15 Jahre NRWZ: Was uns motiviert

Stim­men aus der Redak­ti­on

Wie ist das eigent­lich, einen Lokal­zei­tungs­ver­lag gegrün­det zu haben? Wie ist das, täg­lich für die Online-Aus­­ga­­be der NRWZ und wöchent­lich für die NRWZ zum Wochen­en­de zu rackern? Was moti­viert einen dazu?

Es macht weiterhin große Freude

Von Peter Arn­eg­ger

Peter Arn­eg­ger. Foto: Ralf Gra­ner

Es ist kein Amt, so wie SPD-Par­­tei­­vor­­­sit­zen­­der eins ist. Sonst wäre es das schöns­te Amt neben Papst: Chef einer Lokal­zei­tung zu sein. Der eige­nen. Mit allen Mit­schaf­fern bin ich in die­sen Tagen offen gesagt schon ein wenig stolz, dass wir 15 Jah­re lang durch­ge­hal­ten haben und die Zei­chen auf Fort­be­stand ste­hen. Es gibt weni­ge Zei­tungs­grün­dun­gen in Deutsch­land, die das geschafft haben, mir sind aktu­ell kei­ne bekannt. Alle, die aus dem Digi­ta­len gekom­men sind und dann das Dru­cken begon­nen haben, das wenigs­tens 14-täg­­li­che Erschei­nen als Print­aus­ga­be, sind, wie man das hier­zu­lan­de sagt, bach­hal­den gegan­gen. Baden. Auch ich könn­te jam­mern – dass der Ver­teil­preis mal wie­der gestie­gen ist, dass viel­leicht auch, wie es die Tra­di­ti­on will, das Papier zum Jah­res­be­ginn teu­rer wer­den wird. Aber das sind ein­fach unse­re Geschäfts­grund­la­gen. Ande­re, Ein­zel­händ­ler etwa, die in gro­ßer Zahl zu unse­ren bes­ten Kun­den gehö­ren, haben alle mit ihren eige­nen The­men zu kämp­fen.

Mir ist nicht nach Jam­mern zumu­te. Fast jede Woche, die Gott wer­den lässt, eine neue Aus­ga­be der NRWZ her­aus­zu­brin­gen, manch­mal die bes­te von allen bis­her erschie­ne­nen, das macht näm­lich wei­ter­hin gro­ße Freu­de. Ich per­sön­lich emp­fin­de es – offen­bar wie Kol­le­ge Mar­tin Him­mel­he­ber auch– als Frei­heit, als Unge­bun­den­heit. Dazu online schnell sein, die Leu­te infor­mie­ren, was gera­de in und um Rott­weil und Schram­berg geht, in die­sem hyper­lo­ka­len Mikro­kos­mos, der unse­ren Lebens­mit­tel­punkt dar­stellt, das ist eine tol­le Sache. Wobei, das muss auch gesagt wer­den, das Stress­le­vel manch­mal wirk­lich hoch ist

Nicht immer haben und hat­ten wir die Nase vorn, auch die Kol­le­gen von der Tages­zei­tung machen einen guten Job. Nicht immer sind wir die Schnell­sten gewe­sen, mit­un­ter bau­en wir Feh­ler. Und manch­mal waren wir zu kri­tisch, manch­mal wie­der­um zu unkri­tisch.

Aber ins­ge­samt gese­hen, so mein Fazit nach 15 Jah­ren NRWZ, den­ke ich doch, dass wir hier eine tol­le klei­ne Zei­tung samt Online-Medi­um geschaf­fen haben, die für vie­le Men­schen zum täg­li­chen Leben dazu gehö­ren.

Mit Enthusiasmus zum Erfolg

Von Wolf-Die­­ter Bojus

Wolf-Die­­ter Bojus. Foto: pri­vat

Wer hät­te das gedacht, im Novem­ber 2004. Dass es die NRWZ auch 15 Jah­re spä­ter noch gibt. Putz­mun­ter und infor­ma­tiv wie eh und je. Zuge­ge­ben: Auch ich gehör­te zu den Skep­ti­kern. Aber Enga­ge­ment und Enthu­si­as­mus des voll moti­vier­ten Teams waren der Schlüs­sel zum Erfolg. Nicht zu ver­ges­sen die Leser und die Inse­ren­ten, die bei­de schnell erkannt haben, welch wich­ti­ges Pro­dukt hier ent­steht – in man­cher Hin­sicht mehr, in ande­ren Punk­ten natür­lich auch weni­ger als das ver­lo­re­ne. All das hat dazu bei­getra­gen, dass ich mit mei­ner Skep­sis völ­lig falsch lag. Und es hat noch nie so gut getan, unrecht zu haben. Immer war ich unse­rer Zei­tung ver­bun­den, auch als ich lan­ge Jah­re im Nach­bar­kreis mei­ne Bröt­chen ver­dient habe. Jetzt, da ich in den letz­ten Lebens­ab­schnitt gekom­men bin, kann ich wie­der ver­mehrt für die NRWZ tätig sein. In der Stadt, die mir in 40 Jah­ren zur Hei­mat gewor­den ist. Eigent­lich logisch, oder?

Demokratischer Widerspruchsgeist

Von Gabi Hertkorn

Die Aus­sicht dar­auf, dass künf­tig nur in Obern­dorf bestimmt wird, was es für Zei­tungs­le­ser in Rott­weil zu lesen gibt und vor allem was nicht (!), hat 2004 den Wider­spruchs­geist in mir gera­de hef­tig genug geweckt, um mich mit allen mir ver­füg­ba­ren Mit­teln für eine Alter­na­ti­ve ein­zu­set­zen. Die dama­li­ge Nach­rich­ten­sper­re nach den Gebiets­be­rei­ni­gun­gen der bei­den hie­si­gen Zei­tun­gen war ein Vor­ge­schmack auf künf­ti­ge „aus­ge­wo­ge­ne” Bericht­erstat­tung. Seit die­sem Zeit­punkt war ich – und bin es heu­te immer noch gern – ein Mit­glied der klei­nen NRWZ-Fami­­lie.

Nicht dass es ein­fach gewe­sen wäre, ein für uns und unse­re Leser pas­sen­des For­mat auf den Weg zu brin­gen und lang­fris­tig zu finan­zie­ren, ganz ohne poten­ten Ver­lag im Hin­ter­grund. Schlaf­lo­se Näch­te, end­lo­se Dis­kus­sio­nen, aber auch eine mit­rei­ßen­de Auf­bruchs­stim­mung hiel­ten uns alle auf Trab und bis heu­te bei der Stan­ge. Nie habe ich so viel gelernt wie in den ver­gan­ge­nen 15 Jah­ren – übers Zei­tung machen, über die Men­schen und über mich selbst.
Dan­ke, lie­be Kol­le­gen!

Die Freiheit, Hintergründe auszuleuchten

Von Mar­tin Him­mel­he­ber

Mar­tin Him­mel­he­ber. Foto: pri­vat

Das war ein Schock, als im Janu­ar 2004 die „Schwä­bi­sche Zei­tung” in Schram­berg dicht­mach­te. Nur noch eine Zei­tung in der Stadt – und dann die? Vor mei­ner Zeit als Redak­teur beim Lokal­ra­dio hat­te ich als Frei­er bei der „Schwä­bi­schen” gear­bei­tet und kann­te die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen gut. Als in Rott­weil die Initia­ti­ve für eine eige­ne, neue Zei­tung ent­stand, fand ich das mutig, war aber skep­tisch, ob das funk­tio­nie­ren kann: Wer­be­fi­nan­ziert und den­noch Qua­li­tät lie­fern? Ein paar Jah­re spä­ter, mein „Ries­wel­lesen­der” ging für mein Gefühl in die fal­sche Rich­tung, hab‘ ich mit Peter, Gabi und Moni dar­über bera­ten, ob es nicht einen Schram­berg-Teil geben könn­te. 2008 bin ich bei der NRWZ ein­ge­stie­gen. Es war wie­der ein ganz neu­es Schaf­fen. Lan­ge an einer Geschich­te blei­ben kön­nen, inten­siv recher­chie­ren, Hin­ter­grün­de aus­leuch­ten. Das war eine neue Erfah­rung nach 18 Jah­ren Schnel­l­­schnell-Jour­­na­­lis­­mus.

Was mir heu­te so gefällt: Wir sind frei zu schrei­ben, was wir für wich­tig hal­ten. Und dann immer die Span­nung, wenn ich am Don­ners­tag kurz vor Abga­be an die Dru­cke­rei Peter anru­fe: „Grad’ kommt noch eine ganz neue Infor­ma­ti­on, das musst Du unbe­dingt noch ändern.” Flippt er aus oder kommt ein gemüt­li­ches: „Der Maddddin?” Ach, wie wür­de ich das ver­mis­sen.

Leidenschaft für die Kultur

Von Andre­as Lin­sen­mann

Andre­as Lin­sen­mann. Foto: pri­vat

Wie ich als Drei­kä­se­hoch aus dem Schul­bus her­aus den Kapel­len­turm bestaunt habe, der da, in den Acht­zi­gern, nach und nach die Reno­­vie­­rungs-Hül­­len fal­len ließ, dar­an erin­ne­re ich mich noch genau. Er war für mich immer ein Sinn­bild von Schön­heit und über­zeit­li­cher Bedeu­tung. Und er steht für mich bis heu­te dafür, dass es in Rott­weil und der Regi­on ein enorm facet­ten­rei­ches kul­tu­rel­les Leben gibt, mit span­nen­den The­men und Men­schen, über die zu schrei­ben bei aller Mühe, die jede gut bedach­te Zei­le macht, ein Gewinn und eine Freu­de ist.

Des­halb bin ich mei­nen NRWZ-Mit­­grün­­de­­rin­­nen und ‑Mit­grün­dern, einem wirk­lich klas­se Team, auch dank­bar, dass sie 2004, als wir so kühn waren, ohne fet­tes Kapi­tal im Rücken eine Zei­tung zu grün­den, mich ein­fach haben machen las­sen, als ich mein­te, es müs­se da doch auch Kul­tur­sei­ten geben.
Und, oh Wun­der: Sie las­sen mich nach wie vor machen (dan­ke!), die The­men gehen nicht aus, und die Freu­de auch nicht. Hin­zu kommt, dass mir unab­hän­gi­ge Medi­en mit demo­kra­ti­schem Rück­grat und loka­ler Ver­an­ke­rung heu­te wich­ti­ger erschei­nen denn je. Die NRWZ lebt und ver­tei­digt die­se Wer­te – und ich bin stolz, dabei sein zu dür­fen.

Dar­um hal­te ich auch die Ver­bin­dung, obwohl ich seit Jah­ren mit Fami­lie in Mainz lebe und arbei­te, mitt­ler­wei­le mit Pro­fes­so­ren­auf­ga­ben in Koblenz. Wenn der Spa­gat mal stresst, rufe ich mir tol­le Rück­mel­dun­gen von Lesern in Erin­ne­rung, die Tex­te mit Sub­stanz und Herz­blut schät­zen. Oder ich bestau­ne ein­fach den Kapel­len­turm.

Vier Töchter

Von Moni Mar­cel

Moni Mar­cel. Foto: pri­vat

Nein, ich hab‘ drei Töch­ter. Aber eigent­lich sind es doch vier. Drei aus Fleisch und Blut und eine aus Papier. Denn ein biss­chen hab’ ich auch mit­ge­hol­fen, die­ses Kind auf die Welt zu brin­gen, die­ses klei­ne Blätt­le, manch­mal weni­ger als 20 Sei­ten stark, aber doch so viel beach­tet und so wich­tig als zwei­te, wenn auch klei­ne Zei­tung für Rott­weil. Was waren wir damals ent­setzt, als uns mit­ge­teilt wur­de, kurz und knapp, dass die „Schwä­bi­sche Zei­tung” in Rott­weil schließt! Rott­weil soll­te nur noch eine Zei­tung haben? Was war mit der Mei­nungs­viel­falt? Kei­ne Rei­bung mehr? Kei­ne Kon­kur­renz der Blät­ter mehr, kein wer ist schnel­ler, wer bringt die The­men aktu­el­ler, wer steht wo? Also stell­ten wir uns in die Fuß­gän­ger­zo­ne, im Schnee damals, sam­mel­ten Unter­schrif­ten und ver­such­ten, die­sen har­ten Schnitt zu ver­hin­dern. Was nicht gelang. So grün­de­ten wir schließ­lich, weil kein Ver­lag uns hel­fen woll­te, unse­ren eige­nen. Es schlos­sen sich har­te Jah­re an, in denen ich mei­ne drei Mädels ver­nach­läs­sig­te zuguns­ten die­ser einen Toch­ter aus Papier. Neu­lich hab‘ ich ihnen gestan­den, dass ich des­we­gen ein grot­ten­schlech­tes Gewis­sen habe. Sie lach­ten, sie hät­ten so eine gute Zeit gehabt, die tota­le Frei­heit. Mama war ja da, aber nur am Rech­ner, und sie konn­ten auf Matrat­zen die Trep­pe run­ter­rut­schen und noch ande­ren Blöd­sinn machen. Frei­heit. Mei­nungs­frei­heit. Seit 15 Jah­ren nun. Ich bin stolz auf mei­ne Töch­ter. Auf alle vier.

Feste Größe in der Medienlandschaft

Von Mir­ko Wit­kow­ski

Mir­ko Wit­kow­ski. Foto: pri­vat

Die Pres­se­frei­heit ist ein hohes Gut. Nur mit der Pres­se­frei­heit funk­tio­niert auch unse­re Demo­kra­tie. Damit die Demo­kra­tie mit Leben gefüllt wird, braucht es gut infor­mier­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die wis­sen, was vor sich geht und wie die Din­ge zusam­men­hän­gen. Hier­für braucht es immer auch meh­re­re Zei­tun­gen, die mit ganz unter­schied­li­chen Blick­rich­tun­gen die The­men beleuch­ten. Eine Zei­tung allei­ne kann dies nicht leis­ten. Als sich die „Schwä­bi­sche Zei­tung” sei­ner­zeit aus dem Land­kreis Rott­weil zurück­zog, gehör­te ich zu jenen, die damals bei der SZ-Lokal­­re­dak­­ti­on in Schram­berg gear­bei­tet haben. Über vie­le Jah­re habe ich von außer­halb mit gro­ßem Respekt ver­folgt, wie die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen die NRWZ auf­ge­baut und eta­bliert haben. Sie zu einer fes­ten Grö­ße in der Medi­en­land­schaft gemacht haben. In Schram­berg bin ich auf­ge­wach­sen, hier bin ich zuhau­se und eben hier möch­te ich mei­nen Bei­trag zur plu­ra­len Pres­se­land­schaft leis­ten.

Es freut mich, wenn die Arti­kel bei der NRWZ und bei der ein­zig ver­blie­be­nen Tages­zei­tung mit­un­ter ganz ver­schie­de­ne Schwer­punk­te set­zen. Genau die­se Unter­schied­lich­keit bie­tet den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern die Mög­lich­keit, sich ihr eige­nes Bild zu machen.

Und was mich beson­ders freut: Wenn die Kol­le­gen der NRWZ einen Arti­kel über­ar­bei­ten, dann immer vor dem Hin­ter­grund der Recht­schrei­bung, der Gram­ma­tik und der Rich­tig­keit des Inhalts. Nichts wird ohne Rück­spra­che ver­än­dert. Eine wun­der­ba­re kol­le­gia­le Zusam­men­ar­beit, die ein­fach Spaß macht. Ein Team, das gemein­sam eine tol­le Zei­tung macht, täg­lich online und ein­mal in der Woche als Druck­aus­ga­be. Hier dabei sein zu dür­fen, jour­na­lis­tisch arbei­ten zu kön­nen, das macht ein­fach Spaß. Und was gibt es Schö­ne­res, als wenn die täg­li­che Arbeit Spaß macht?

 

 

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