6.3 C
Rottweil
Dienstag, 25. Februar 2020

Schulstandort: Nachdenken schadet nicht

Arbeitskreis präventive Kinder- und Jugendhilfe debattierte am Mittwochabend

SCHRAMBERG (him) – Neuer Schulcampus auf dem Sulgen oder im Tal? Die Schulentwicklung in Schramberg beschäftigt nicht nur den Gemeinderat, auch der Arbeitskreis präventive Kinder- und Jugendhilfe diskutierte am Mittwochabend ausführlich, wie es weiter gehen soll.

 
Die Probleme sind bekannt: „Zurückgehende Schülerzahlen und der verstärkte Wettbewerb der Schulen untereinander gefährden Schulstandorte“, so Hans Jörg Fahrner, der Sprecher der Fraktionsgemeinschaft SPD-Buntspecht in seiner Einladung. Auch Schramberg werde davon nicht verschont bleiben, wenn sich die Stadt dieser Entwicklung nicht oder nur unzureichend stelle.
Auf Drängen seiner Fraktion SPD-Buntspecht habe Oberbürgermeister Thomas Herzog eine Projektgruppe „Schulentwicklung“ gebildet. Nach mehreren Sitzungen hatte die Gruppe, in der die Fraktionssprecher und die Vertreter der Schulen und Kindergärten mitarbeiteten, sich dafür ausgesprochen, dass das Gymnasium in der Talstadt und in jedem Ortsteil eine Grundschule bleiben solle. Für die Erhard Junghans-Schule (EJS), den Verbund aus Real- und Gemeinschaftsschule empfahl die Arbeitsgruppe als bevorzugten Standort den Sulgen unter anderem wegen der Nähe zu den beruflichen Schulen dem neuen Stadion und dem Hallenbad Badschnass.“
Fachbereichsleiter Berthold Kammerer berichtete, dass nach den Sommerferien die CDU-Fraktion mit einem weiteren Vorschlag, nämlich einer Campuslösung im Tal, die Pläne für die Schulentwicklung in Schramberg und auf dem Sulgen in Frage gestellt hatte. Der Rat habe deshalb beschlossen, die vor und Nachteile der verschiedenen Vorschläge untersuchen zu lassen. Dabei solle ein Fachbüro prüfen, welche Konsequenzen ein Neubau oder ein Umbau bestehender Schulen sowohl auf dem Sulgen als auch in der Talstadt bedeuteten. Über eine entsprechende Matrix hat der Verwaltungsausschuss am Donnerstagabend beraten und sie mit einigen Ergänzungen dem Gemeinderat empfohlen. (Siehe gesonderter Bericht.)

Berthold Kammerer zeigte auf, wie es weiter geht mit der Schulentwicklungsplanung. Foto: him
Berthold Kammerer zeigte auf, wie es weiter geht mit der Schulentwicklungsplanung. Foto: him

Ziel aller Überlegungen müsse sein, dass in Schramberg alle Schulabschlüsse möglich bleiben – und dies trotz weiter zurückgehender Schülerzahlen, so Kammerer.
In der Diskussion fragte Michael Porzelt, woran es liege, dass Eltern aus dem Umland ihre Kinder häufig nach Dunningen oder St. Georgen schickten. Ein Grund sei, so der Rektor der Erhard- Junghans-Schule, Udo Trost, der höhere Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund. Dunningen mit vielleicht sechs Prozent Ausländeranteil „suggeriert da heile Welt.“ Hans-Jörg Langendorf, der Rektor der Berneckschule erklärt nach vielen Elterngesprächen, die Schulentscheidung sei eine „sehr emotionale Entscheidung.“
Auch spielten tiefsitzende Vorurteile leider eine Rolle, so noch einmal Trost: „Jedes Mal, wenn ich in Tennenbronn die Realschule vorstelle, ist die erste Frage: ‘Wie ist das mit Drogen?‘“ Die Frage sei völlig irrational, komme aber immer wieder. Die Leiterin der Tennenbronner Grundschule, Tanja Witkowski, bestätigte diesen Eindruck: „Es gibt Vorurteile, die kaum rückgängig zu machen sind.“ Auch der Jugendsachbearbeiter beim Schramberger Polizeirevier Rainer Urner kennt das hartnäckige Gerücht und betont: „Wir haben an keiner Schule in Schramberg ein Drogenproblem.“ Die Polizei habe keine Erkenntnisse, dass an einer der Schulen gedealt werde. Dass einzelne Jugendliche mit Drogen zu tun hätten, sei auch klar, das gelte aber überall.
CDU-Stadtrat Thomas Brantner begründete den Antrag seiner Fraktion, noch einmal die Standortfrage gründlich zu prüfen. Es gehe zum Glück nicht um die Frage Schramberg gegen Sulgen – „die Zeiten sind vorbei“ – sondern darum herauszufinden, wo ist der optimale Standort. Da wegen der angespannten Haushaltslage klar sei, „dass der erste Spatenstich nicht in fünf Monaten kommt“, schade eine Nachdenkpause nicht wirklich.
Dem pflichtete Fahrner in seinem Schlusswort bei: „Lieber noch eine Runde drehen, als eine Fehlentscheidung treffen.“

 

Mehr auf NRWZ.de