Die Grüne Landtagsabgeordnete Sandra Boser diskutierte über die Schulpolitik der Landesregierung. Fotos: him

Die Poli­tik muss auf die Ände­run­gen im Schul­we­sen reagie­ren. Wenn jedes Jahr etwa 20.000 Schü­ler weni­ger in die Schu­len des Lan­des kom­men, hat das Aus­wir­kun­gen auf die Schu­len. Das mach­te die bil­dungs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen-Land­tags­frak­ti­on, San­dra Boser bei einem Dis­kus­si­ons­abend in Schram­berg klar.

SCHRAMBERG (him) –  „Vie­le Gemein­den im Schwarz­wald kämp­fen mit einem Schü­ler­rück­gang und um den Erhalt der Schu­le vor Ort“, so die Grü­ne Land­tags­ab­ge­ord­ne­te San­dra Boser. Die Lan­des­re­gie­rung habe sich mit der Umset­zung der regio­na­len Schul­ent­wick­lung und der Ein­füh­rung der Gemein­schafts­schu­le die­sem Pro­blem ange­nom­men, erklär­te Boser.
Ihr sei der Länd­li­che Raum beson­ders wich­tig: „Die Schu­le im Ort ist ein wich­ti­ger Stand­ort­fak­tor für die Gemein­de.“ Ziel blei­be alle Schul­ab­schlüs­se wohn­ort­nah anzu­bie­ten. Die Werk­re­al­schu­len hät­ten das schlei­chen­de Aus der Haupt­schu­len nicht gestoppt: Waren 1990 noch fast 40 Pro­zent der Viert­kläss­ler auf eine Haupt­schu­le gewech­selt, so sind es jetzt weni­ger als zehn Pro­zent.
Die neu­en Gemein­schafts­schu­len soll­ten auch die extrem hohe Abhän­gig­keit des Schul­er­folgs von der Her­kunft der Kin­der brem­sen. Des­halb sähen auch die Hand­werks­kam­mern in der Gemein­schafts­schu­le die Mög­lich­keit, den Schü­le­rin­nen und Schü­lern glei­che Bil­dungs­chan­cen zu eröff­nen. 271 Gemein­schafts­schu­len gebe es der­zeit in Baden-Würt­tem­berg, Ten­denz stei­gend. „Hete­ro­ge­ni­tät ist wün­schens­wert.“ Der neue Bil­dungs­plan wer­de dar­auf aus­ge­rich­tet sein.
Die Real­schu­len, so Boser, sol­len sich wei­ter­ent­wi­ckeln kön­nen. Da seit die­sem Schul­jahr die Reals-Schü­ler­auch den Haupt­schul­ab­schluss an der Real­schu­le machen kön­nen, könn­ten die Real­schu­len ein grund­le­gen­des und ein mitt­le­res Niveau mit dem Ziel beruf­li­ches Gym­na­si­um anbie­ten. Die Gym­na­si­en soll­ten sich auch dar­auf ein­stel­len, dass nicht jeder Abitu­ri­ent spä­ter stu­die­ren wird.

Sandra Boser
San­dra Boser

Durch die Refor­men und die Inves­ti­tio­nen des Lan­des sei­en die Schu­len für die Zukunft gerüs­tet. „Unter der aktu­el­len Lan­des­re­gie­rung wächst der Bil­dungs­etat auf über 10 Mil­li­ar­den Euro. Soviel Geld stand den Schu­len im Land bis­her noch nie zur Ver­fü­gung“, erklär­te Boser.
In der Dis­kus­si­on, an der die Schul­lei­tung der Erhard-Jung­hans-Schu­le und Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog sich inten­siv betei­lig­ten, war die Inklu­si­on ein beherr­schen­des The­ma. Seit die­sem Schul­jahr haben Eltern von Kin­dern mit Behin­de­rung die freie Wahl zwi­schen Schu­len mit beson­de­ren För­der­mög­lich­kei­ten oder Unter­richt an einer Regel­schu­le. Boser stell­te dabei klar, Eltern hät­ten zwar das Recht auf Inklu­si­on, aber nicht auf eine bestimm­te Schu­le.
Wich­tig wäre, wenn die „Kom­pe­tenz zur Dia­gnos­tik im Haus“ wäre, so Kon­rek­tor Kars­ten Kraw­c­zyk, wenn also ein Son­der­schul­leh­rer an sei­ner Schu­le klä­ren könn­te, wie die Schu­le ein­zel­ne Schü­ler am bes­ten för­dern könn­te. Schul­lei­ter Udo Trost berich­te­te, dass an sei­ner Schu­le ein Roll­stuhl­fah­rer, zwei Schü­ler mit geis­ti­ger Behin­de­rung, ein hör­ge­schä­dig­tes Kind und zehn Schü­ler mit Lern­be­ein­träch­ti­gun­gen unter­rich­tet wer­den. Neben man­chen Schwie­rig­kei­ten, klap­pe die Inklu­si­on in einer Rei­he von Fäl­len auch gut.
Posi­tiv her­vor­ge­ho­ben hat Trost den Lern­ei­fer etli­cher Flücht­lings­kin­der. Einer sei­ner Schü­ler aus Syri­en sei inzwi­schen alters­be­dingt zum neu­en Schul­jahr auf die Berufs­schu­le gewech­selt, erzähl­te Trost. Da sei zu wenig Unter­richt, habe er sich kürz­lich bei ihm beklagt. Jetzt kom­me er nach der Berufs­schu­le noch zusätz­lich in sei­ne alte Real­schul­klas­se: „Das hab‘ ich in 30 Berufs­jah­ren noch nicht erlebt.“