poli­zist wei­ter. Ein bis­lang unbe­kann­ter Täter habe in einem Par­ty­zelt vor der Alten Paket­post (nicht zu ver­wech­seln mit der APO) einen Knall­kör­per gezün­det. Hier­bei habe ein 23-jäh­ri­ger Mann ein Knall­trau­ma erlit­ten, ein 26-Jäh­ri­ger wur­de an der Hand ver­letzt. Die Poli­zei sucht Zeu­gen sowie wei­te­re Geschä­dig­te.

In der Nacht von Frei­tag auf Sams­tag ist ein Poli­zei­be­am­ter ins Gesicht geschla­gen wor­den. Der Poli­zist habe gera­de eine Per­son kon­trol­lie­ren wol­len, die dann aus­ras­te­te. Die Beam­ten müs­sen die­ses Angrei­fers Herr gewor­den sein, im Bericht fin­det sich nichts dar­über.

Einen Unbelehrbaren in Gewahrsam genommen

Bei einer Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen zwei Streit­häh­nen hat ein Kon­tra­hent einem ande­ren eine Fla­sche auf den Kopf geschla­gen. „In die­sem Fall hat die Poli­zei ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren wegen gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung ein­ge­lei­tet”, so Poli­zei­spre­cher Frank. Außer­dem hät­ten sei­ne Kol­le­gen drei Ver­stö­ße gegen das Betäu­bungs­mit­tel­ge­setz regis­triert. Eine wohl eher unbe­lehr­ba­re Per­son sei bei einer Ran­ge­lei am Bus­bahn­hof wie­der auf­ge­taucht, obwohl bereits gegen sie bereits ein Platz­ver­wei­ses aus­ge­spro­chen gewe­sen war. „Die­se Per­son wur­de schließ­lich in Gewahr­sam genom­men und muss die Kos­ten für die­sen Ein­satz tra­gen”, sagt Poli­zist Frank.

Zwei Handys fehlen

In den frü­hen Mor­gen­stun­den des Sams­tag ist einem Gast sei­ne Jacke samt Mobil­te­le­fon gestoh­len wor­den. Ein wei­te­rer Dieb­stahl eines Han­dys wur­de von einem Zuschau­er des Stern­laufs zur Anzei­ge gebracht wor­den.

In der Innen­stadt muss­te eine ille­ga­le Besen­wirt­schaft geschlos­sen wer­den, so der Poli­zei­be­richt. Der Betrei­ber habe kei­ne Geneh­mi­gung vor­wei­sen kön­nen. Ihn erwar­tet zudem ein Buß­geld der Stadt Rott­weil.

Buß­geld­be­schei­de erwar­ten auch eini­ge Wild­pink­ler, die ihre Not­durft nicht in den auf­ge­stell­ten Toi­let­ten­häus­chen, son­dern an nächst­ge­le­ge­nen Haus­ecke ver­rich­te­ten. Auch da grif­fen die Beam­ten offen­bar ein.

Einige Fälle von Ruhestörung

Die Poli­zei berich­tet von meh­re­ren Anru­fen von Anlie­gern wegen zu lau­ter Musik und Lärm­be­läs­ti­gun­gen. Zuletzt sei­en drei Ruhe­stö­run­gen in der Nacht zum Mon­tag dem Poli­zei­re­vier gemel­det wor­den. Wegen Bezie­hungs­pro­ble­men kam es in einem Lokal in der Innen­stadt zu einer Kör­per­ver­let­zung.

Die Poli­zei hat­te wäh­rend des Nar­ren­tags die eige­ne Ein­satz­stär­ke erhöht und wur­de zudem von Beam­ten des Poli­zei­prä­si­di­ums Ein­satz, der Ver­kehrs­po­li­zei, der Kri­mi­nal­po­li­zei­di­rek­ti­on und der Poli­zei­dienst­hun­de­staf­fel unter­stützt.

Keine Verkehrsbehinderungen

Ein gro­ßes Lob spricht die Poli­zei schließ­lich den Ver­ant­wort­li­chen der Zunft aus: Weder bei der An-, noch bei der Abrei­se sei es zu Ver­kehrs­be­hin­de­run­gen gekom­men. Das ein­ge­rich­te­te Park­platz­ma­nage­ment sowie die ein­ge­setz­ten Pen­del­bus­se hät­ten pri­ma funk­tio­niert.

Nächster Narrentag: 2020

Damit ist ein gro­ßer Nar­ren­tag Geschich­te, der auch von der Son­ne ver­wöhnt war. Jetzt heißt es für die Freun­de des Vie­rer­bun­des Elzach, Über­lin­gen, Obern­dorf und Rott­weil wie­der abwar­ten. Geduld haben. Der nächs­te Nar­ren­tag ist 2020 in Über­lin­gen. Und der nächs­te in Rott­weil steht erst 2031 wie­der an. In 14 Jah­ren.