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Rottweil
Mittwoch, 26. Februar 2020

Scheinbar Märchenhaftes mit zivilisatorischen Wahrheiten verbunden

ROTTWEIL (hf) – Literatur im Kunstraum Erich Hausers ist nicht neu, neu aber eine Lesung mit einer Rottweiler Stadtschreiberin, so freute sich die Geschäftsführerin Heiderose Langer in ihrer Begrüßung und Einführung von Carola Gruber.

Literatur als Kunstform in die Gattung „Kunstmärchen“ gekleidet, gelingt es Carola Gruber scheinbar Märchenhaftes mit tiefen zivilisatorischen Wahrheiten zu verbinden. Der Wolf, der von Natur aus das Schaf reißt,  legt sich ein weißes Fell an wie die Schäferhunde und wartet lange und geduldig, solange, bis er nicht mehr weiß, worauf er wartet.

Der leichte Kanarienvogel und der Mensch gehen eine Wechselbeziehung ein: Schwerkraft und Schwerelosigkeit , der Zuhörer erahnt nur die Möglichkeit. Aus ihrem 2008 erstveröffentlichten Band “ Alles an seinem Platz “ las sie  „Alphabet der Angst“ , Namen , hinter denen Lebensgeschichten stehen, in kürzester , verdichteter Form.

Wie überhaupt ihre kurzen Prosatexte äußerst verdichtet oft überraschende Wendungen nehmen, so in „Politisch korrekt“ verfasst Carola Gruber eine Anleitung, die Welt zu erforschen und endet abrupt :“ Der aufrechte Gang ist von gestern!“ In Prosaform geschrieben sind ihre „Vier Bildprotokolle“ über den Maler Vasili Kandinski lyrische Kunstgebilde von äußerster abstrakter Dichte und Schönheit.

Carola Gruber verharrt nicht nur in der abstrakten Form, nein sie beschreibt auch die Situation des Schriftstellers , in ihrem Fall der Stadtschreiberin mit all den Erwartungen und Forderungen an sie als Autorin. Verfremdet in einen männlichen Stadtschreiber beschreibt Carola Gruber in ihrem 2012 erschienenen Band „Stoffel Hoppels Untergang “ das Schriftstellerdasein ihrer eigenen Zeit als Stadtschreiberin in Ranis /Thüringen in ernster „getrieben sein“ und in zugleich humorvoller Weise: „Vampire, die sich seines Schreibens bemächtigen wollen“.
Realpolitische Ereignisse wie die Revolution in der ehemaligen DDR werden mit persönlichen Lebensschicksalen, hier des Stadtschreibers „Stoffelhoppel“ verwoben. Es geht  Carola Gruber auch um das Schreiben als solches und dies gelingt ihr durch genaue Beobachtung und mit humorvoller Distanz. Der Beifall der Zuhörer war ihr gewiß in Erwartung ihrer Texte über Rottweil. „

 

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