(här,gg). Ein­ein­halb Jah­re nach dem Spa­ten­stich geht der Bau des Rott­wei­ler thyssenkrupp-Test­turms in die End­pha­se: Im Juli beginnt die Mon­ta­ge der Außen­hül­le, im Dezem­ber der Test­be­trieb und im Mai kom­men­den Jah­res eröff­net die mit 232 Metern höchs­te Aus­sichts­platt­form Deutsch­lands. Eine ers­te Sicht­pro­be beka­men jetzt Jour­na­lis­ten aus ganz Deutsch­land gebo­ten. Die Die Reak­tio­nen reich­ten von ungläu­bi­gem Stau­nen bis zu Aus­drü­cken der Ver­zü­ckung.

Man­che sahen dem Jung­fern-Auf­stieg mit ban­gen Gefüh­len ent­ge­gen. Ob sie die Höhen­angst wohl bewäl­ti­gen wür­den, war die meist­ge­stell­te Fra­ge. Ein Pro­blem lös­te sich von selbst, denn es ging mit dem Feu­er­wehr-Auf­zug nach oben, der ver­glas­te Pan­ora­ma-Auf­zug ist noch nicht fer­tig.

Atemberaubender Blick auf Rottweil: Der Testturm macht's möglich. Foto: gg
Atem­be­rau­ben­der Blick auf Rott­weil: Der Test­turm macht’s mög­lich. Foto: gg

Dann der ersehn­te Moment: Durch eine vier Meter hohe Rund­um-Glas­fas­sa­de eröff­net sich ein atem­be­rau­ben­der Blick. Nicht nur Rott­weil, son­der ein Groß­teil der Schwä­bi­schen Alb mit zig Orten liegt dem Betrach­ter zu Füßen. Zwar ver­wehr­ten an die­sem Tag Wol­ken die Sicht in die Schwei­zer Alpen, aber auf dem Feld­berg war sogar das Bis­marck-Denk­mal zu erken­nen. Auf der ande­ren Sei­te reicht die Per­spek­ti­ve über den Nord­schwarz­wald hin­aus bis in die Stutt­gar­ter Gegend.

Und die nächs­te Über­ra­schung: Nie­mand klag­te über Höhen­angst, obwohl sich direkt an die Glas­wand der Abgrund anschließt. Man fühlt sich sicher, da oben. Mit Züb­lin-Beton unter den Schu­hen. Und dicken Schrau­ben, von denen man­che nicht ein­mal eine Mut­ter zu benö­ti­gen schei­nen.

Gefragt als Gesprächspartner vor beeindruckender Kulisse: Oberbürgermeister Ralf Broß. Foto: gg
Gefragt als Gesprächs­part­ner vor beein­dru­cken­der Kulis­se: Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß. Foto: gg

Die­se Aus­sicht, die­ses Höhen­ge­fühl wer­de Mas­sen anlo­cken, glaubt Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß. Nach­dem im ver­gan­ge­nen Jahr bereits 50.000 zur Bau­stel­le gekom­men waren, rech­net er nach der Fer­tig­stel­lung mit 100.000 Besu­chern pro Jahr. Noch gebe es kein fer­ti­ges Kon­zept, wie der Besu­cher-Ansturm am bes­ten zu bewäl­ti­gen sei, sagt Andre­as Schie­ren­beck, Chef der thyssenkrupp-Auf­zugs­spar­te. Sei­ne Mit­ar­bei­ter berich­ten aller­dings von einer Besich­ti­gungs­tour zu den Tür­men in Ber­lin, Düs­sel­dorf, Dort­mund und Stutt­gart.

Die habe gezeigt, dass noch vie­le Fra­gen zu lösen sei­en. Fest steht bis­her nur, dass die Öff­nungs­zei­ten vor­erst auf Frei­tag, Sams­tag sowie Sonn- und Fei­er­ta­ge begrenzt wird. Pro Tag wird mit einer Kapa­zi­tät von tau­send bis höchs­tens 2000 Besu­chern gerech­net.

Im Extrem­fall ist die Platt­form für 199 Men­schen zuge­las­sen, aber da wäre das Gedrän­ge schon groß, so dass thyssenkrupp mit weni­ger plant. Die Ver­weil­dau­er ist eben­so unge­klärt wie der Ein­tritts­preis. Da wer­de man sich am Stutt­gar­ter Fern­seh­turm ori­en­tie­ren, sagt Schie­ren­beck. Dort zah­len Erwach­se­ne sie­ben und Kin­der vier Euro.

War­um wird der Turm gera­de in Rott­weil gebaut?, frag­te ein Jour­na­list ungläu­big. Und da nann­te der Thys­sen-Krupp-Chef als ers­tes einen bemer­kens­wer­ten Satz: „Weil wir hier will­kom­men waren.“ Eine ent­schei­den­de Rol­le hät­ten aber auch die Nähe zum Auf­zugs­werk in Neu­hau­sen auf den Fil­dern, zu High-Tech-Fir­men und zu Uni­ver­si­tä­ten gespielt. „Wir sind voll im Kos­ten- und Zeit­plan“, kon­sta­tier­te Schie­ren­beck. Er mach­te damit am Tag der Eröff­nung des Gott­hard-Tun­nels in der Schweiz deut­lich, dass Groß­pro­jek­te auch in Deutsch­land – trotz aller Nega­tiv-Bei­spie­le – plan­mä­ßig gebaut wer­den kön­nen.

Für thyssenkrupp-Ele­va­tor wer­de der Test­turm in Rott­weil eine Schlüs­sel­funk­ti­on bei der Umset­zung der glo­ba­len Inno­va­ti­ons­stra­te­gie haben. Inzwi­schen gebe es Plä­ne für Hoch­häu­ser mit bis zu 1600 Meter Höhe. Die­ser Her­aus­for­de­rung müs­se man sich stel­len.

Und so ist der Turm mit moderns­ter Tech­nik aus­ge­stat­tet. Im Werk in Neu­hau­sen, so der TKE-Chef, ste­he bereits einer der welt­weit größ­ten Antrie­be zum Ein­bau bereit. Die Maschi­ne wer­de bald den schnells­ten Auf­zug im Test­turm mit bis zu 18 Metern pro Sekun­de durch den Schacht bewe­gen. Ein ähn­li­cher Antrieb sei schon heu­te im One World Tra­de Cen­ter in New York und im Shang­hai World Finan­ci­al Cen­ter im Ein­satz.

Bereits Anfang des Jah­res hat eine Spe­zi­al­fir­ma einen „Schwin­gungs­til­ger“ von 193 Meter Höhe ein­ge­baut. Das Pen­del wiegt 240 Ton­nen und soll wind­be­ding­te Schwin­gun­gen Turms, die bis zu 75 Zen­ti­me­ter aus­schla­gen kön­nen, regu­lie­ren. Es soll aber auch Wind­bö­en simu­lie­ren und den Turm zum kon­trol­lier­ten Wackeln brin­gen kön­nen. Aller­dings zu besuchs­frei­en Zei­ten, wie Schie­ren­beck lächelnd anmerk­te.

Die Dimen­si­on des Tur­mes zeigt sich auch dar­an, dass er von ganz unten bis ganz oben 1700 Trep­pen­stu­fen auf­weist. Der nor­ma­le Fuß­gän­ger benö­tigt dafür 45 Minu­ten. Der inter­ne Rekord von Mit­ar­bei­tern steht bei 15 Minu­ten und acht Sekun­den. Die Besu­cher kamen mit dem Auf­zug in 59 Sekun­den hoch zur Platt­form.

Ober­bür­ger­meis­ter Broß spricht von einem „Leucht­turm an der Inno­va­ti­ons­ach­se Stutt­gart-Zürich.“ Und er berich­te­te „schon jetzt von posi­ti­ven Effek­ten“. Es gebe Anfra­gen nach Gewer­be­flä­chen beim 40-Mil­lio­nen-Euro-Pro­jekt.

Gehören zusammen: Rottweil und der Testturm. Foto: gg
Gehö­ren zusam­men: Rott­weil und der Test­turm. Foto: gg

Doch das reicht dem OB nicht. Damit auch die Innen­stadt pro­fi­tiert, soll sie durch „die längs­te Hän­ge­brü­cke der Welt“ mit 850 Metern über das Neckar­tal mit dem Turm ver­bun­den wer­den. Ein pri­va­ter Inves­tor ist bereit, sechs Mil­lio­nen Euro zu inves­tie­ren. Auch dafür ist die Grund­stim­mung posi­tiv in Rott­weil, auch wenn wich­ti­ge Fra­gen wie das Park-Kon­zept noch offen sind und die betrof­fe­nen Anlie­ger Wider­stand leis­ten, so der OB. Wenn die Stadt bis zum Spät­herbst die Bau­ge­neh­mi­gung erteilt, könn­te die Brü­cke nach Anga­ben des Inves­tor bereits Ende des kom­men­den Jah­res in Betrieb genom­men wer­den.