Gerhard "Gischbl" Mauch. Archiv-Foto: Andreas Linsenmann

Ger­hard „Gisch­bl” Mauch, Kari­ka­tu­rist aus Neuf­ra, hat sei­ne ganz eige­nen Gedan­ken beim The­ma Gefäng­nis. Er nennt sich selbst einen Ex-Kna­cki, hat vor gut 30 Jah­ren mal ein hal­bes Jahr selbst hin­ter Git­tern ver­brin­gen müs­sen, ver­wei­ger­te den Wehr­dienst bei der Bun­des­wehr und offen­bar auch den Ersatz­dienst. Mauch möch­te nun „ange­sichts der aus­gie­bi­gen Dis­kus­si­on” um das JVA-Pro­jekt, wie er schreibt, „noch einen wei­te­ren Aspekt ein­brin­gen. Die NRWZ bringt sei­ne Zuschrift im Wort­laut.

Ich bin beein­druckt, dass Begrif­fe wie öko­lo­gisch, sozi­al, nach­hal­tig in die­ser Ver­bin­dung so häu­fig auf­tre­ten. Eine Anstalt in die­ser Grö­ße und ohne Garan­tie auf Ein­zel­be­treu­ung wird nie Garant für eine sinn­vol­le Reso­zia­li­sie­rung sein. Schon gar nicht ein Voll­zug in die­ser Grö­ße.

Ich spre­che aus erleb­ter Erfah­rung. Hat­te ich doch vor gut 30 Jah­ren das beson­de­re ‚Ver­gnü­gen‘, den Straf­voll­zug sechs Mona­te lang am eige­nen Leib zu erfah­ren (Delikt: Nicht­er­fül­lung der Wehr­pflicht). Ich war in einer Anstalt mit 500 Per­so­nen (ein­deu­tig über­be­legt) unter­ge­bracht und muss­te erfah­ren, dass eine fes­te Hack­ord­nung in einem sol­chen Gefü­ge (auch im Frei­gän­ger­be­reich) unver­meid­lich ist.

So kom­me ich in Ver­bin­dung mit der in Rott­weil geplan­ten Anstalt zu der Fra­ge (viel­leicht habe ich da auch etwas ver­passt?) wie die­se Ein­rich­tung kon­zep­tio­nell aus­ge­rich­tet ist. Wel­che Form der Unter­brin­gung wird ange­bo­ten. Sind alle mög­li­chen Täter­pro­fi­le vor­ge­se­hen? Wird es ein Lang­zeit- oder ein Kurz­zeit­knast? Gibt es einen Frei­gän­ger­be­reich? Wer­den Unter­su­chungs­häft­lin­ge unter­ge­bracht? Kom­men Dro­gen­de­lik­te vor? Wer­den Hand­werks- und Aus­bil­dungs­be­trie­be (Dru­cke­rei, Schrei­ne­rei, Gärt­ne­rei) ein­ge­rich­tet? Sind Arbeits­stel­len in umlie­gen­den Fir­men geplant (zum Bei­spiel für Übergangshäftlingen/ Frei­gän­ger)?

Also wis­sen wir über­haupt, mit wel­chem „Typ Häft­ling” wir es zu tun haben wer­den? Ich weiß, dass da im wesen­ti­chen net­te, umgäng­li­che Bür­ger zu Gan­ge sind, die zum Teil aus Unwis­sen und Nai­vi­tät in die­se Situa­ti­on gekom­men sind (bes­tes Bei­spiel ‚unser Uli‘).

Ich bin gegen ein Groß­pro­jekt wie das geplan­te – auch aus öko­lo­gi­scher Sicht – (Arten­ster­ben, Flä­chen­ver­sie­ge­lung) ver­steht sich. Aber die Jus­tiz­ver­ant­wort­li­chen soll­ten sich per­spek­ti­visch Gedan­ken zu klei­ne­ren Ein­hei­ten machen, wenn die Umschrei­bung ’sozia­ler Straf­voll­zug‘ nicht nur eine Wort­hül­se sein soll.”

Mauch füg­te noch „etwas zum schmun­zeln” bei, wie er schreibt, „denn im ‚Green­wa­shing‘ ist Kret­schie wirk­lich gut.”

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