Alchimistin der Bildführung“

Klän­ge aus dem Saxo­phon zu Bil­dern auf Alu: Am Frei­tag­abend eröff­ne­te Podi­um Kunst eine Aus­stel­lung der Münch­ner Male­rin Doris Hahl­weg im Schram­ber­ger Schloss, musi­ka­lisch beglei­tet vom Musi­ker und Kom­po­nis­ten Chris­toph Rei­se­rer.

SCHRAMBERG (him) – Der Vor­sit­zen­de von Podi­um Kunst, Lars Born­schein, berich­te­te, dass der Ver­ein Doris Hahl­weg auf Emp­feh­lung von zwei ande­ren Münch­ner Künst­lern ein­ge­la­den habe. Der unge­wöhn­li­che Titel der Schau „grü­ne Erde schräg, läuft“ stam­me von einem Notiz­zet­tel, von denen die Male­rin bei der Arbeit vie­le als Gedächt­nis­stüt­ze anfer­tigt. „Das ist nach vor­ne gerich­tet, was kommt“, so die Male­rin in einem ergän­zen­den Zwi­schen­ruf.

Pro­fes­sor Andre­as Küh­ne von der Aka­de­mie der Bil­den­den Küns­te in Mün­chen beschrieb den Mal-Pro­zess der Künst­le­rin, die als eine der ganz weni­gen Künst­ler ihre Ölfar­ben noch selbst her­stellt. „Sie hat ein gro­ßes Wis­sen über Pig­men­te.“ Als Mal­grund ver­wen­de sie Alu­mi­ni­um­plat­ten, deren tech­ni­sche Anmu­tung die Wir­kung noch ver­stär­ke. Sie schich­te die Far­ben auf die Plat­te und krat­ze sie dann wie­der zum Teil ab.

Küh­ne befass­te sich mit dem Begriff der Gren­ze. Hahl­wegs Mal­wei­se zei­ge die „Be-, aber auch die Ent­gren­zung” von Bil­dern.Podium Kunst Kühne dk 120615 (5) Die­se hiel­ten „mit ihrer Umge­bung Zwie­spra­che”, die „Anord­nung im Raum“ sei ihr wich­tig. Das Ergeb­nis sei für die Male­rin ein Bild, „das ich noch nicht gese­hen habe”. Habe sie die­sen Zustand erreicht, sei das Bild für sie voll­endet. Küh­ne bezeich­ne­te die Male­rin als „Alchi­mis­tin der Bild­füh­rung“, die Spu­ren von Stim­mun­gen in ihren Bil­dern fest­hal­te und so den Betrach­tern die Mög­lich­keit schaf­fe, „uns auf eine ver­än­der­te Wei­se zu begeg­nen.”

Chris­toph Rei­se­rer beein­druck­te die Zuhö­rer mit zwei Kom­po­si­tio­nen auf dem Saxo­phon und auf einer elek­tro­nisch ver­stärk­ten Gitar­ren­kon­struk­ti­on mit expe­ri­men­tel­len Klän­gen. So expe­ri­men­tell, dass eine etwas zu spät gekom­me­ne Zuhö­re­rin frag­te: „Ist das die Musik?“   Nein, es waren die Quietsch­ge­räu­sche, die beim Ein­stel­len der Elek­tro­nik an der E-Gitar­re auf­tra­ten. Rei­se­rer bat das Publi­kum, zwei Minu­ten lang nichts zu reden, nur die Bil­der von Hahl­weg zu betrach­ten und dabei sei­ne Musik nicht zu hören. Expe­ri­ment gelun­gen.Podium Kunst Doris Hahlweg dk 120615 (11)

Sekt mit von Andre­as Krau­se gebrau­tem Holun­der­si­rup und einem Min­ze­blatt hob die Stim­mung der klei­nen Schar Schram­ber­ger Kunst­freun­de, die den Weg an die­sem Abend ins Schloss gefun­den hat­ten.Podium Kunst Doris Hahlweg dk 120615 (18)