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Montag, 24. Februar 2020

Ex-Knacki „Gischbl“ Mauch: Gedanken zum geplanten Gefängnis

Gerhard „Gischbl“ Mauch, Karikaturist aus Neufra, hat seine ganz eigenen Gedanken beim Thema Gefängnis. Er nennt sich selbst einen Ex-Knacki, hat vor gut 30 Jahren mal ein halbes Jahr selbst hinter Gittern verbringen müssen, verweigerte den Wehrdienst bei der Bundeswehr und offenbar auch den Ersatzdienst. Mauch möchte nun „angesichts der ausgiebigen Diskussion“ um das JVA-Projekt, wie er schreibt, „noch einen weiteren Aspekt einbringen. Die NRWZ bringt seine Zuschrift im Wortlaut.

„Ich bin beeindruckt, dass Begriffe wie ökologisch, sozial, nachhaltig in dieser Verbindung so häufig auftreten. Eine Anstalt in dieser Größe und ohne Garantie auf Einzelbetreuung wird nie Garant für eine sinnvolle Resozialisierung sein. Schon gar nicht ein Vollzug in dieser Größe.

Ich spreche aus erlebter Erfahrung. Hatte ich doch vor gut 30 Jahren das besondere ‚Vergnügen‘, den Strafvollzug sechs Monate lang am eigenen Leib zu erfahren (Delikt: Nichterfüllung der Wehrpflicht). Ich war in einer Anstalt mit 500 Personen (eindeutig überbelegt) untergebracht und musste erfahren, dass eine feste Hackordnung in einem solchen Gefüge (auch im Freigängerbereich) unvermeidlich ist.

So komme ich in Verbindung mit der in Rottweil geplanten Anstalt zu der Frage (vielleicht habe ich da auch etwas verpasst?) wie diese Einrichtung konzeptionell ausgerichtet ist. Welche Form der Unterbringung wird angeboten. Sind alle möglichen Täterprofile vorgesehen? Wird es ein Langzeit- oder ein Kurzzeitknast? Gibt es einen Freigängerbereich? Werden Untersuchungshäftlinge untergebracht? Kommen Drogendelikte vor? Werden Handwerks- und Ausbildungsbetriebe (Druckerei, Schreinerei, Gärtnerei) eingerichtet? Sind Arbeitsstellen in umliegenden Firmen geplant (zum Beispiel für Übergangshäftlingen/ Freigänger)?

Also wissen wir überhaupt, mit welchem „Typ Häftling“ wir es zu tun haben werden? Ich weiß, dass da im wesentichen nette, umgängliche Bürger zu Gange sind, die zum Teil aus Unwissen und Naivität in diese Situation gekommen sind (bestes Beispiel ‚unser Uli‘).

Ich bin gegen ein Großprojekt wie das geplante – auch aus ökologischer Sicht – (Artensterben, Flächenversiegelung) versteht sich. Aber die Justizverantwortlichen sollten sich perspektivisch Gedanken zu kleineren Einheiten machen, wenn die Umschreibung ’sozialer Strafvollzug‘ nicht nur eine Worthülse sein soll.“

Mauch fügte noch „etwas zum schmunzeln“ bei, wie er schreibt, „denn im ‚Greenwashing‘ ist Kretschie wirklich gut.“

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