Wie heute der Rottweiler Gemeinderat: Columbo hätte da nur noch eine Frage. Copyright: 1974 NBC Television

In Stutt­gart im Minis­te­ri­um und in Kon­stanz im Amt Ver­mö­gen und Bau wol­len sie die Pla­nung für das neue Rott­wei­ler Gefäng­nis vor­an trei­ben. Die Behör­den ste­hen kurz vor dem Archi­tek­ten­wett­be­werb für den Bau für 400 Insas­sen. Und dann das.

Da kom­men ein­zel­ne Stadt­rä­te in Rott­weil auf die Idee, die Pla­nungs­grund­la­ge, das Bau­ge­län­de zu ver­schie­ben. Par­don: Nur zu erwei­tern, ver­steht sich. Und mit die­ser begriff­li­chen Prä­mis­se fin­det die Idee auch noch eine Mehr­heit im Gemein­de­rat. Sehr zur Ver­wun­de­rung der Behör­den, die eigent­lich los­le­gen woll­ten. Aller­dings: Den Mut, das Land gegen sei­nen Wil­len in ein erwei­te­res Bau­ge­biet zu drän­gen, hat­te die Mehr­heit der Stadt­rä­te dann doch nicht.

Bemü­hen wir mal einen Ver­gleich. Erin­nern Sie sich an Inspec­tor Colum­bo? Der war eigent­lich schon am Gehen, als er sich dann immer noch­mal gebeugt umdreh­te und ver­schmitzt-nach­denk­lich erklär­te, er habe da noch eine Fra­ge. Das ent­nerv­te sei­ne Gegen­über gänz­lich – und dies zu tun lief auch der Rott­wei­ler Gemein­de­rat am Mitt­woch Gefahr.

Im Fal­le Rott­weils geht es um den künf­ti­gen Stand­ort des Gefäng­nis­ses, und man soll­te mei­nen, dass nach dem Bür­ger­ent­scheid alles klar ist: Es kommt auf das Esch. Doch das ver­är­gert Vil­lin­gen­dor­fer und Die­tin­ger, weil die­se nicht mit­ent­schei­den durf­ten (und den Stand­ort rund­her­aus abge­lehnt hät­ten, weil er nach ihrer Wahr­neh­mung vor ihren Haus­tü­ren liegt). Und es ver­är­gert die Ver­tre­ter von Natur­schutz­bund und damit ver­zahnt auch von der Bür­ger­initia­ti­ve »Neckar­burg ohne Gefäng­nis«. Die­se befür­wor­ten nun die Idee der Frei­en Wäh­ler im Gemein­de­rat, den Knast vom Esch in Rich­tung eines Wald­stü­ckes an der B27 zu ver­schie­ben. Lie­ber mög­lichst tief in einen Wald zu ver­ste­cken, als das Gefäng­nis auf den frei­en Acker zu bau­en, so das Mot­to.

Den Tat­ver­däch­ti­gen in den Colum­bo-Epi­so­den ent­glei­sen die Gesichts­zü­ge, wenn der Herr Inspec­tor noch eine Fra­ge hat, wo doch alles gesagt scheint. So wer­den dann auch die Beam­ten in Stutt­gart erstaunt aus der Wäsche geschaut haben, als die Rott­wei­ler ihnen ver­gan­ge­ne Woche ihre neue Idee prä­sen­tiert haben. Die­sen einen Vor­schlag noch. »Da kam wenig Freu­de auf«, erin­nert sich Bau­amts­lei­ter Lothar Huber. Die Stutt­gar­ter sei­en »sehr über­rascht« gewe­sen, und das sei zurück­hal­tend aus­ge­drückt.

Am gest­ri­gen Mitt­woch­abend nun stand der Gemein­de­rat kurz davor, mit sei­nem letz­ten Vor­schlag noch die gera­de sehr guten Bezie­hun­gen zum Part­ner im Gefäng­nis­pro­jekt, zum Land zu ver­är­gern. Vehe­ment hat­te sich die­ses dafür aus­ge­spro­chen, am bis­he­ri­gen Plan fest­zu­hal­ten. Mehr­sei­tig kam eine Stel­lung­nah­me aus dem Amt Ver­mö­gen und Bau in Kon­stanz, das eine Ver­län­ge­rung der Pla­nungs­zeit für das Gefäng­nis von rund einem Jahr vor­aus­sag­te. Und wei­te­re Kos­ten. Und aus dem Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um kam die Bit­te, den Zeit­plan ein­zu­hal­ten.

Kos­ten? Egal. »Eine Befrie­dung mit Vil­lin­gen­dorf und Die­tin­gen kos­tet eben Geld«, erklär­te der Freie Wäh­ler Karl-Heinz Weiss. »Die Kos­ten sind mir egal«, sag­te sein Frak­ti­ons­kol­le­ge Dr. Peter Schel­len­berg. Auch ihm ging es um die Sache: Vor allem um eine bes­se­re Ver­kehrs­an­bin­dung. Statt eine 500 Meter lan­ge Zufahrt von der B14 zum Esch zu bau­en, kön­ne die Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt direkt an die B27 ange­bun­den wer­den, argu­men­tier­te er. Ganz wie ein Colum­bo: Des­sen Fra­gen hat­ten auch Gewicht, brach­ten oft die ent­schei­den­de Wen­de.

Um es kurz zu machen: Eigent­lich waren nur die Grü­nen dage­gen, das Pla­nungs­ge­biet zu erwei­tern – und damit den Bau zu ver­schie­ben, denn ent­ge­gen allen Beteue­run­gen von einer Erwei­te­rung ging es Weiss, Schel­len­berg und Co. ja um eine ört­li­che Ver­schie­bung. Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß war nicht dafür, eine zeit­li­che Ver­schie­bung von einem Jahr ein­zu­ge­hen. Dann wür­de der Zeit­plan zusam­men­bre­chen.

Wie üblich aber argu­men­tier­te Broß schlicht sach­lich, ohne vor even­tu­el­len Fol­gen eines neu­en Beschlus­ses im Gemein­de­rat zu war­nen. Etwa davor, einen Part­ner zu ver­är­gern (ver­un­si­chert ist er schon), etwa davor auch, wel­che poli­ti­schen Ver­hält­nis­se nach der Land­tags­wahl herr­schen. Ein bereits gestar­te­ter Archi­tek­ten­wett­be­werb wäre ein ande­rer Pro­jekt­stand als lau­fen­de neue Bau­grund-, Flo­ra- und Fau­naun­ter­su­chun­gen des Lan­des.

Dann aber ver­ließ die Stadt­rä­te offen­kun­dig der Mut. Sie hat­ten sich zu einer Bera­tung zurück gezo­gen, dis­ku­tier­ten in den Frak­tio­nen noch­mals, sicher­lich auch über Fol­gen eines Beschlus­ses, gegen den das Land und sei­ne Behör­den sich sträu­ben.

Und so stand am Ende kei­ne Ver­haf­tung, wie in jeder Fol­ge von »Colum­bo«. Son­dern eine ganz wachs­weich-höf­li­che Note an das Land, die die­ses zu nichts zwingt, die ihm nichts abver­langt, die beach­tet oder igno­riert wer­den kann. Sie lau­tet:

»Die Stadt Rott­weil bie­tet dem Land das städ­ti­sche Grund­stück süd­lich des bis­he­ri­gen Pla­nungs­ge­biets an, um das Pla­nungs­ge­biet bis zur B27 erwei­tern zu kön­nen. Für den Fall, dass sich das Land auf das ursprüng­li­che Pla­nungs­ge­biet beschrän­ken will, akzep­tiert das die Stadt Rott­weil.«

Das heißt, dass das Land das Gefäng­nis zur B27 hin bau­en kann. Aber nicht muss, wenn es nicht will. Es kann sich auch auf den vor­ge­se­he­nen Stand­ort Esch beschrän­ken und den Wald zur Bun­des­stra­ße hin unbe­rührt las­sen. Es muss ihn nicht mal unter­su­chen, es muss das lau­fen­de Ver­fah­ren nicht unter­bre­chen.

Ach so: Die Unter­la­gen zum Archi­tek­ten­wett­be­werb, die hät­ten die Stadt­rä­te auch noch ger­ne gese­hen. Bit­te.