DEISSLINGEN (mm) Prof. Dr. Bernd Nol­te wür­de auch auf einer Come­dy-Büh­ne eine gute Figur abge­ben. Das tat er am Mon­tag­abend in Deiß­lin­gen in der Fir­ma ALWA, die Gast­ge­ber des sechs­ten Wirt­schafts­fo­rums war. Doch zuvor stell­te Geschäfts­füh­rer Domi­nik Kam­me­rer sei­ne Fir­ma vor.

Der Kunst­stoff­ver­ar­bei­ter ALWA ging 1984 aus einer Vor­gän­ger­fir­ma her­vor und hat sich seit­dem zu einem erfolg­rei­chen Tei­le- und Werk­zeug­pro­du­zen­ten ent­wi­ckelt, der bekann­te Her­stel­ler von Fahr­zeu­gen, Haus- und Gar­ten­ge­rä­ten oder medi­zi­ni­schen Gerä­ten belie­fert. „Höchs­te Prä­zi­si­on“, so Kam­me­rer, zeich­ne die Pro­duk­te aus, die seit 1995 auch in einer Zweig­stel­le in Wein­gar­ten pro­du­ziert wer­den.

Bür­ger­meis­ter Ralf Ulb­rich erklär­te den zahl­rei­chen Anwe­sen­den, was den Ort der­zeit bewegt: Elek­tro­mo­bi­li­tät mit dem Pro­jekt “Spur­wech­sel“ auf den Weg zu brin­gen, die Breit­band­ver­sor­gung aus­zu­bau­en: „Hier müs­sen wir als Kom­mu­ne aktiv wer­den“, da die Ver­sor­ger hier ver­sagt hät­ten, die Neu­ge­stal­tung der Orts­mit­te, Inves­ti­tio­nen in Schu­le und Hal­le in Mil­lio­nen­hö­he sowie die Kin­der­be­treu­ung. „Inves­ti­tio­nen in die Zukunft, in zukünf­ti­ge Fach­kräf­te“, so Ulb­rich, man wol­le den Ort attrak­tiv hal­ten.

Zur geplan­ten Erhö­hung der Gewer­be­steu­er habe man sich nach 30 Jah­ren durch­ge­run­gen, da Deiß­lin­gen bis­lang hier im Kreis am güns­tigs­ten war, in der Regi­on auf Platz zwei von unten. Dafür haben die Unter­neh­mer jetzt im Rat­haus mit Clau­dia Prim eine Ansprech­part­ne­rin, die für alle Wirt­schafts­be­lan­ge zustän­dig ist.

Dann Nol­te, Wirt­schafts­fach­mann mit meh­re­ren Pro­fes­su­ren, der schwä­bi­sche Erklä­rer, immer wie­der im Fern­se­hen zu erle­ben. Er weiß, wie Unter­neh­mer ticken, und dass die Kri­se eine Chan­ce ist. Kri­se: Ukrai­ne­kon­flikt, Ebo­la, IS, das alles spielt stark auch in die deut­sche Wirt­schaft. Aber Chan­ce: „Das ist, wie wenn ein 15-Jäh­ri­ger ein Mäd­le anspricht“, man weiß ja dann auch nicht im Vor­ne­her­ein, ob sie ihn will oder nicht. Eine Welt mit immer mehr Sin­gles und Alten: „Eine neue Her­aus­for­de­rung!“

Nied­rig­zin­sen in einer „Welt die zu viel Geld hat“, und kei­ner weiß, wohin das führt. Oder doch? Nol­te zeigt die Wirt­schafts­ent­wick­lung in Japan und den USA nach lan­gen Tief­zins­pha­sen: Es ging voll auf­wärts. Deutsch­land, Land der Spa­rer, das für die weni­ger flei­ßi­gen Süd­län­der den Kopf hin­hal­ten muss. Wobei Spa­ni­en hier eine Aus­nah­me mache, vie­le jun­ge Men­schen dort lern­ten Deutsch und woll­ten hier­her. Das sind, so Nol­te, die Muti­gen, die Aben­teu­rer, die uns­re Wirt­schaft braucht.

Sein Bei­spiel: Stein­zeit­men­schen, die nach lan­gem Win­ter aus ihrer Höh­le schau­en. Ein paar von ihnen traut sich raus, reißt sich die Klei­der vom Leib und tanzt vor Freu­de. Der Rest bleibt zag­haft drin­nen und schaut zu, wie die Muti­gen vom Säbel­zahn­ti­ger gefres­sen wer­den. „Und ver­mehrt sich dann wei­ter. Das ist der Grund, war­um wir so vie­le Beam­ten­ty­pen hier haben.“ Der Unter­neh­mer muss der Muti­ge sein, auch wenn er Gefahr läuft, gefres­sen zu wer­den.

Und wie wer­den wir glück­lich? Nol­te hat mit sei­nen Stu­den­ten auch das unter­sucht: „Wir sind sau­mä­ßig reich und glück­lich!“ Fünf Bil­lio­nen Pri­vat­ver­mö­gen – den­noch ist die Zahl der Glück­li­chen im armen Bur­ma viel grö­ßer, dem Land mit dem nied­rigs­ten Brut­to­in­lands­pro­dukt welt­weit. Glück, klar, Emo­tio­nen. Wenn frau sich die 21. neue Hand­ta­sche gönnt. „Frü­her dach­te man, nur der Dackel ist von Emo­tio­nen gesteu­ert!“ So wie der VfB-Fan, der jedes Mal wie­der ins Sta­di­on geht „und sich mal­trä­tie­ren lässt.“ Doof, eigent­lich, doch heu­te weiß man, so Nol­te, dass 80 Pro­zent der Ent­schei­dun­gen emo­tio­nal gesteu­ert sind.

Das lim­bi­sche Sys­tem im Gehirn ist dar­an schuld, und hin­ter­her kommt die Ratio und erklärt dies, wie der Regie­rungs­spre­cher, „der den Quatsch der Regie­rung rüber­brin­gen muss!“ Das ver­ste­hen und dann der sein, der sich traut, auf den Baum zu klet­tern, weil man von da oben wei­ter sieht. „Die Mas­se der Men­schen fragt erst, ob man auch eine Unfall­ver­si­che­rung hat“ und bleibt unten. Und spa­ren, heu­te nicht mehr emp­feh­lens­wert, auch nicht in Immo­bi­li­en, da die Bla­se irgend­wann platzt. Tipp des Fach­manns, nach gründ­li­cher Ana­ly­se: Akti­en, die fünf, sechs Jah­re lau­fen, brin­gen am meis­ten und sind am sichers­ten.

Und weil der Fach­kräf­te­man­gel zuneh­men wird, „sind wir extrem dar­auf ange­wie­sen, dass Leu­te zu uns ins Land kom­men.“ Die man dann mög­lichst schnell „zu Spätz­le­fres­sern machen muss.“ Die jun­gen Spa­ni­er sieht Nol­te hier als Chan­ce: „Sie wer­den hung­rig sein, zu Neu­em bereit und nicht um 16.30 Uhr Fei­er­abend machen.“ Sein Fazit: „Auf hoher See zeigt sich die her­aus­ra­gen­de Crew!“