6.3 C
Rottweil
Dienstag, 25. Februar 2020

Betriebsräte als Kondensatoren im Schaltkreis Betrieb

REGION ROTTWEIL (pm) – Das war ein seltsames Geschenk mit dem Thomas Maile, Betriebsseelsorger in der Region Rottweil/ Tuttlingen die fast 30 Betriebs- und Personalräte und kirchlichen Mitarbeitervertreterinnen beglückte: Ein kleiner elektrischer Kondensator. Anlass war der „Oasentag“, zu dem die Betriebsseelsorge wie in jedem Jahr Verantwortliche aus der betrieblichen Interessenvertretung auf den Dreifaltigkeitsberg nach Spaichingen eingeladen hatte.

„Kondensatoren sind Alleskönner“, erläuterte der ehemalige Leiter der Betriebsseelsorge Paul Schobel, eigenen Angaben zufolge ein alter „Elektronik-Bäschtler“. Kondensatoren fehlen in keinem Schaltkreis, nehmen überschüssige Energie auf, geben sie ab, wo es nötig ist. Sie glätten und stabilisieren elektronische Schaltungen und wirken als feine Sensoren. Das alles käme ihm sehr bekannt vor, meinte der Pfarrer, wenn er an die Arbeit von Betriebs- und Personalräten denke. Sie wirken wie Kondensatoren im „Schaltkreis“ eines Unternehmens.

Im Gespräch untereinander zeichnete sich ab, unter welcher Hochspannung Betriebsräte ständig stehen: Die dauernde Angst um den Erhalt der Arbeitsplätze, der enorme Arbeitsdruck, unter dem viele Beschäftigte zusammenbrechen, aber auch Betriebsschließungen, Fusionen, Umstrukturierungen über die Köpfe der Betroffenen hinweg. Da käme es natürlich immer wieder zu gewaltigen „Entladungen“, meinten viele der Betroffenen. Dann zischt und funkt und kracht es auch einmal. Doch auch viele persönliche Schicksale, die an Betriebs- und Personalräte herangetragen werden, nehmen sie in sich auf. Ein anspruchsvolles Programm.

Ein Kondensator kann durchschlagen, dann ist er im Eimer. Daher legten die beiden Betriebsseelsorger an diesem Tag größten Wert darauf, dass Betriebsräte auf sich selber achten, auf ein intaktes privates Umfeld, auf körperlichen und seelischen Ausgleich, auf eine tragfähige Solidarität untereinander. Sie raten, sich eine Person des Vertrauens zu suchen, die ihnen Rückmeldung gibt. Nicht weniger wichtig sei aber der Rückhalt bei der Gewerkschaft und vor allem die Bereitschaft zur Weiterbildung.

Auch die Spiritualität sei eine Kraftquelle, meinten die beiden Theologen. Umso mehr, als die Verantwortung in der betrieblichen Interessenvertretung stark mit der Botschaft des Evangeliums verwandt sei, wie etwa im besonderen Augenmerk für die Schwachen und Angeschlagenen.

Mit einer kleinen Meditation im „Brunnenhaus“ auf dem Berg wurde der diesjährige Oasentag beschlossen. Nur in der Stille finde man zu sich selbst und sehe auf den Grund der Dinge, so erzählte zum Abschluss eine Geschichte.

Das seltsame Abschlussgeschenk, der Kondensator, schmückt nun so manches Betriebsratsbüro und wird die Teilnehmer noch lange an diesen Tag erinnern.

 

Mehr auf NRWZ.de