In einem Brief, ver­brei­tet über die Lokal­pres­se, wen­den sich die Geg­ner der geplan­ten Hän­ge­brü­cke zwi­schen Test­turm­ge­län­de und Innen­stadt an die Rott­wei­ler Bür­ger. Sie wol­len mit einem Bür­ger­be­geh­ren einen Bür­ger­ent­scheid errei­chen. Vor­her steht die Grün­dung der Bür­ger­initia­ti­ve an: Sie ist für kom­men­den Don­ners­tag geplant.

4000 Besu­cher am Tag, zer­stör­te Idyl­le, ver­pes­te­te Luft: Das ist, was die Geg­ner der Hän­ge­brü­cke befürch­ten. Die über das Neckar­tal ver­lau­fen­de Hän­ge­brü­cke wer­de das Land­schafts­bild und die Stadt­an­sicht von Rott­weil stark beein­träch­ti­gen, erklä­ren sie wei­ter. Der his­to­ri­sche Stadt­kern und der Bocks­hof ver­kä­men zum Rum­mel­platz. Das zusätz­li­che Ver­kehrs­auf­kom­men in der Innen­stadt brin­ge Ver­kehrs­cha­os mit Lärm und erheb­li­chen Umwelt­be­las­tun­gen.

So schwarz malen die Brü­cken­geg­ner, allen vor­an Ex-Stadt­ar­chi­var Dr. Win­fried Hecht, die Ober­stu­di­en­rä­tin und ehe­ma­li­ge SPD-Gemein­de­rats­kan­di­dat Gise­la Stier und der frü­he­re Akti­on-Eine-Welt-Akti­vist Wer­ner Fischer. Und noch schwär­zer: Auto­ab­ga­se ver­pes­te­ten die Luft. Die Gesund­heit von Men­schen und beson­ders Kin­dern wer­de gefähr­det, Haus­fas­sa­den geschä­digt, die Wohn­qua­li­tät gemin­dert.

Die drei kom­men zum Schluss: „Die Hän­ge­brü­cke ist ein Luxus­pro­jekt. Wir brau­chen sie nicht.” Der erhoff­te wirt­schaft­li­che Zuwachs recht­fer­ti­ge nicht die mit der Hän­ge­brü­cke ver­bun­de­nen Belas­tun­gen für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger der Stadt. Viel­mehr woll­ten die Geg­ner „eine nach­hal­ti­ge wirt­schaft­li­che und kul­tu­rel­le Ent­wick­lung der Stadt und … dabei den lie­bens­wer­ten Charme von Rott­weil bewah­ren.”

Um die Brü­cke zu ver­hin­dern, stre­ben die Geg­ner ein Bür­ger­be­geh­ren an, das zu einem Bür­ger­ent­scheid führt. „Es haben dann alle wahl­be­rech­tig­ten Ein­woh­ner das Recht, mit Ja oder Nein abzu­stim­men”, schrei­ben die drei. Zunächst wol­len sie eine Bür­ger­initia­ti­ve „Rott­weil OHNE Hän­ge­brü­cke” grün­den.

Die Grün­dungs­ver­samm­lung fin­det statt am Don­ners­tag , 15. Sep­tem­ber ab 19 Uhr in der Gast­stät­te All­gäust­üb­le, Sta­di­on­stra­ße Nr. 18 in Rott­weil.

Mit Grün­dung der Initia­ti­ve und einem erfolg­rei­chen Bür­ger­be­geh­ren soll am Ende die mehr­heit­li­che Ent­schei­dung des Gemein­de­rats aus­ge­he­belt wer­den, auf einen Bür­ger­ent­scheid ver­zich­ten zu wol­len.

Ob die Geg­ner tat­säch­lich einen Bür­ger­ent­scheid erzwin­gen kön­nen, erscheint aktu­ell frag­lich. Für ein erfolg­rei­ches Bür­ger­be­geh­ren müs­sen min­des­tens zehn  sie­ben Pro­zent der wahl­be­rech­tig­ten Rott­wei­ler Ein­woh­ner – das ent­spricht 1967 1377 Per­so­nen – unter­schrie­ben haben. Beim Gefäng­nis hat­ten es die dama­li­gen Geg­ner es knapp geschafft, hat­ten 2100 Unter­schrif­ten ein­ge­reicht (nach­dem die Stadt­ver­wal­tung ihnen den Tipp gege­ben hat­te, dass sie noch nach­zu­le­gen gehabt hat­ten, dass ihre ers­te Ein­rei­chung nicht gereicht hat­te). Damals waren noch zehn Pro­zent der Ein­woh­ner als Unter­stüt­zer nötig.

Anders als beim Gefäng­nis aber scheint die Stim­mung in der Stadt gegen­über der Hän­ge­brü­cke deut­lich posi­ti­ver zu sein. Viel Arbeit für die Geg­ner, so viel steht fest.