SCHRAMBERG (him) – Wichtig!!! Wichtig!!! – ruft ein Aushang in der Praxis von Dr. Thomas Schmidt den Patienten in der Weihergasse zu. Sodann teilt Dr. Schmidt den „sehr geehrten Patienten“ mit, dass er die Schramberger Talstadt verlassen und ab 1. Januar in der „Gemeinschaftspraxis Dres Stephan und Schmidt“ in Waldmössingen weiter praktizieren werde. Diese Entscheidung, so Fachbereichsleiter Uwe Weisser, komme für ihn „überraschend.“

 
Dr. Schmidt begründet seinen Entschluss auch mit der Diskussion ums Ärztehaus. Anfang 2012 hatte Schmidt die Praxis Dr. Knebel an der Oberndorfer Straße übernommen, dort „einiges Geld“ in die Renovierung investiert. Ostern 2013 sei er in die Praxis an der Weihergasse umgezogen, um „zukunftsfähige Praxisräume vorweisen zu können“.
Weil die Patientenzahlen kontinuierlich zunahmen, habe er seit etwa zwei Jahren nach einem zweiten Arzt gesucht. Diese Suche sei sehr schwierig, „da es in Schramberg kein Krankenhaus mehr gibt.“

Zu Beginn des Jahres habe sich dann doch eine „verheißungsvolle Entwicklung“ gezeigt, um einen zusätzlichen Kollegen in seine Praxis zu bekommen. Doch das sei gescheitert, als „erneut der Versuch unternommen“ wurde, „ein Ärztehaus in der Talstadt zu etablieren.“ Darüber muss der Kandidat sehr erschrocken sein, denn Schmidt schreibt: „Bereits wenige Stunden, nachdem diese Information öffentlich wurde, sprang der Interessent meiner Praxis ab.“ Auf Nachfrage der NRWZ erklärt Schmidt, dieser Arzt aus dem Raum Schramberg, der kurz vor der Pensionierung stünde, habe keine Möglichkeit zum Verlegen seines Arztsitzes mehr gesehen.
Es sei ihm klar geworden, „dass es in Schramberg immer wieder diese Diskussionen um ein Ärztehaus geben wird.“ Das werde seine Versuche, einen Kollegen anzuwerben, torpedieren. Für ihn komme es „absolut nicht in Frage, meine Praxis im Schatten eines Ärztehauses zu betreiben, oder gar in einem Solchen selbst zu arbeiten“, schreibt Schmidt. Auf Nachfrage relativiert er, es sei „nicht so, dass das Ärztehaus seine Pläne gezielt verhindert“ habe. Es sei ein Nebeneffekt der Ärztehauspläne, von denen er nicht wisse, ob sie verwirklicht würden.
Uwe Weisser, der die Ärztehauspläne von Seiten der Stadt vorangetrieben hat, versichert, dass das Ärztehaus auf dem Carl-Haas-Areal gebaut wird: „Ich gehe davon aus, dass das Baugesuch noch im alten Jahr eingeht.“ Das Bauschild werde demnächst aufgestellt.
Dr. Schmidt erklärt in seinem Aushang weiter: „Seitens der gewählten Vertreter im Rathaus und Teilen der Öffentlichkeit scheint das Projekt Ärztehaus die einzige Lösung für die medizinische Versorgung der Zukunft zu sein. Dabei würden die vorhandenen Strukturen „weder ausreichend geschätzt noch berücksichtigt.“ Er schließt mit der Bemerkung: „Bedauerlicherweise scheinen hausärztliche Einzelpraxen in der Talstadt nicht mehr als tragfähiges Modell der hausärztlichen Versorgung zu gelten.“
Fachbereichsleiter Weisser kann „den Vorwurf, ein Ärztehaus würde die Entwicklung für die Ärzte nicht zulassen, nicht nachvollziehen.“ Die Mieten im neuen Ärztehaus seien „mehr als fair“. Das Ärztehaus mache die dezentralen Strukturen nicht kaputt, vielmehr: „Wer seine Praxis behalten will, kann das ohne Probleme tun.“

 

 

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